Die SchreibDilettanten auf Exkursion: Ullstein Open House

Am Samstagmorgen, den 22.09. verließen wir unser High-Tech-Tonstudio (von uns liebevoll Wohnzimmer genannt) und wagten uns in die weite Welt, soll heißen: nach Berlin-Mitte.

Der Berliner Ullstein-Verlag lud zum Ullstein Open House ein, auf gut Deutsch zu einem Tag der offenen Tür.

Wenn eines der ganz großen Verlagshäuser Deutschlands mehr oder weniger direkt vor der eigenen Haustür sein Pforten öffnet, dürfen Die SchreibDilettanten natürlich nicht fehlen. Zumal sich hochkarätige Autoren angekündigt hatten: Richard Dübell, Marc Raabe, Oliver Pötzsch, Inge Löhnig und Nele Neuhaus.

Um 10 Uhr betraten wir den „Musiksaal“ des Verlagshauses und erlebten die erste Überraschung: Das Verlagsgebäude ist extrem stilvoll (und nicht zu verwechseln mit dem Ullsteinhaus in Tempelhof, zu dem Marcus beinahe gefahren wäre, wenn Axel nicht aufgepasst hätte). Das alte Friedrichsgymnasium, wunderbar renoviert – und überall stapeln sich Bücher bis an die Decke. Ein Arbeitsplatz, um den man die Verlagsmitarbeiter nur beneiden kann, mit einer gleichzeitig klassischen und modernen Atmosphäre. Sehr passend für einen Verlag.

Die zweite Überraschung: Verlagsmitarbeiter sind mindestens genauso stilvoll wie ihr Gebäude. Weniger alt und schon gar nicht renoviert, dafür aber unglaublich nett, offen und gesprächsbereit.

Dies bewiesen die Mitarbeiter zunächst in einer gelungen Präsentation, die die ganze Veranstaltung einleitete. Wir waren schlichtweg erstaunt, wie eloquent, witzig und verständlich die verschiedenen Verlagsmitarbeiter (angefangen von der Chefin höchstpersönlich, bis hin zur Leiterin der Marketingabteilung) Einblicke in ihre jeweiligen Arbeitsfelder und das Gesamtwirken des Verlags geben konnten. Anderthalb Stunden gingen nicht nur schnell rum, sondern waren ausgesprochen aufschlussreich und unterhaltsam.

Nach einer kurzen Verschnaufs- und Frühstückspause begannen die Vorträge der Autoren. Den Anfang machte Oliver Pötzsch, der seine eisernen Regeln zum Gestalten von Figuren und Szenen vortrug. Wer glaubt, dass Autoren, die historische Romane schreiben, langweilig und von gestern sind, besitzt einen Aberglauben. Oliver Pötzsch referierte locker-flockig einmal Romantheorie in 90 Minuten rauf und runter, ohne dass es kompliziert oder abstrakt wurde.

Außerdem war Oliver Pötzsch auch nur allzu bereit ein paar persönliche Einblicke über seinen Schreiballtag und das Leben als Romanautor zu geben. So berichtete er beispielsweise über seine aufwändigen Recherchefahrten und über seinen täglichen Kampf um die notwendige Konzentration und Anstrengung, die das Schreiben mit sich bringt.

Bei Inge Löhning ging es währenddessen knallhart zur Sache: Krimi- und Thrillerautoren standen auf dem Programm. Löhning ist bekannt für ihre „Kommissar Dühnfort“ Reihe. Sie referierte charmant und kenntnisreich über das Thema, das jedem Krimiautor den Angstschweiß auf die Stirn treibt: Recherche, im Gegensatz zu Dübell (s.u.) mit dem Schwerpunkt Krimi.

Wie schafft man es als „Schreibtischtäter“, sich nicht völlig lächerlich zu machen, sobald ein Fachmann, sprich Polizeibeamter, den eigenen Roman in die Finger bekommt? Zum Glück hatte Frau Löhning ein paar erstklassige Ratschläge parat.

Der Verlag ließ sich in der Mittagspause nicht lumpen und spendierte ein aufwändiges Catering in der Verlagskantine, die eher einem gemütlichen Wohnzimmer gleicht. Die SchreibDilettanten hatten das Glück, an einem Tisch zusammen mit einer Verlagsmitarbeiterin und den Autoren zu speisen, durften spannenden Diskussionen lauschen und am Erfahrungsaustausch der Profis teilhaben.

Im Anschluss stand der Vortrag von Nele Neuhaus auf dem Programm. Anders als Pötzsch wandte sie sich nicht der Theorie des Schreibens, sondern ihrer Biografie zu. Neuhaus berichtete über ihren ungewöhnlichen Werdegang vom Self-Publishing-Neuling mit ein paar hundert Büchern unterm Arm, bis hin zu Bestseller-Autorin. Erfrischend, wie locker, bescheiden (trotz Bestseller-Status) und natürlich sie ihre Geschichte rüberbrachte und dabei auch daran dachte, Allgemeingültiges zu formulieren.

Nach Kaffee und Kuchen ging es zu Richard Dübell, der über Recherche referierte und mit zahlreichen Handouts, Vorführungen mittelalterlicher Tracht, haufenweise Anekdoten und Literaturtipps unter Beweis stellte, dass er ein echter Profi ist. Obwohl der Schwerpunkt natürlich auf Geschichtlichem (und hier vor allem Mittelalterlichem) lag, war der Vortrag trotzdem allgemein genug gehalten, um jedem Autor etwas über Recherche zu vermitteln. Dübell zu erleben war ein echtes Ereignis, so energiegeladen, voller Witz und ansteckendem Enthusiasmus war er.

Parallel dazu gab Marc Raabe, der Autor des Spiegel-Online-Taschenbuch-Bestsellers Schnitt, ähnlich wie Pötzsch, seine Erfahrungen zum Aufbau von Szenen und Figuren zum Besten. Besonders bemerkenswert waren hier die Parallelen, die er immer wieder zum Film zog. Ein interessanter Blickwinkel, den er in seiner Filmproduktionsfirma erworben hat.

Zum Ausklang von Ullstein Open House gab es noch Sekt und eine muntere Gesprächsrunde mit allen Beteiligten.

Unterm Strich war Ullstein Open House eine Veranstaltung, die verzaubert hat. Wir haben an diesem Tag viele unglaublich nette und kompetente Menschen kennengelernt und Autoren live erlebt, die nicht nur zu unterhalten wussten, sondern auch ganz ohne Starallüren Showtalent bewiesen. Ein wirklich inspirierender und beflügelnder Tag.

Wir hoffen sehr, dass diese Veranstaltung Schule macht. In Zeiten des Self-Publishing-Booms ist es sehr interessant zu erleben, was Verlage alles leisten können. Nicht nur die Verlagsmitarbeiter, auch die Autoren wussten viel darüber zu erzählen, wie Verlag und Autor gemeinsam die Karriere und die Außenwirkung eines Autors, aber auch die inhaltliche Qualität eines Buches gestalten. Sehr eindrucksvoll.

Sollte es ein ähnliches Event in deiner Nähe geben: hingehen. Die SchreibDilettanten werden es auf jeden Fall tun.

3 Gedanken zu “Die SchreibDilettanten auf Exkursion: Ullstein Open House

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