Die SchreibDilettanten auf Exkursion: Die Frankfurter Buchmesse 2012

Erneut haben wir uns aus unseren heimeligen vier Wänden in die große weite Welt hinausgewagt und uns in die heiligen (und vor allem vielen!) Hallen der Frankfurter Buchmesse begeben. Natürlich haben wir auf unsere Expedition in die Welt der Verlage, Agenturen und Autoren unser Mikrofon mitgenommen. Aber eins nach dem anderen.

Die Anfahrt zur Messe war brutal. Vor allem Marcus musste unter der unmenschlichen Zeit leiden und sich Freitagmorgen um 1 Uhr aus dem Bett quälen, um rechtzeitig zum ersten Interviewtermin um 10 Uhr in Frankfurt sein zu können. Berlin ist doch ein Stückchen weiter weg von Frankfurt und Autobahnen können ein tückisches Pflaster sein, weswegen der übervorsichtige Axel darauf bestand, so früh wie möglich loszufahren. Noch früher war einfach nicht möglich …

Die Fahrt war reibungslos. Tatsächlich gelang es Marcus sogar, gelegentlich eine Mütze Schlaf abzugreifen, so dass wir halbwegs ausgeruht aus der Ferne die eindrucksvolle Frankfurter Skyline in der Morgenröte auf uns zukommen lassen konnten.

Die Restmüdigkeit wurde schnell vertrieben, während wir uns in Frankfurt zurechtfummelten, um die Messe zu finden. Wir staunten nicht schlecht, wie groß das Messegelände ist, aber kaum hatten wir unsere Presseausweise gezückt, wurden wir professionell und souverän durch das Wirrwarr aus Parkhäusern und Messehallen hindurchgelotst.

Die Unausgeschlafenheit war Schuld daran, dass wir zunächst durch die International-Publishers-Halle irrten, uns auf Waffen und andere potenzielle Anschlagsobjekte von Männern mit fragwürdigem Englisch und kalten Händen durchsuchen ließen, um dann schließlich einem Messemitarbeiter den Heyne-Verlag zu buchstabieren, so dass er uns den Weg zu der richtigen Halle zeigen konnte.

Endgültig wach waren wir dann, nachdem wir endlich die Halle 3 betraten, wo sofort deutlich wurde, dass wir uns im Herzen der Messe und am Ziel unserer morgendlichen Odyssee befanden. Alle großen oder auch kleineren Verlage waren hier mit eindrucksvollen Ständen vertreten. Staunend taumelten wir zwischen Kamerateams, riesigen Aufstellen, Plakaten, massen von Büchern und Verlagsmitarbeitern.

Doch zum Schlendern blieb uns keine Zeit. Immerhin waren wir mit einer Mission hier. Und die lautete (zunächst), Christoph Hardebusch zu interviewen.

In gewohnt professioneller Weise schafften wir es auch, Christoph am Heyne-Stand zu identifizieren, zu erkennen, dass er gerade ziemlich beschäftigt war, und uns schnell wieder zu verziehen. Immerhin waren wir dank Axels pathologischer Furcht vor Verspätungen fast eine Stunde zu früh und bekamen so die Gelegenheit, uns nochmals intensiv auf das Interview vorzubereiten (soll heißen: Brainstorming mit Papier, Stift und iPad, Recherche per iPhone, gekritzelte Stichpunkte und Fragen, mit denen wir investigativ und knallhart Christoph aus der Reserve locken würden).

Als dann der Termin angerückt war, stellte sich als schwierigstes Unterfangen die Suche nach einem halbwegs ruhigen Plätzchen heraus. Wir entschlossen uns für die gemütliche Couch. Nicht ruhig, aber gemütlich.

So nahmen wir Christoph in unsere Mitte und ließen uns von seiner entwaffnenden Freundlichkeit einnehmen. Dahin war unser Fragenkatalog und journalistischer Anspruch. Hallo, Fanboys, die schließlich an seinen Lippen hingen und begeistert davon waren, dass Christoph nicht nur ein netter Typ von nebenan, sondern auch noch passionierter Rollenspieler ist wie wir.

Christoph nahm sich viel Zeit, sich unseren Fragen zu stellen und loungte sogar im Anschluss ans Interview noch eine Weile mit uns auf dem Sofa herum. Ein Autor zum Anfassen (nein, das ist nicht buchstäblich gemeint, wir haben Christoph nicht begrabbelt, wo denkst du hin …, ts.).

Schon auf dem Weg aus der Halle raus, auf der Suche nach einem halbwegs ruhigen Plätzchen, um erst einmal was zu frühstücken und ein Backup unseres Interviews zu ziehen, begegnete wir unserem nächsten Opfer, äh, Gesprächspartner: Thomas Finn. Tom, wie wir coolen Leute sagen, ließ sich sofort anquatschen, so dass wir ein hochprofessionelles Vorgespräch mit ihm führten, das beinahe länger wurde als das eigentliche Interview, das noch später folgen sollte.

Tom hatte noch zutun, wir wollten Backups, Kaffee und ein Brötchen (und Schlaf, aber daran war nicht zu denken), also gingen wir schnell alle unserer Wege, um uns in einer guten Stunde wieder zu versammeln.

Diesmal waren wir schlauer (glaubten wir wenigstens) und setzten uns mit Tom vor die Halle, denn wir hofften, dass es dort weniger Hintergrundgeräusche geben würde. Eigentlich auch ein kluger Plan, wenn man vom Nieselregen und einer Invasion von Messegästen mit Trolleys absah, die offensichtlich nichts Besseres zu tun hatten, als neben uns mit ratternden Kofferrollen auf dem unebenen Asphalt hin und her zu latschen.

Doch der tatendurstige Tom ließ sich seine gute Laune (von der er so viel im Überfluss hat, das es auch noch locker für uns reichte) nicht verderben und widmete sich engagiert unseren Fragen. Er stand uns lange Rede und Antwort und saß noch länger mit uns im Anschluss zusammen, um über Gott, die Welt und die Welt der Götter in Rollenspielen zu quatschen. Irgendwie bissen wir uns ein wenig am Rollenspielthema in den Nachgesprächen zu Interviews fest. Das kommt halt davon, wenn man Fantasyautoren interviewt und selbst Rollenspieler ist.

Und so versorgte uns Thomas Finn nicht nur mit viel Stoff für unser Interview, er wärmte auch unsere Herzen und gab uns viele wertvolle Tipps, an wen wir uns in Zukunft noch wenden können. Ihr habt’s gehört, liebe Autoren, wenn wir euch demnächst mit dem Mikro zu Leibe rücken – Thomas Finn ist schuld. Wir outen ihn gerne.

Der Nachmittag war bereits fortgeschritten und nach weiterem Schlendern durch die Messehallen beschlossen wir, uns ein wenig Frankfurt anzusehen und die Bäuche vollzuschlagen. Beides gelang uns vorzüglich.  Dann wurde es auch schon Zeit, unsere müden Häupter endlich im Hotel auszuruhen.

Wie zu vermuten war, war am Abend mit uns nach mehr oder weniger zwanzig Stunden, die wir am Stück on the road und auf den Beinen waren, nicht mehr viel los. Die SchreibDilettanten erwiesen sich in einer Hotelbar noch als BillardDilettanten und beschlossen, dann, dass es klüger war, schlafen zu gehen.

Um sechs Uhr morgens schrillte dann erneut der Wecker. Natürlich begannen wir unseren Morgen schreibend (Vorbereitungen zum NaNoWriMo, immerhin ist schon Oktober!) und checkten dann pünktlich um acht Uhr aus dem Hotel wieder aus, um geschwind auf dem Messegelände zu sein.

Wiederum sorgte Axels Tatendrang dafür, dass wir viel zu früh waren und deswegen noch die guten Parkplätze abgreifen konnten. Das erwies sich auch als vorteilhaft, denn so hatten wir genug Zeit, uns erneut im Hallenwirrwarr der Messe zu verlaufen und auf der Suche nach den Literaturagenten im Antiquariat zu landen. War aber schick dort, abgesehen davon, dass uns die nächste Leibesvisitation drohte, die wir nur knapp dank unseres ehrlichen Lächelns abwenden konnten.

So fanden wir doch noch in die richtige Halle und zum richtigen Interviewpartner und trafen uns mit Herrn Roman Hocke, Geschäftsführer der AVA-Autoren- und Verlagsagentur.

Der gediegene Profi sorgte dafür, dass wir uns ausnahmsweise mal zusammenrissen und ganz auf unsere flapsigen Respektlosigkeiten verzichteten. Umso aufschlussreicher wurde das Gespräch mit Herrn Hocke, der uns einen tiefen Einblick hinter die Kulissen und in die Arbeitsweise eines erfahrenen Literaturagenten gab.

Und dann kamen wir auch zum nächsten Hammer-Interview: charmante Gesprächspartnerinnen, tolle Fragen, spektakuläre Antworten. Wir lernten die beiden Köpfinnen der Schmidt & Abrahams Literaturagentur kennen, die uns bereitwillig, freundlich, offen und einnehmend sympathisch viel über sich und ihre Agenturarbeit verrieten. Ein grandioses Interview – das nie ein Mensch zu hören bekommen wird, da unser Aufnahmegerät nach den ersten drei Sekunden des Gesprächs beschloss, die Kooperation einzustellen, ohne uns das mit einem Signal zu verraten.

Leider war es zu spät, um das Interview erneut zu führen. Aber Natalja Schmidt und Julia Abrahams sicherten uns zu, sich unseren Fragen noch einmal schriftlich zu stellen, so dass wir die Essenz dieses traumhaften Interviews noch nachliefern können. Puh. Unser Glück, dass diese Literatur-Menschen alle so nett sind. Das gleicht unsere Unfähigkeit ein wenig aus.

Nachdem wir damit fertig waren, uns die Köpfe an bereitwillig herumstehenden Säulen vor Zorn und Scham blutig zu schlagen, mussten wir auch schnell weiter, um zum abschließenden Interview der Messe zu heitz …, äh, hetzen. Du ahnst es: Kein anderer als Markus Heitz stand auf dem Programm.

Wie immer waren wir viel zu früh da, was aber ausnahmsweise alle Beteiligten ziemlich gut fanden. Markus erwies sich als ebenso spontan wie sympathisch, indem er sich fast sofort von uns interviewen ließ. Nur für einen Keks für zwischendurch musste noch ein wenig Zeit sein.

Dass wir inzwischen schon ein wenig müdeinterviewt waren, glich Markus als Profi mit seiner Vitalität aus, so dass auch dieses Interview ein voller Erfolg wurde. Und obwohl Markus es angerissen hat, mieden wir ausnahmsweise mal das Thema Rollenspiele. Immerhin wollten wir ja über das Autorendasein reden und nicht wieder wie Fanboys dastehen.

Platt aber selig schleppten wir uns zum Auto und rollten schließlich durch einen sonnigen Nachmittag Richtung Heimat, um des nächtens wieder in den Berliner Hafen einzukehren.

Wir können es kaum erwarten, die Interviews zu veröffentlichen. Es warten echte Hammer auf euch. Alle Interviewpartner haben sich eine irre Mühe gegeben, waren freundlich und sehr auskunftsbereit. Wir waren schlichtweg begeistert darüber, wie offen und ausführlich unsere Fragen beantwortet wurden.

Kommenden Samstag, den 20.10.2012, geht es los, von da an gibt es jede Woche samstags ein neues Interview. Ihr dürft gespannt sein. Spitzt eure Bleistifte und markiert euere Kalender. So was dürft ihr nicht verpassen.

5 Gedanken zu “Die SchreibDilettanten auf Exkursion: Die Frankfurter Buchmesse 2012

  1. „SchreiDilettanten“? Hübscher Tippfehler, habe schallend gelacht. Der Verantwortlich wird zur Rechenschafft gezogen. Marcus hatte den Artikel geschrieben – und mich gebeten, den Artikel noch einmal durchzugehen. Selbst Schuld, Marcus, du hättest doch wissen müssen, wie es um meine Rechtschreibung bestellt ist. PS.: Und jetzt werde ich mal die Überschrift korrigieren.

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