Folge 101 – Überraschende Wendungen

Überraschende Wendungen machen eine Romane spannend, ganz gleich, ob du Thriller, Krimis, Fantasy oder Liebesromane schreiben willst. Sie sind ein gutes Mittel, um Spannung zu erzeugen.

Leser lieben es, verblüfft zu werden. Doch unvorhersehbare Ereignisse allein reichen für ein gelungenes Leseerlebnis nicht aus. Die Wendungen müssen auch noch plausibel und vor allem gut vorbereitet sein. Trotz aller Überraschung müssen sich Plots logisch entwickeln.

Leichter gesagt als getan? In dieser Folge erfährst du, wie der Aufbau eines Romans beschaffen sein muss, damit du den Leser mit überraschenden Wendungen vom Hocker haust, die trotzdem nicht aus heiterem Himmel kommen.

Wochentipp: Kai Meyer – Die Winterprinzessin (Hörspiel)

22 Gedanken zu “Folge 101 – Überraschende Wendungen

  1. Ob eine Wendung auch überraschend ist, hängt auch vom Publikum ein. Ich glaube, ein kleiner Teil der Leser wird die Puzzleteile richtig zusammengesetzt haben und von der Wendung nicht überrascht sein.

  2. Nachtrag: Bei Krimis denkt man manchmal, dass garantiert derjenige Mörder oder der Täter ist, von dem man es am wenigsten erwartet. Manchmal nutzt sich so ein Überraschungseffekt ab.

    Ich gucke nicht so viele Krimis, aber ich kann mich an einem erinnern, es war IK 1, wo ich mich gefragt habe, warum zieht der Polizist diesen Menschen nicht als Zeuge oder Verdächtigen in Erwägung, man muss auch aufpassen, dass man nicht in ein Logikloch gerät.

  3. Pingback: Die SchreibDilettanten – Folge 101: Überraschende Wendungen | Marcus Johanus

  4. Hallo Marcus, hallo Axel

    Die tibetanische/ tibetische Klangschale hört sich sehr schön an. Das könnt Ihr beibehalten.
    Krimis habe ich vor meiner beruflichen Veränderung gerne gelesen und mir auch gerne Tatort angeschaut. Seitdem ich aber beruflich mit diesen Genere zu tun habe, kann ich mir weder den Tatort anschauen noch Krimis lesen. Es ist manchmal so dilletantisch, was da abläuft. Bei spätestens der Hälfte des Buch weiß ich wer der Mörder war. Die letzte Krimiserie war von Klaus Peter Wolf. Wenn man ein wenig in der Materie drinen steckt, ist es relativ einfach den Täter vor Ende des Buches zu entlarven. Engel hat da wirklich recht. Leider gibt es wenig Krimi – Autoren, die es schaffen bis zum Schluss den Leser in seinen Bahn zu halten und den Mörder verdeckt hält.

    George R.R. Martin schafft es in jeden von seinen „Das Lied von Eis und Feuer“ Romanen eine oder mehrere überraschende Wendungen einzubauen. Ich bin beim 10 Roman angekommen. Es liest sich einfach toll und man mag nicht aufhören. Ich will jetzt nicht spoilern, aber es passiert soviel und ja man muss als Leser ständig seinen Helden neu finden. Ich war selten so im Bahn einer Romanserie. Eventuell die Jack Ryan Serie von Clancy.
    Es hat wieder Spass gemacht.

    Carsten

    • Hallo, Carsten,

      danke für deinen Kommentar. Nun, ich habe das Glück, mich hinsichtlich der Tätersuche oft überraschen zu lassen. Ich bin eher der Thriller-, als der Krimifan. Tom Clancy? Lese gerade (mal wieder) „The Sum of all Fears“. Das Buch hat wirklich starke Momente (ja, und ist teilweise – wie alle Clancys – manchmal peinlich). Auf jedem Fall findet man in dem Schmöker die vermutlich beste Sex-Szene aller Thriller-Zeiten! Wer es nicht kennt: Die Frau des Helden will endlich mal wieder ihren Mann verführen, ein drittes Kind und etwas Leidenschaft in der Beziehung, doch Ryan ist zu gestresst und versagt auf ganzer Linie. Und Martin? Was soll man sagen, einer der besten Spannungsautoren zurzeit.

      Axel 🙂

      • Hi Axel,

        Thriller sind mir auch bedeutend lieber.
        Die älteren Bücher von Clancy sind schon toll. Jagd auf roter Oktober, Im Sturm, Der Kardinal im Kremel. Für Echo aller Furcht habe ich zwei Anläufe gebraucht. Ich hätte das Buch beinahe nicht mehr in die Hand genommen. Ich kam überhaubt nicht in die Geschichte rein. Ich habe mich dann gezwungen und ich muss sagen, ich habe es nicht bereut.
        Ich gebe Dir aber recht, dass die Bücher auch Ihre „peinlichen Momente“ haben.
        Gnadenlos ist auch sehr spannend. Die Geschichte spielt vor Ryan, zur Zeit des Vietnamkrieges. Es sind aber bekannte Charaktere dabei. Persönlich finde ich die Hauptperson John Kelly sogar besser als Ryan.

        Carsten

        • Jupp, die älteren Clancys sind super. Waren im Sommer auf Island und natürlich habe ich „Im Sturm“ gelesen 🙂 „Gnadenlos“ kenne ich. Muss aber mal wieder einen Blick drauf werfen. Falls du sie nicht kennst, schau mal in die Bücher von Nelson DeMille rein. Meine Tipps wäre: „Das Spiel des Löwen“ (John-Corey-Reihe. Das zweite Buch aus der John Corey Reihe. Ohne Vorkenntnisse absolut lesbar) und „Das Ehrenwort“ (das Buch hat wenig Action, ist eigentlich kein Thriller, dennoch einer meiner absoluten Lieblinsschmöker …).

    • Ich kann verstehen, welche Probleme du mit Krimis hast. Wenn ich als Lehrer Unterrichtsszenen in Filmen, Büchern und Serien sehe, bekomme ich auch häufig das kalte Grausen. Selbst Dokumentationen gehen häufig vollkommen an der Wirklichkeit vorbei, sogar wohlmeinende.

      Aber ich fürchte, man muss – im Unterhaltungsbereich – akzeptieren, dass man es mit fingierter Wirklichkeit zu tun hat. Hier geht es halt um Spannung, dabei kann Realismus schon einmal auf der Strecke bleiben. Dort finde ich das legitim.

      In Dokus finde ich das allerdings unentschuldbar.

    • Beim Realitätsabgleich stellt man wahrscheinlich noch fest, dass die realen Fälle wie erschüttender, beunruhigender, grauschattiger sind. Ein Großteil der Arbeit besteht auch darin, den Täter die Tat gerichtsfest nachzuweisen, auch wenn man den Täter bereits hat.

      Na ja, wenn es beim Krimi noch etwas anderes zu erleben, ist die Auflösung nicht so wichtig, wenn beispielsweise die Figur fasziniert wie bei Monk und Detektiv Conan oder die Rahmengeschichte und die Welt wie bei Pushing Daisies.

  5. Zum Thema überraschende Wendung habe ich heute ein ganz tolles Beispiel präsentiert bekommen.

    Die Buchhändlerin meines Vertrauens präsentierte mir ihren persönlichen Buchtipp der Woche. Sie las gerade an den ersten Seiten eines Leseexemplares. Die Geschichte dieses Buches spielt in einer Welt, in der es keine realen Menschen mehr gibt. Die Hauptcharakterin ist also, aus welchem Grund auch immer, in dieser Welt unterwegs und trifft auf den einzigen bislang bekannten Lebenden. Was tut sie? Sie erschießt ihn.
    Meine Buchhändlerin war begeistert. Ich auch.
    Aus folgenden Gründen: Bei dem Menschen, auf den die Charakterin getroffen ist, handelte es sich um ein männliches Wesen. Typische Geschichten dieses Genres verlaufen ja meist so, dass ein Weiblein ein Männlein kennenlernt, beide gehen durch eine hoffnungslos verlorene Welt und es entspinnt sich eine Liebesgeschichte. Ich liebe solche Bücher, versteht mich nicht falsch. Ich mag es, wenn ich die Geschichte gut geschrieben ist und ich mitfiebere. Wenn ich dieses „Kribbeln“ und diesen Höhenflug dabei verspüre, dass zwei Liebende es zueinander geschafft haben. Und dennoch: Ich fand diese unerwartete Wendung klasse. Allein diese kurze Erzählung würde mich dazu bewegen zu diesem Buch zu greifen.

    Auch wenn dass Folgende nicht mehr zum Thema überraschende Wendung passt, ich würde dennoch kurz noch etwas weiter ausholen:
    Nicht nur die „überraschende Wendung“ hat mich an der Erzählung meiner Buchhändlerin interessiert. Bei dem Zusammentreffen der beiden Figuren hielt der „Fremde“ etwas in der Hand. Als er gerade die Hand vom Bauch nehmen wollte, sah die Charakterin etwas silbernes aufblitzen. Für sie war es eine Waffe. Das gab ihr den Grund dazu den Fremden zu erschießen. Nach dem Tod stellte sie jedoch fest, dass es sich um ein Kruzifix handelte. Was tut die Hauptcharakterin? Sie redet sich ein, dass er gewiss hinter dem Rücken eine Waffe versteckt hatte und untersucht ihr Opfer also nicht weiter. Sie zieht von dannen.
    Auch diese Szene, empfand ich als gut gelungen. Dadurch zeigte sich, dass der Charakter ein schlechtes Gewissen hat. Er hat also durchaus einen Charakterzug, mit dem der Leser sympathisieren mag.

    • Dein Beispiel passt gut zum Thema (Titel? Autor? Würde mich interessieren.). Allerdings würde ich bei solchen überraschenden Wendungen, die ja die Konventionen eines Genres auf den Kopf stellen (Boy-meets-Girl als zentrales Motiv) als Autor vorsichtig sein. Ich weiß ja nicht genau, aus welchem Genre der Roman stammt. Man muss jedoch bedenken, dass ein Roman nicht nur dem intensiven Vielleser gefallen soll, der schon die 100ste Variante eines Themas im Roman liest und sich deswegen darüber freut, dass ein Klischee gebrochen wird. Ein Roman muss auch den Kontakt mit einem Wenigleser überleben können, der einfach bestimmte emotionale Bedürfnisse erfüllt bekommen möchte. Da sollten sich dann die überraschenden Wendungen auf anderen Ebenen abspielen.

      Ich habe natürlich keine Ahnung, ob diese Anmerkung auf dein Beispiel zutrifft, wollte sie aber gerne mal anlässlich deines Kommentars loswerden, weil ich glaube, dass wir sie im Podcast vergessen haben.

  6. Auch die Nichtsovielleser konsumieren viele Geschichten, nämlich als Film oder Serie, wahrscheinlich erkennen sie die Muster noch viel schneller.
    Das Lied von Eis und Feuer war wahrscheinlich deswegen so erfolgreich, weil es ein paar Genrekonventionen durchbrach. Ich glaube, Klassiker durchbrechen immer Klischees, und seltsamerweise werden sie dann auch mehr von Weniglesern gelesen.

  7. Hi Marcus.

    Bei dem Buch handelt es sich um „Die fünfte Welle“ von Rick Yancey. Meine Buchhändlerin hatte erst die ersten Seiten gelesen. Daher weiß ich nicht, wie sich die Handlung noch entwickelt. Ich habe durch ihre kurze Erzählung aber den obengenannten Eindruck erhalten. Bei weiterem Konsum des Romans kann es natürlich sein, dass ein ganz anderer Hintergrund entsteht.

    Weiter erzählte meine Buchhändlerin mir, dass die Charakterin nach ihrem Tun Gedanken darüber hegt, ob ihre Motivation (Misstrauen) vielleicht vom System geplant war. (Sie fragt sich, ob sie gerade die 4. Welle durchlebt).

    Man merkt also dort bereits an den ersten Seiten und somit dieser Anfangssequenz, dass der Autor seinen Roman sehr gut in Szene zu setzen weiß.

  8. Hallo Ihr Zwei

    Ich möchte gerne an dieser Stelle einfach nur mal loswerden, dass mir Eu’re „Sendung“ jede Woche sehr viel Spaß macht.
    Auch wenn nicht jedes Thema unbedingt meins ist, höre ich Euch einfach sehr gern zu.
    (Prinz oder Prinzessin? Egal! – Fand ich seeeeehr lustig *brüll*)
    Also von mir aus dürft Ihr gern öfter so „mit den Nerven am Ende“ sein, wenn’s dann so witzig wird.

    LG Mile

  9. Wahrscheinlich liest das keiner mehr, aber ich höre die Folge erst jetzt und wollte auch nochmal meine Meinung schreiben.

    Hat mir sehr geholfen, die Folge, da ich jetzt besser weiß, wie ich meine überraschenden Wendungen gestalten sollte.
    War dann auch ganz glücklich, als ich festgestellt habe, dass ich in meinem derzeitigen Projekt (ist zwar nur ne Fan-Fiction, aber trotzdem) doch schon mindestens drei überraschende Wendungen drinhabe, auf die ich sogar Hinweise gebe. Mehr oder weniger, muss ich noch bisschen ausarbeiten, aber im Grunde genommen hab ich´s.

    War auch wieder mal sehr lustig. 🙂

    Ganz ehrlich, habt ihr letztendlich irgendwas rausgeschnitten?

    Toll war auch die Stelle: „Ja, George R.R. Martin im Lied von Eis und Feuer“, ich nur so „AAAAH!“, versuche panisch auf Pause zu drücken (keine Ahnung, warum ich mir nicht einfach die Kopfhörer aus den Ohren gerissen habe, aber man denkt ja in solchen Momenten bekanntlich nicht rational), kriege es irgendwie nicht hin und stürze in eine absolute Krise (sagen wir, eine Mini-Krise), bis mir auffällt „Oh, Moment, das ist ja nun ganz am Anfang, so weit war ich dann doch auch schon.“

    Also, weiter so!

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