Folge 106 – Top 10 Writing Excuses Episodes

Diesmal widmen wir uns ganz dem besten Podcast zum Thema Schreiben aller Zeiten: Writing Excuses. Mit dieser Folge wollen wir ihn euch ans Herz legen und die unserer Ansicht nach besten Episoden vorstellen, um den Einstieg zu erleichtern – oder auch um zum Diskutieren einzuladen, falls ihr den Podcast bereits hört. Welche Folgen haben euch am besten gefallen und sind empfehlenswert? Welche Lektionen sind für euch die wichtigsten, die ihr gelernt habt?

Wochentipp: „Der Geisterseher“ von Kai Meyer

Links zur Folge:

  1. 1.02 Blending the Familiar and the Original
  2. 1.03: Killing your Darlings
  3. 1.16: Butt In Chair, Hands On Keyboard
  4. 1.17: This Sucks and I’m a Horrible Writer
  5. 1.34: What the Dark Knight did right
  6. 3.14: The Four Principles of Puppetry
  7. 4.18: How to Steal for Fun and Profit
  8. 5.29: Rewriting
  9. 5.38: Dialog with John Scalzi
  10. 6.18: Hollywood Formula

24 Gedanken zu “Folge 106 – Top 10 Writing Excuses Episodes

  1. Ich fürchte, mein Englisch ist zu schlecht.

    Man fragt sich aber auch, was alles noch nicht versucht wurde, natürlich hat man auch Sachen dabei, die man sich von anderen stiehlt. Ich gebe zu, ich habe schon mal ein Projekt beendet, weil jemand anderes auf eine zu ähnliche Idee gekommen ist und mir da nichts Neues eingefallen ist.

    • Ich halte Originalität ja für vollkommen optional. Gestehe aber, dass ich mit dieser Haltung recht alleine dastehe. Mir ist eine coole Story mit eindrucksvollen Figuren wichtiger als das Gefühl: „Das habe ich doch schon einmal irgendwo gelesen …“.

  2. Können Storys cool sein, ohne zu Beginn ihrer Entstehung irgendwie originell gewesen zu sein? Können Figuren eindrucksvoll sein, wenn sie eine blanke Kopie sind? Wer will schon einen zweiten Bond, der nur anders heißt? Oder wer will schon einen zweiten Harry Potter, der nur anders heißt?
    Natürlich übernimmt man so manches, aber man muss es so verfremden, dass es etwas Eigenständiges ist. Den Machern bei Dr. House ist es beispielsweise äußerst gelungen, sie haben die Sherlock-Holmes-Figur in ein neues Metier verfrachtet, er löst keine Verbrechensfälle, sondern stellt Diagnosen für ungewöhnliche Krankheiten.

    • Damit keine Missverständnisse entstehen: Marcus meint bestimmt nicht, dass man einfach NUR etwas Bekanntes abkupfern kann. Wort für Wort sozusagen. Allerdings wird es sicherlich auch nur in den seltensten Fällen – wenn überhaupt – gelingen, etwas völlig Neues zu schaffen. Wie du schon geschrieben hast: Dr. House steht auf den Schultern von Sherlock Holmes. Im Allgemeinen teile ich seine Ansicht, dass es relativ wenig „Geistesblitze“ braucht, um eine lesenswerte Geschichte zu schreiben.

  3. Was ist etwas vollkommen Neues?
    Dr. House hatte einen neuen Zugang und damit etwas Neues und Originelles. (Ich weiß nicht, ob Medical Investigation eher auf den Zug des Ärztediagnose-Krimis aufgesprungen ist.)
    Man muss erst einmal auf die Idee kommen, Sherlock Holmes in das Krankenhaus als Diagnostiker zu verfrachten. Das mag sich im Nachhinein billig anhören. Da hätte man selbst drauf kommen können. Ist man es? Sicherlich nicht.

  4. Nachtrag: Auch wenn man es nicht schafft, fast vollkommen Neues zu schaffen, man soll es wenigstens versuchen, das ist schon viel Wert.

    • Ich glaube das ist es, was Marcus mit seinem Kommentar meinte: Ich würde meine Zeit eher verwenden, um etwas Gutes statt etwas vollkommen Neues zu schaffen. Denn etwas vollkommen (oder annähernd vollkommen Neues) wird man kaum entdecken. Ganz interessant übrigens (falls nicht bekannt): Mal bei Wikipedia unter „Joseph Bell“ (nicht „Joseph Nicolas Bell“) nachsehen.

    • Da würde ich widersprechen: Vollkommen Neues – das ist Avantgarde. Das will ich weder schreiben noch lesen. Ich will damit nicht sagen, dass Avantgarde nicht ihre Berechtigung hat. Die Frage ist nur, was man als Autor erreichen will. Ich möchte von möglichst vielen Lesern gelesen werden und ihnen ein paar unterhaltsame Stunden schenken, denn das ist auch das, was ich als Leser mag: populäre Bücher, die zum Träumen einladen, und über die ich mich mit einem möglichst großen Kreis an Leuten austauschen kann. Avantgarde ist stets etwas für die Elite. Und ob man damit überhaupt Leser findet, ist sehr, sehr ungewiss.

  5. Ich lese lieber Avantgarde als Ausgelutschtes. Der unendliche Spaß, auch wenn schwierig, hat einige Leser gehabt, manchmal mehr als ein Buch, was auf den Mainstream abzielt. Avantgarde muss nicht per Se etwas Publikumsfeindliches sein, auch wenn es etwas länger dauert, bevor er sich durchsetzt. Für fast 100 Jahren war das Bauhaus-Avantgarde, heute hat er sich durchgesetzt.
    Ich finde, „es gibt nichts Neues“ ist die Ausrede, was vollkommen Ausgelutschtes dem Leser anzubieten. Das langweilt mich.
    Für mich gehört zur guten Unterhaltung auch Kreativität (sprich: Orginalität) und Relevanz, nicht nur Spannung und Emotionen. Ich will nicht nur lachen, weinen und träumen, ich will auch überrascht werden und auch eine neue Einsicht gewinnen.
    Die Amerikaner scheinen so etwas eher vereinen zu können als die deutschen. Breaking Bad war ja an und für sich auch Avantgarde. Es soll ja Leute geben, die das gern geschaut haben.

    • Wie gesagt, es ist nichts Schlechtes an Avantgarde. Sie ist nur nichts für mich. Ich bin da das genaue Gegenteil. Ich lese im Zweifelsfall lieber Ausgelutschtes, das mich zum Lachen, Weinen und Träumend bringt, als Abgefahrenes.

      Tatsächlich gehöre ich wohl zu den wenigen Menschen, die mit Breaking Bad nichts anfangen können.

        • Was „ausgelutscht“ ist oder nicht, liegt doch im Auge des Betrachters. Wie willst du entscheiden, wann jemand zum ersten Mal Kontakt mit einem Stoff aufnimmt. Für ihn oder sie ist er dann doch neu. Nicht jeder hat die gesamte Palette der Literaturgeschichte parat. Es gibt auch unerfahrenere Leser, die einfach nur unterhalten werden wollen und solche, die eben nicht das Außergewöhnliche wollen.

    • Super Kommentar, der hilft, die Diskussion auf den Punkt zu bringen. Ja, wenn man der Meinung ist, Serien wie Breaking Bad wären etwas Neues, dann gebe ich dir absolut Recht. Ich sehe Breaking Bad aber in der Tradition von Serien wie The Shield (Held will Gutes tun, begeht dafür Verbrechen und stürzt Umwelt in den Abgrund) oder hinsichtlich der Erzählweise wie The Shield, The Wire, Sopranos, 6 Feet under … Ist halt Ansichtssache.

      • Ich kann beim Beispiel Breaking Bad keinen Originalitätsfaktor erkennen. Wie die Aufzählung bereits zeigt, gibt es einige Serien in dieser Tradition. Sie bedienen doch auch nur eine Erwartungshaltung und variieren ein altbekanntes Thema neu, wie Axel gezeigt hat. Sie wenden sich nur an ein anderes Publikum, das eine andere Erwartungshaltung hat als die Arzt-, Liebes- oder Abenteuerserie.

        Vielleicht reden wir auch nur aneinander vorbei und meinen eigentlich das Gleiche? Ich würde ja auch durchaus zwischen gut und schlecht geklaut unterscheiden. Meinetwegen ist Dr. House ein Beispiel dafür, wie aus einer altbekannten Vorlage kreativ etwas Gutes gemacht wurde (Ich kann’s nicht so richtig beurteilen, da ich die Serie nicht sehe.). Aber etwas anderes meine ich ja auch nicht. Originalität kann ich in den genannten Beispielen nicht erkennen, nur halt ein gewisses Alleinstellungsmerkmal. Wenn das bereits originell ist, dann sind wir eigentlich einer Meinung.

        • Bei Breaking Bad ist das Neue die Radikalität, wie es inszeniert ist. Die Bildgestaltung weicht auch von den bisher bekannten Mustern ab.

          Dr. House ist insofern originell, dass es die Regeln des Medizinergenre bricht. Sie inszenieren einen Diagnosekrimi mit einem eher unsympathischen, kauzigen Arzt, das gab es davor nicht.

          Brechen der Regeln ist für mich etwas mehr als ein Alleinstellungsmerkmal. Ein Alleinstellungsmerkmal wäre beim historischen Roman, wenn im Mittelpunkt eine Hebamme steht und es noch kein Buch mit einer Hebamme gibt, aber das wäre noch kein Brechen der (Genre)-Regel.

      • Bei Breaking Bad ist es radikaler, weil da die Wandlung vollständiger ist.
        The Wire, Sopranos, 6 Feet under sind natürlich auch Avantgarde, weil sie die Regeln brechen, die vorher für das Fernsehen galten, wie die Figur muss sympathisch sein, alles muss am Ende der Folge wieder gut sein, keine Flüche.

  6. Niemals zuvor hat eine Serie so radikal und konsequent die Wandlung einer Figur zum Bösen beschrieben. Tony Soprano war bereits Gangster, die Sopranos empfand ich von der Erzählweise und von der Optik weitaus gängiger.

      • Im Kontext Fernsehen ist Breaking Bad schon eine originelle Serie, auch wenn sie vieles Bekanntes neu aufwärmt, weil eben vorher noch nie in einer Fernsehserie die konsequente Wandlung einer Hauptfigur zum Bösen gezeigt wurde.

        Originell bedeutet ja nicht, dass es nicht auf anderen Ideen aufbauen darf. Wenn man mit bestimmten Regeln bricht, baut man zugegeben auf früheren Ideen auf.

  7. Moin ihr beiden.

    Euer Vorhaben ist euch bestens gelungen.

    Ich habe mir tatsächlich mehrere Folgen eurer Englisch-sprachigen Vorbilder zu Gemüte geführt und werd mir die restlichen Folgen ebenfalls noch anhören.

    Aber was für euch die Writing Excuses sind, seit ihr für mich 🙂 Ihr leistet da also ganze Arbeit.

    Zu Originalität.

    Ich denke ebenfalls nicht das es Sinn macht, das Rad neu zu erfinden.
    Ausserdem baut jedes vermeindlich Neue auf vorherigen Erfahrungen und auf bereits bekanntem auf. Das Neue ist meist nur eine andere Zusammensetzung des bereits bekannten.

    Starke Figuren mit einer tiefen, glaubwürdigen Persönlichkeit und schwerwiegenden inneren Konflikten sagen mir weitaus mehr zu als als eine Story dies noch nie gab, der es jedoch an Tiefe fehlt.

    Wenn ich mich so bei dem Buchhändler meines Vertrauens umsehe finde ich aber auch selten etwas das mir *neu* erscheint…meister trifft mich eher der Frust von *hab ich alles schon 100dert mal gelesen und sie Sprache ist auch bescheiden*.

    Was ich in der Pubertät z.b. total originell fand war *Sophies Welt*.

    Die Beziehung von Sophie und ihrem Lehrer war aussergewöhnlich, gesellschaftlich Problematisch, frei von sexualität und griff die Wünsche und Sehnsüchte von Spohie auf.
    Das gepaart mit Philosophie-Unterricht und einem doch sehr überraschenden Ende… Ich habe bis heute nichts vergleichbares zu lesen bekommen.

  8. Ich glaube, es war manchmal notwendig, dass Rad neu zu definieren.
    Dinge miteinander zu kombinieren, ist eine Kreativitätstechnik, wohl wahr, aber es besteht das Problem, dass die Kombination nicht billig ist. Man muss zwischen der billigen und der nichtbilligen Kombination unterscheiden. Man will ja nicht das Gefühl, das habe ich schon hundertmal gelesen.

    Sofies Welt dürfte auch originell gewesen sein, jedenfalls origineller als Theos Reise, was auf einen ähnlichen Prinzip basiert.

    • Eben hier würde ich dir aber widersprechen.

      Für viele Leute war Matrix wahnsinnig originell. Für mich reproduzierte der Film eigentlich nur alte SF-Tropen mit einer, zugegeben, neuen Kameratechnik. Aber auf der inhaltlichen Ebene konnte ich keine Originalität feststellen, als jemand, der mit Philip K. Dick aufgewachsen ist. Andere Leute, die nicht so viel SF gelesen hatten wie ich, fanden die Thematik revolutionär. Wer bin ich, dass ich ihnen vorzuschreiben habe, ob das nun originell ist oder nicht? Wenn das für sie ein neues Erlebnis dargestellt hat und ihnen diese Thematik nun zum ersten Mal nahegebracht wurde, dann ist das doch gut.

      Ebenso wird für jemanden das Leseerlebnis von Theos Reise wahrscheinlich einzigartig sein, wenn er Sophies Welt noch nicht gelesen hat.

  9. Die Originalität kann sich auch im Stil zeigen, wobei bei den Matrix-Filmen einige sagen, da haben die Regisseure auch oft abgekupfert.
    Für den Filmbereich dürfte Matrix mit seinen Themen originell gewesen sein.

    Die meisten werden eher Sophies Welt lesen, bevor sie auf Theos Welt kommen. Wahrscheinlich war Sophies Welt so präsent, dass man an ihr da nicht so einfach vorbeikommt.

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