Folge 168 – Buchverfilmungen und was ich von ihnen lernen kann

Der Titel sagt eigentlich schon alles: Was machen die Verfilmungen von Romane anders und was kann ich als Autor daraus für das Schreiben von Büchern lernen?

Wochentipp: „Dark Smile“ von Kim Nina Ocker

38 Gedanken zu “Folge 168 – Buchverfilmungen und was ich von ihnen lernen kann

  1. Bei der Jackson-Verfilmung fehlte mir das Märchenhafte.

    Klar muss ein Film verdichten, klar sollte man nicht erwarten, dass man jede Seite Eins zu Eins wiedergeben kann, aber der Film sollte doch den Spirit des Buches atmen.

    • Sollte er das? Ich denke, alles ist bei einer Verfilmung möglich. Blade Runner ist von Träumen Roboter von elektrischen Schafen so weit weg, das man das Buch kaum erkennen kann. Watchmen verfilmt den Comic fast 1:1. Beides sind hervorragende Filme.

      • Ist Blade Runner wirklich noch eine Literaturverfilmung oder hat sich der Drehbuchschreiber beim Buch nur eine Inspiration geholt, um was völlig Neues zu erschaffen?

        Bei Watchmen war die Vorlage ein Comic also ein bildhaftes Medium. Natürlich kann man das leichter umsetzten ohne viel verändern zu müssen.

        • Ich würde auf jeden Fall sagen, dass Blade Runner eine Literaturverfilmung ist. Wieso nicht? Buch und Film haben Einiges gemeinsam und setzen halt nur andere Schwerpunkte.

          Ja, bei Watchmen stimmt es natürlich, dass Comics einem Drehbuchautor Einiges bei der Verfilmung erleichtern. Auf der anderen Seite hat z.B. Nolans Batman mit dem Comic-Batman nicht viel zu tun. Diesen Weg muss ich als Regisseur also nicht unbedingt gehen. Und auch Snyder hat ja bei Watchmen Vieles verändert und gekürzt, nur beim Grundplot ist er halt eben der Story wesentlich treuer geblieben, als es bei vielen anderen Verfilmungen üblich ist.

  2. Ich habe Träumen Robooter von elektrischen Schafen nicht gelesen, ich kann dazu nichts sagen.
    Das kann ein guter Film sein, aber ist das noch eine Verfilmung?

  3. Interessante Aspekte, die ihr besprochen habt. Und: Endlich habe ich eine wirklich gute Ausrede, um den HdR NICHT sehen zu müssen. Nach dem ersten Teil hatte ich echt die Schnauze voll.
    Ehrlich gesagt, fehlt mir die Gegenüberstellung von Film und Buch, und besonders, was das Buch leisten kann und deswegen auch sollte, was mit filmischen Mitteln nicht darstellbar ist. Orientierung am Leitmedium Film ist ja schön und gut, aber Abgrenzung quasi durch ein Alleinstellungsmerkmal, wäre doch auch erstrebenswert. Vielleicht gibt es keine Autoren, die eine Verfilmung nicht wünschenswert finden. Aber sollten wir nicht trotzdem darauf bestehen, dass das Buch mehr oder zumindest anderes kann?

    • Haben wir dazu im Podcast nichts gesagt? Zumindest wollte ich da eigentlich darauf hinaus, als ich eingangs meinte, dass es etwas befremdlich ist, wenn viele Leute von einer Verfilmung Abstand nehmen, weil sie finden, dass sie nicht nahe genug am Buch ist.

      Ich muss gestehen, dass mir allein vom Storytelling her fast immer die Filme besser gefallen als die Bücher. Axel hat mich in der Vorbereitung gefragt, ob mir nicht ein Negativbeispiel einfällt, dass wir besprechen können. Und ich musste sehr, SEHR lange überlegen, bis mir was eingefallen ist.

      Dass prinzipiell Film und Buch unterschiedliche Medien sind, ist klar. Auch das haben wir, glaube ich, anfangs auch gesagt. Deswegen hinkt ein Vergleich natürlich immer. Aber beides sind eben auch erzählende Medien. Und das ist ja das Spannende daran: Was machen die Drehbuchautoren aus der Vorlage? In der Regel muss ja die Handlung gekürzt werden. Und Kürzungen erfordern dann auch oft, dass Manches verändert wird.

      Im Falle vom HdR ist in meinen Augen allein der Plot einfach veredelt worden. Dazu muss man einfach mal die vielen Action- und Schlachtszenen ausblenden, von denen die Filme natürlich auch leben. Aber alles, was auf der Polterten getan wurde, hat der Story selbst einfach sehr, sehr gut getan, wenn man mich fragt. Deswegen ist das Beispiel so interessant.

      Darauf wollten wir hinaus. Was geschieht nur auf der Poltebene bei einer Verfilmung. Und was kann ich mir als Autor davon abgucken. Und meiner Ansicht nach sind das 1. Verdichtung und 2. Orientierung am Zielpublikum. Beides machen Filme in der Regel einfach besser als Romane, soll heißen: Diese Dinge kann ich von Filmen besser lernen als bei der Lektüre von Romanen. Dialoge wären auch noch so ein Thema, sind wir leider im Podcast nicht drauf eingegangen.

      Daneben gibt es natürlich Gründe, wieso es unabdinglich ist, als Autor viel zu lesen. Was das Buch z.B. besser kann ist halt die Innenperspektive. Hier muss ich von guten Autoren lernen und kann das nur sehr begrenzt beim Gucken von Filmen erfahren. Auch sehr wichtig: Beschreibungen, Kapitelaufteilungen, Metaphorik usw.

      • Hallo ihr beiden.
        Tolle Folge, vielen Dank dafür 🙂
        Hab mir heute erstmals das Video dazu angeschaut, normalerweise höre ich die Episoden immer. Dabei ist mir natürlich gleich der Schreibfehler bei der Einblendung des Episodentitels aufgefallen 😉

        Zum Thema:
        Da schließe ich mich der Meinung an, dass sich Film und Buch nur begrenzt vergleichen lassen. Ich für meinen Teil finde es aber jedesmal sehr interessant, zu sehen, wie der Drehbuchautor das Buch interpretiert hat. Beim geschriebenen Wort kann man oftmals durch bestimmte Wortwahl oder auch durch den Szenenaufbau nicht nur eine Stimmung sondern auch ein Symbol übermitteln, was beim Film verloren geht (deswegen höre ich mir gerne bei den DVDs die Kommentare an), bzw. vom Zuschauer gar nicht so registriert wird.
        Einfach, weil der Film viel schneller ist als das Buch. Allein schon durch die Verdichtung. Während der Leser in der Regel in die Gedankenwelt des Protagonisten eintaucht, können auf der Leinwand nur exzellente Schauspieler diese inneren Vorgänge vermitteln.
        Zwar gibt es viele gute Schauspieler, aber ich kenne bisher nur wenige, die es wirklich schaffen, eine vielseitige Mimik zu bieten, ohne affig dabei auszusehen.
        Der Film „Freier Fall“ beispielsweise kommt mit äußerst wenig Text, sprich: Dialog aus. Wirklich sehr wenig. Aber es ist immer klar, was gerade los ist und welches Gefühl in den handelnden Figuren vorgeht, man fühlt einfach mit (auch wenn das jetzt keine Buchverfilmung ist).

        “ Was das Buch z.B. besser kann ist halt die Innenperspektive. “

        Grundsätzlich stimme ich dem zu. Allerdings gibt es auch hier Ausnahmen. Dexter beispielsweise. Die Bücher fand ich eher mau, von der Serie bin ich aber immer noch sehr angetan. Hier wird die Innenperspektive, die ja sehr wichtig ist, durch die Stimme aus dem Off dargestellt. Find ich persönlich super gelungen und verbindet mich mehr mit dem Protagonisten, als es die Bücher geschafft hätten (wobei ich bei denen auch den Schreibstil nicht besonders mag).

        Davon ab wird es immer jemanden geben, dessen Vorstellung bei der Vefilmung nicht getroffen wurde. Schließlich läuft jedes Kopfkino anders ab. Vor der Ork- und Zwergenschwemme hatte da vermutlich auch jeder ein anderes Bild von den Jungs ^^

        Federgruß
        Nina

        • Ja, die Dexter-Bücher sind ein tolles Beispiel oder *** Spoiler Alarm *** die aktuelle Staffel von „Grey’s Anatomy“. Da gibt es diese tolle Folge, in der Derek auf dem OP-Tisch irgendwo in der Provinz liegt. Er kann nicht mehr reden, doch wir hören seine Gedanken aus dem Off. „Ein Schädel CT wäre wirklich eine gute Idee. Nein, was ihr da tut, ergibt keinen Sinn. Ihr werdet mich umbringen“. Grandios gemacht, was die Innenperspektive angeht und außerdem ein tolles Beispiel für Suspense.

        • Symbolik geht ja im Film eigentlich viel besser als im Buch. Klar weniger geschulte Zuschauer nehmen diese vielleicht bewusst nicht wahr, unbewusst aber wahrscheinlich schon. Das ist ja das Tolle am Film. Natürlich funktioniert Symbolik im Roman auch, aber es gibt halt einen Unterschied, ob ich z.B. das Wort Rose lese oder eine sehe.

          Die Stimme aus dem Off ist ja wohl unter Filmemachern eigentlich ein Tabu, habe ich mir sagen lassen. Dass es trotzdem angewendet und auch noch gut gemacht wird, ist wohl eher die Ausnahme. Bestes Beispiel ist für mich Blade Runner. In irgendeiner DC-Version (habe den Überblick verloren), fehlt das Gefasel aus dem Off. Und mir hat das auch viel, viel besser gefallen. Muss gestehen, dass ich das auch bei Dexter eher weniger gut finde. Die Gefahr besteht halt immer, das etwas erzählt wird, was eigentlich besser gezeigt werden sollte. Für den Film ist Show Don’t Tell ja noch viel wichtiger als für den Roman. Ich finde es halt schade, dass die Macher der Serie nicht Wege überlegt haben, die Inhalte aus Dexters Monologen auch anders rüberzubringen. Aber wahrscheinlich geht das gerade bei einer TV-Serie nicht, bei der ja in jeder einzelnen Folge noch weniger Zeit ist als in einem Film und auch in Zuschauer mitkommen muss, der ein paar Folgen verpasst hat.

  4. Ersteinmal vielen Dank für die Arbeit, die ihr in diese Seite steckt, ich habe bei euch schon viel lernen können.

    Mich würde interessieren wie ihr folgenden Filmeffekt literarisch umsetzen würdet, sofern das überhaupt möglich ist:
    2 Männer unterhalten sich ruhig auf einem Sofa. Plötzlich stürmen Bewaffnete herein.

    Im Film erschreckt sich der Zuschauer, weil es audiovisuell erlebt wird. Im Buch scheint mir das Erschrecken durch etwas plötzlich Geschehendes kaum erzeugbar. Das Wort „plötzlich“ hilft da wenig. Seht ihr da eine Möglichkeit oder sollte man eurer Meinung nach im Buch schlichtweg anders arbeiten?

    • Definitiv anders arbeiten. Erschrecken funktioniert im Roman schlichtweg nicht. Denke ich. Liegt auch daran, dass nicht alle Menschen chronologisch lesen, sondern auch Sätze überspringen usw. Ich zum Beispiel mache das sehr häufig.

  5. Ich fand den Teil zu den männlichen Charakteren in LotR sehr wertvoll. Hat mich mein eigenes Projekt überdenken lassen, in dem ich ganz unbewusst weitgehend auf weibliche Figuren verzichtet habe. Dies ist vor allem historischer Korrektheit geschuldet, vielleicht werde ich hier aber diese etwas zurückstellen müssen.

    Ich fände es übrigens klasse, wenn ihr die nicht gelungenen Verfilmungen auch noch einmal in einer Folge bringt. Heißt nicht umsonst „aus Fehlern kann man lernen“.

      • Hey…

        ich denke, wenn die Kritik sachlich und begründet ist (wo ich mir bei euch überhaupt keine Sorgen mache), dann wird auch dieser Effekt nicht entstehen. Bei meinem nächsten Blogbeitrag werde ich mich auch mal in Kritik an einem – wie ich finde – handwerklich eher nicht gelungenen Werk versuchen. Wenn auch nur am ersten Absatz ^^

        Kritik kann eben nicht immer gut, muss aber auch nicht immer schlecht sein. Solange sie sachlich und begründet ist, ist sie immer hilfreich 😉

        Federgruß
        Nina

  6. Hallo,
    zu allererst möchte ich eure viele Arbeit hier loben! Vieles ist sehr interessant und lehrreich. Mein Mann muss des öfteren lachen, wenn ich ziellos durch das Wohnzimmer starre, weil ich die Podcasts höre 🙂

    Die Interviews mit Roman Hocke, Christoph Hardebusch und Co. finde ich besonders gut und lehrreich.

    Zu den Buchverfilmungen:
    Ich finde die HdR Filme einfach fantastisch! Besser als die Bücher. Ich habe das erste Buch nicht mal zu Ende geschafft, so sterbens langweilig und langatmig war es. Ich finde Bücher müssen zügig, flüssig und spannend sein. Und ich danke Peter Jackson, dass sie im Film Tom Bombadil raus gelassen haben und den Elbinnen mehr Story und Gewicht verliehen haben!

    Liebe Grüße
    Nicole

    • Danke Nicole für den lieben Kommentar. Ja, Marcus und ich müssten eigentlich mal wieder mehr Interviews machen, wir haben da auch Pläne – nur fehlt uns leider die Zeit. Ich liebe auch die HdR Bücher – aber nach heutigen Maßstäben sind sie einfach sehr zäh. Und die Filme (natürlich auch der Hobbit) sind wirklich klasse!

  7. Ich habe den Hobbit und den HdR schon gelesen, als ich 11/ 12 war. Und ich war begeistert. Heißt dass, es hätte mir gar keinen Spaß machen dürfen? Ihr tut ja grade so als würden nur Männer diese Bücher lesen bzw. die Filme sehen…

    • Nein, Samantha, das wollten wir damit keinesfalls sagen. Allerdings gibt es halt nun einmal in beiden Büchern keine starken weiblichen Figuren. Ich kenne viele Leserinnen, die das stört, bzw., die unter anderem deswegen die Bücher schnell aufgegeben haben. Meine Frau beispielsweise liebt die Filme, kann mit den Büchern aber nichts anfangen. Sie liebt Fantasy und hat beiden Büchern mehrere Chancen gegeben, bevor und nachdem sie die Filme gesehen hat. Aber sie sprechen sie einfach nicht an. Und ich kann das durchaus nachvollziehen.

  8. Ich schließe mich Marcus voll und ganz an. Ich habe den Büchern auch mehr Chancen gegeben. Von der Shades of Grey Verfilmung bin ich auch nicht ganz überzeugt sowie mit dem Grey Darsteller nicht einverstanden, auch wenn er nicht schlecht gespielt hat aber sein Aussehen passt nicht zum Buch. Dakota Johnson hat ihre Sache gut gemacht. Der Film. „In meinem Himmel“ von Regisseur Peter Jackson ist widerum eine super Buchverfilmung!

    LG

    Nicole

  9. Hy,

    In meinem Himmel ist ziemlich krass. Geht extrem an die Nieren und hat schon so manchem Mann Tränen entlockt. Kannst gespannt sein.

    LG
    Nicole

  10. Ich fand die Tauriel/Zwerg Instantromanze absolut zum davonlaufen. Schrecklich. Einer der Gründe, warum ich mir Teil 3 dann garnicht erst angeschaut habe.

    Man hat komplett gemerkt, dass die Schreiberlinge das mit Gewalt in den Plot reingeschustert haben, damit halt auch eine Romanze für die Girlies in dem Film ist.

    Sowas finde ich einfach nur unpassend.

    Ich finde auch diesen „Frauen brauchen weibliche Identifikationsfiguren“ Zwang sehr fragwürdig. Weil das führt dann zu ganzen Regimentern von klischeebeladenen Heroinen marke hübsch, Oberweite, mutig, gut mit dem Schwert und besser mit Magie als alle Männer Charakteren. Weil ist ja nicht so, dass dann da realistische, starke Frauencharaktere dabei rumkommen würden, nein, die müssen immer noch aussehen wie die Models und sich in den starken Typen verknallen und doch wieder in der typischen alten Frauenrolle des love interest eines Mannes enden.

    Da ist es mir dann doch lieber, wenn das ein Film ist in dem nur Männer (oder auch nur Frauen) vorkommen, und sie das leidige Thema Verliebt-Verlobt-Verheiratet, das in Büchern, Kino und Fernsehen meist einfach nur NERVT, weil es so platt abgearbeitet wird einfach WEGLASSEN

  11. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wie ich den Hobbit und HdR gelesen habe. Muss schon fast ein Vierteljahrhundert her sein. Den Hobbit haben wir kürzlich in der SEE geschaut. Am Stück. Also, wie „am Stück“ mit zwei kleinen Kindern auch immer möglich ist 😉 Und ich fand ihn gut. Was mich daran gestört hat, war dieser dämliche und schier nicht tot zu kriegende „Oberork“ an den ich mich aus dem Buch so überhaupt nicht erinnern konnte. Dahingegen fand ich es schade, dass Beorns Auftritt in der Schlacht begrenzt wurde. Ihm oblag es doch, Thorin Eichenschild vom Schlachtfeld zu tragen. Das wäre auch nicht kompliziert gewesen darzustellen und hätte den lächerlichen Zweikampf mit dem Ork, der eigentlich schon ertrunken ist, nur um dann im „genau richtigen Moment“ doch noch mal die Augen zu öffnen … bäh, das war grausig schlecht.
    Aber wie heisst es so schön: „De gustibus blabla“ 😉

    Ich komme je länger desto mehr auch an den Punkt, an dem ich Film vom Buch „trennen“ kann. Früher konnte ich das gar nicht. Bei manchen Verfilmungen finde ich auch, dass keine gute Arbeit geleistet wurde (Harry Potter z.B., da wird durch den fünften Teil durchgehastet, es ist nicht mehr schön).

    Dies meine 10 Cent.

    • Die SEE vom Hobbit 3 habe ich noch nicht gesehen. Ich weiß nur, dass mir die Kinofassung im Kino besser gefiel als den meisten, mich auf DVD aber aus irgendwelchen Gründen tödlich langweilte. Mal schauen, wie es mit der SEE wird.

  12. Zum Thema Frauen in Herr der Ringe: Als Figuren sind sie nicht vertreten, das stimmt. Aber es gibt sehr viele „weibliche Elemente“ in dieser Geschichte. Die ganzen Elbenvölker stehen im HdR für die weibliche Stärke, und die Elben spielen eine grosse Rolle in der Geschichte. Und wenn man es etwas klischeehaft betrachten will, stellt auch Hobbingen eine weibliche Welt dar: ein häusliches Zusammensein ohne Krieg, das kuschelige Nest (die Hobbit holes) und das Geschnatter unter den Bewohnern. In Hobbingen gibt es weder Entdecker- noch Eroberungsdrang, beides Eigenschaften, die man eher als männlich empfindet. Sogesehen gibt es in Tolkiens Welt und auch in der Geschichte sehr starke weibliche Elemente. Und die Figuren streben ja geradezu danach, zu diesem „Weiblichen“, also dem Frieden, der Häuslichkeit und Sicherheit wieder zurückzukehren. Dafür müssen sie aber Sauron bekämpfen.

    Schade ist wirklich, dass Tolkien keine weibliche Figur mit einem grösseren Auftritt hatte. Er hätte z.B. aus Legolas easy auch eine Legola machen können. Das hätte unglaublich gut gepasst.

    Es gibt auch noch eine andere Bücherreihe, bei der es so schade ist, dass Frauen kaum eine Rolle spielen: bei der Uhtred-Saga von Bernard Cornwell. Dass dort die Hauptfigur ein Mann ist, ist kein Problem. Aber die Frauen (obschon keineswegs austauschbar) haben einfach zu kleine Auftritte. Schade für Cornwell. Ich bin sicher, mit keinen Anpassungen würde sich seine Leserschaft im Nu verdoppeln.

    Ps: Dann hab ich noch eine klitzekleine Frage, die nichts mit dem Thema zu tun hat. Ihr habt in einem anderen Podcasts gesagt, es könnte bei Verlagen schlecht ankommen, wenn man Perspektiven mischt. Tja, das hab ich jetzt grad gemacht. Ich-Perspektive + 3. Person. Und ich überlege, das ganze umzuschreiben. Hab ein Kapitel umgeschrieben, aber irgendwie stimmts jetzt nicht mehr. Denkt ihr, dass diese Normabweichung der Persepektiven wirklich so schlimm sind? bibber….

    • Haben wir wirklich gesagt, dass das bei Verlagen schlecht ankommt? Hm.

      Um ehrlich zu sein, habe ich da keine Ahnung, wie Verlagslektoren drüber denken. Mir fallen immerhin genug Bücher ein, die das machen. Die hat ja auch jemand verlegt.

      Ich mag das nicht. Aber das ist ja was anderes.

    • Hi Nicole,

      okay, tun wir mal so, als hätte Tolkien auch Frauen in seiner Story und kommen wir noch einmal kurz auf die Perspektive zu sprechen: 3. Person und 1. Person geht – meiner Meinung nach: zur Not (ich habe es in einem Romanen auch gemacht und das hat der Lektor durchgewunken. Allerdings hat mir der Perspektivwechsel viele Kopfschmerzen bereitet, mir war klar, dass das schwierig ist und ich habe lange überlegt, ob und wie ich es mache). Was m. M. nach wirklich nicht geht (ja, ja, auch da gibt es sicherlich Ausnahmen, mir dreht sich da aber der Magen um): Mehrere Perspektiven in der 1. Person.

      • Axel, du hast auch 1. und 3. gemischt? Beruhigt mich irgendwie 🙂
        Nein, 1. und 1. Person würde ich nie machen. Da würde sich mir der Sinn für die 1. Person auch gar nicht mehr ergeben.
        Ich habe mein Buch in 3 Teile geteilt, und der 2. Teil beginnt mit der Figur in der 3. Person. Das fand ich eigentlich gut, weil es wie ein neuer Auftakt ist und nicht so überraschend wirkt.
        Letzte Frage dazu: Würdest du im Exposé zu den Perspektiven etwas schreiben und auch erklären, warum du zu der Normabweichung gekommen bist? Oder wirkt das dann schon wieder zu rechtfertigend.
        Ich hab im Exposé-Inhaltstext nicht explizit darauf hingewiesen, was in welcher Perspektive geschrieben ist, habe aber nach der Inhaltsangabe einen Untertitel „Perspektiven“ gestellt und es dort aufgezeigt.

        • Ja, aber: Das Buch („Schlaglicht“) ist zu 90-95% in der 1. Person geschrieben. Nach laaanger Überlegung, habe ich ein paar Kapitel in der 3. Person („Sicht des Schurken“) eingeschoben.
          Deine letzte Frage ist leicht zu beantworten: Nein, auf keinen Fall. Ins Exposé gehört die Zusammenfassung der Story, sonst nichts.

          • Zu Schlaglicht: So weit bin ich mit lesen noch nicht. Bin jetzt bei Asphalt. 🙂
            Gut, dann kann ich das Perspektiven“problem“ ja eigentlich umgehen, indem die Perspektive gar nicht erwähnt wird. Auch gut. Oder sogar noch besser!

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