Folge 175 – 5 Fragen, die Autoren zum Hals heraus hängen …

… und was man auf sie antworten sollte.

Wochentipp: „Der Orden der weißen Orchidee – Der Erbe“ – Romantasy von Tanja Neise

28 Gedanken zu “Folge 175 – 5 Fragen, die Autoren zum Hals heraus hängen …

  1. Die meisten Größen wie Tolstoi oder Dickens verkauften schon zu Lebzeiten sehr viel. Gerade Goethe hat mit seinem Werther schon früh ein Bestseller.

    • Denen stehen aber auch viele Autoren gegenüber, die erst nach ihrem Tod oder davor nur mit mäßigem Erfolg veröffentlicht wurden: Kafka, Benn, Hoffmann, Lovecraft, Rilke, Stoker, Larsson, …

      Und Goethe hatte zwar mit den Leiden des jungen Werther einen fulminanten Durchbruch, musste für diesen aber auch hart kämpfen, unter anderem gegen den Widerstand seines eigenen Vaters.

    • Dennoch ist nicht immer gesagt, dass sie finanziell erfolgreich waren: Tolstoi stammt aus einem Adelsgeschlecht (wie übrigens öfter bekannte Mitglieder von intellektuellen Schichten) und hatte vermutlich nicht viel finanzielle Sorgen. Dickens arbeitete bei einem Anwalt, Goethe selbst war auch hauptberuflich Anwalt. Aber „bekannter Anwalt, der viel geschrieben hat“ kommt bei Wikipedia halt nicht so gut wie „Schriftsteller“.

  2. Dazu kommen zahlreiche Autoren, die in ihrer jeweiligen Zeit extrem erfolgreich waren und danach wieder vergessen wurden, weshalb sie heute für uns keine Größen mehr sind. Die damaligen Stephenie Meyers und Dan Browns nenne ich sie mal. Ihre Namen sind mir – welch Wunder! – entfallen.

  3. Gerade zu Anfang können solche Fragen schon demotivieren. Eine hätte ich übrigens noch. Als ich vielleicht ein halbes Jahr geschrieben habe:
    „Hast du schon was veröffentlicht?“
    „Äh, … nein.“
    „Warum nicht?“
    Ich bin in so was immer furchtbar unspontan, aber auch heute fällt mir da nur die Kinnlade runter. Jeder kann sich glücklich schätzen, der einen Menschen hat, der an ihn glaubt, abgesehen von sich selbst.

  4. Hallo Axel,

    du hast in eurem Beitrag erwähnt, dass es mit dem Veröffentlichen auch wesentlich schneller gehen kann als innerhalb von zehn Jahren, wenn man die Sache cleverer angeht, als du. Ich höre daraus, dass du in der Vergangenheit einige Fehler diesbezüglich gemacht hast, die du heute so nicht mehr machen würdest.

    Kannst, bzw. würdest du näher erläutern, wo du diese Fehler siehst?

    LG, Dirk

    • Hi Dirk,

      ich mach’s mal kurz: Zu viel und zu lange recherchiert. Sinnlose Genres geschrieben. Zu viel Wert auf Stil gelegt, und damit zu viel korrigiert und langsam geschrieben. Die Wichtigkeit von Beschreibungen über- und Dialog unterschätzt. Mit der Hand geschrieben. Keine Schreibpodcasts gehört 😉

      • Hallo Axel,

        das sind alles Fehler, die mir sehr bekannt vorkommen. Ich habe mich zum Beispiel sehr lange mit Kurzgeschichten aufgehalten, weil ich gedacht habe, die seien einfacher. Dabei sind sie nur anders; eher die schnelle Bleistiftskizze im Gegensatz zum Roman, der dann eher das prächtige, detaillierte Ölbild ist. Beides muss man beherrschen, aber die Bleistiftskizze schränkt einen eben mehr ein.

        Das Problem, zuviel zu beschreiben und zu wenig auf Dialoge zu achten, tritt bei mir auch immer wieder auf, und am Stil habe ich mich schon so manches Mal dermaßen festgebissen, dass ich mit dem eigentlichen Schreiben überhaupt nicht mehr voran kam, weil ich immer gedacht habe: Das könnte man jetzt aber irgendwie noch besser formulieren, das ist noch nicht perfekt.

        Tröstlich, dass es anderen auch so gegangen ist.

      • Was ist ein sinnloses Genre? Jedes Genre hat seine Fans. Lieber in einem Genre schreiben, was man liebt und wo man wirklich gute und vor allen Dingen originelle Ideen hat, als in einem Genre, wo einem nur Standardplots einfallen.
        Ich finde, Stil ist wichtig. Gerade an guten Dialogen muss man manchmal ziemlich feilen. Ich lese auch lieber Bücher, die einmal zu viel als einmal zu wenig überarbeitet wurden,

        • Wenn man nicht nur für sich und zehn Fans schreibt: Horror-History-Fantasy-Cthulhu-Mythos-Templer-Romane sind ein „sinnloses Genre“. Ich habe – wenn ich mich nicht irre – noch nie einen Kommentar von einem Leser bekommen, dem der Stil missfallen hat. Dafür dreht sich die Diskussion häufig um Figuren und Plot (ich kann dabei jetzt schwer sagen, ob das nur „mein“ Problem ist oder ob sich das verallgemeinern lässt). Überarbeiten ist wichtig – aber nicht, wenn das das Schreiben aufhält. Überarbeitung kommt nach dem Schreiben, nicht währenddessen (bei mir). Damit hatte ich am Anfang große Problem (ja, und ich kämpfe immer noch mit dieser Schwäche) 🙂

  5. Sowas macht wirklich Mut.

    Bei vielen Mitmenschen handelt es sich, so hoffe und glaube ich, gar nicht um Böswilligkeit, sondern häufig auch einfach Unwissenheit. (Böswillige Menschen sagen dazu infantile Naivität 😉 ) Ich habe mal die Frage bekommen, als ich freudestrahlend von der Beendigung meiner Rohfassung (!) erzählt habe, wann man denn jetzt endlich das Buch im Laden finden könnte. Tse, tse, tse.

    Nun ja, ich glaube ärgern bringt da nichts. Einfach drüberstehen, vielleicht sogar ein bisschen mit Stolz für seinen Beruf. (Ich sage extra nicht Hobby) Marcus hat ganz recht wenn er bezüglich des Stubenhockers (verkürzt zitiert) antwortet: Na und?
    Nicht jeder spielt Samsatgmittags Fußball. Samstagsmittags ist die beste Zeit für 1667 Wörter!

    Beste Grüße, euer Martin

  6. Hallo zusammen,

    eine Frage, die hoffentlich nicht nervt, obwohl ihr sie vielleicht schon beantwortet habt:
    wo findet man Plattformen für Leute, die schreiben und ihr Geschriebenes gerne einem Kreis von anderen Schreibenden Mitmenschen zum Probelesen geben wollen? So eine Art „Writingbuddy-Vermittlung“ oder Forum für angehende Autoren. Halt ein Ort, bei dem durch geben und nehmen weiter kommt.

    Sicher, Google mag da einiges ausspucken, aber vielleicht habt ihr ja mit dem einen oder anderen Ort im Web schon Erfahrungen gesammelt die ihr weitergeben mögt?

    Ich fürchte nämlich, dass ich in meinem direkten Umfeld niemanden habe den ich da fragen kann. Und die, die ich fragen könnte stehen mir zu nahe, deren Urteil traue ich zwar, aber irgendwie doch nicht. Ist das verständlich?

  7. Hallo, ihr Lieben,
    mich hat der Podcast in einer Hinsicht bewegt: Hm, viel zu viele Schreiberlinge glauben bestimmt selbst, dass sie „gar nichts Sinnvolles“ machen oder weit wegen von „richtigen“ Berufen sind.

    In fast jedem Beruf gibt es ja die zwei Möglichkeiten, angestellt oder selbstständig zu sein. Die meisten Menschen sind angestellt und können sich ihr „täglich Brot“ verdienen. Autor-/in-Sein gehört – wie einige andere Kreativberufe – in die Sparte „Geht nur selbstständig“. Journalismus ist dem vielleicht am nächsten. Nehmt aber mal Berufe wie Tischlerei, Maurerei, Bauingenieurswesen, Verwaltungsberufe, …: Die Leute müssen mindestens drei, teilweise fünf Jahre ran, bevor sie selbstständig auf die freie Wirtschaft losgelassen werden können. Ein Maurerlehrling im dritten Jahr kriegt keine gerade Mauer in einer Stunde gemauert, wofür der Meister eine halbe Stunde braucht. Stellt euch mal vor, ihr hättet drei Jahre Lehrzeit im Schreiben, mit Lehrplan und Mentor/in. Machen die meisten nicht, weil sie Geld verdienen müssen.
    Jetzt hat jemand drei oder fünf Jahre gelernt und will sich nun selbstständig machen. In Deutschland sind 2016 300.000 Firmen neu gegründet worden, aber nur ein Fünftel mit großer wirtschaftlicher Bedeutung – und reich davon wird nur das obere Management. Gleichzeit wurden über 1.600 Insolvenzverfahren eröffnet. Jedes Jahr nimmt jemand Geld in die Hand, arbeitet Vollzeit und packt sich damit auf die Nase. Ich habe schon in einigen Ingenieurbüros gearbeitet und manche kleinständigen Betriebe (die über 80% ausmachen) halten sich gerade so über Wasser, aber ackern bis in die Nacht und über das Wochenende. Manche Akademiker können sich selbst gerademal den Mindestlohn zahlen.

    Wenn also mal wieder jemand kommt mit, was man veröffentlicht hat, kann man genauso gut fragen: Nix, aber bin ja noch im ersten Lehrjahr (gerade wenn ich zwei Stunden täglich schreibe). Der Tischlerlehrling verkauft ja auch noch nix. Er arbeitet nur zu. Und wenn es heißt, vom Schreiben könne man nicht leben: Jede Selbstständigkeit bringt am Anfang meist nichts ein. Und manche fallen hin, aber die Erfahrung hilft ihnen, aufzustehen und es beim nächsten Mal besser zu machen. Autor/in werden heißt quasi: ungelernt ins kalte Nass springen. Das ist auch nicht viel unehrenwerter als jemand, der sagt: „Ick mach‘ keene Ausbildung, ick werd‘ vom Fußball leben.“ (Ok, da war jetzt Wertung drin, aber das ist für mich wirklich illusorisch.) Aber es ist ein sicherer Weg, es neben dem Brotberuf zu tun – nur eben langsamer.

    Und ein Hobby sollte Spaß machen, nichts „Vernünftiges“ sein. Wenn jemand mich nicht durchfüttert, bin ich ihm doch keine Rechenschaft schuldig, was ich den ganzen Tag mache.

    So. Seid stolzer auf euch! Wenn jemand Erfolg erwartet, sollte er auch wissen, wie viel Arbeit dahintersteckt.

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