Folge 211 – „Tödliche Gedanken“ vorher und nachher

Überarbeiten von Romanen am Beispiel von „Tödliche Gedanken“.

23 Gedanken zu “Folge 211 – „Tödliche Gedanken“ vorher und nachher

  1. Man hätte den Text ruhig einblenden können.

    Ich fand es auch kein Infodump. Ob es Mitleid erregt hätte, steht dabei auf einen anderen Stern, denn der Ich-Erzähler erhebt sich über diesen Viktor, der Ich-Erzähler macht ihn klein, das halte ich für das größere Problem.
    Man kann durchaus etwas über den Ich-Erzähler erfahren, indem er über eine andere Person oder eine Sache etwas schreibt. Wir erfahren, wie er denkt und wie er Sachen einschätzt. Wenn man das im Hinterkopf behält, kann solch eine Charakterisierung durchaus stimmig und auch sehr dynamisch sein, allerdings habe ich es nie so früh am Anfang gemacht.

    Der ätzende sächsische Akzent stört mich immer noch. Dass er sächselt, erfahren wir später noch. Und ätzendes Sächseln empfinde ich schon als Klischee. Es gibt doch auch andere furchtbare Dialekte, Thüringisch zum Beispiel.

  2. Hmmmm, die erste Fassung zeigt meiner Meinung nach massive tell-don’t-show Symptome. In der Szene steckt jede Menge emotionaler Anspannung der beteiligten Jugendlichen, wie sie wohl jeder kennt, der mal in die Schule gegangen ist, die sich sicher in nervösen Manierismen, genervten Blicken, körperlicher Anspannung, Schweißausbrüchen etc äussern wird, aber das kommt null rüber.

    • Hallo Petra 🙂

      Mit den Manierismen (und Redebegleitsätzen) ist das m. A. nach so eine Sache: Oft machen sie Szenen „rund“, nehmen aber gleichzeitig – im Gegensatz zu Dialogen – das Tempo heraus. Da muss man sich als Autor halt immer entscheiden, was im entsprechenden Moment richtig und wichtig ist. Das Problem kenne ich gut 🙂

      • Ja stimmt schon. Aber ich denke man könnte die klaustrophobische Anspannung schon fast horrorgeschichts-artig plastisch darstellen, sodass der Leser (der das ja aus Erfahrung kennt) so richtig in diese emotionale Situation der Schüler reingeht und dann macht es nix, wenn das Tempo verloren geht. Weil ein Lehrer, der richtig sadistisch drauf ist und vor einer Klasse auswalzt, was für elende Loser und Nixwisser sie doch alle sind, das ist jetzt nicht die Sorte Szene, wo ich Tempo wünsche. Da geht es mehr um Atmosphäre, mitfühlen können (den fiesen Lehrer so richtig hassen!! Mit den armen Schülern mitleiden.) und eindringliche Charakterbeschreibung zum Mitfühlen.

        • Das ist die Gefahr. Man liefert das, was der Leser , selbst kennt und ist damit ausrechenbar und wenig spannend. Fieser Lehrer, bemitleidenswerte Schüler. Vielleicht sollte man eher Widerhaken einsetzen, die die Situation nicht so eindeutig erscheinen lässt, so dass die Geschichte unberechenbarer wirkt.

  3. Hallo Jungs,
    ich habe heute wieder viel gelernt.
    Zum Beispiel wusste ich nicht, dass wörtliche Rede als Einstieg so problematisch ist. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass der Einstieg in meinen Roman dem vorgelesenen doch ähnelt. („Er wird ihn sowieso in den Papierkorb werfen“, sagte …). Dann habe ich ja das vielleicht schon mal gar nicht so schlecht gemacht.
    Bei dem Vergleich mit dem Ball auf dem Ball musste ich auch schmunzeln. Wie Axel habe ich sofort an einen Schneemann und das berühmte Michelin-Männchen gedacht. Wie ich Axel übrigens auch zustimmen muss, dass ich den Begleitsatz im Entwurf stärker finde. (Welch Harmonie heute wieder herrscht 😉 Übrigens Axel: Ja, du musst unbedingt mal nach Thüringen fahren. Ist sehr schön dort!)
    Ich finde die Endfassung dynamischer. Mag sie vielleicht auch mit Klischees behaftet sein, zieht sie den Leser doch viel mehr in die Geschichte. Es ist unglaublich, was man mit „ein paar“ Veränderungen doch alles bewirken kann.
    Eine Frage habe ich trotzdem noch: Ist es tatsächlich so, dass die meisten Autoren in ihre erste Fassung erst einmal alles reinpacken und dann Überflüssiges streichen? Bei mir war das irgendwie anders. Ich habe erst einmal knapp formuliert, auf Ausschmückungen verzichten und in einer späteren Überarbeitungen dann noch Beschreibungen eingefügt, wo ich sie für sinnvoll hielt.

    • Hallo Bianca,

      meine erste Fassung ist meist (nicht immer) auch eher knapp, wir bei dir.

      Axel 🙂

      PS.: Mir ist eingefallen, ich war schon in Thüringen (ist länger her, war aber wirklich sehr schön) Im Winter. Irgendein typischer Dialekt ist mir aber nicht aufgefallen.

      • Oh doch, und er ist nicht viel besser als der sächsische! Ich darf das sagen, immerhin darf ich ihn einen Teil von mir nenne ;-).
        Schön, dass ich hier nicht die Einzige mit Verknappungsdrang bin. Wie ist das eigentlich, wenn man nach 5 Jahren auf sein Erstlingswerk, in das man so viel Schweiß und Arbeit gelegt hat, zurückblickt. Findet man es immer noch gut oder sieht man nur noch die Anfängerfehler?

  4. Hallo ihr beiden,

    damit sich Nachwuchsautoren besser unterstützen können, schlage ich vor, dass wir Rezensionen schreiben. Dafür wiederum wäre es hilfreich, wenn ihr das, was ihr jetzt mit einem Prosatext vorgestellt habt, auch einmal bei einer Rezension durchführt. Also, worauf ist zu achten? Was darf auf keinen Fall fehlen? Aufbau, Stil … Wie schreibe ich eine gute Rezension?

    So als Anregung, würde mich freuen …

  5. Hallo Marcus,

    ich habe bei Ullstein Forever herum gestöbert. Da stand, dass es nur E-Book Veröffentlichungen geben würde. Wie hast du es denn geschafft, dass Tödliche Gedanken bei Ullstein Midnight gedruckt wurde?

  6. Hallöchen,

    mich würde brennend eine Folge über das Exposé
    von „Tödliche Gedanken“ und „Tödliche Wahrheit“ interessieren.

    Axel hat in einem Making-off schon einmal einen tollen Einblick gegeben und was aus seinem Exposé vorgelesen.

    Das wäre doch mal eine spannende, hochinteressante, lehrreiche Folge !!!!

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