Folge 253 – „Rogue One“ für Autoren

Die SchreibDilettanten outen sich (mal wieder) als Star Wars Fanboys – und betrachten „Rogue One“ aus Autorenperspektive.

19 Gedanken zu “Folge 253 – „Rogue One“ für Autoren

  1. Runde Figuren mit Ecken und Kanten- ich kann es mir nicht vorstellen.
    Für mich wäre Star Wars nicht das Kinoereignis des Jahres, aber ich bin kein Star Wars-Fan.
    Ob eine Geschichte auch für sich allein stehen kann, kann man eigentlich nicht mehr richtig einschätzen, wenn man andere Filme der gleichen Reihe schon gesehen hat.

  2. Also für mich nicht das Kinoereignis des Jahres.

    Ich habe auch darunter gelitten, dass mir die Figuren eigentlich ziemlich gleichgültig geblieben sind. Was mich irgendwie wundert, warum. Weil die Art und Weise wie sie jeweils eingeführt wurden hatte genug Dramatik und Spannung und „Mitfühlpotential“. Mir ist nicht ganz klar, warum dieser Aspekt des Films bei mir so überhaupt garnicht gezündet hat, bis zu einem gewissen Maß lässt sich das evtl damit erklären, dass es zu viele Figuren waren, da kam im ersten Drittel so ein Feeling von „hä, wo sind wir gerade, was sind das jetzt für Typen“ auf. Aber das alleine kann es für mich nicht erklären.

    Was ich sehr positiv fand ist, dass die Rebellen einfach mal realistisch wie eine Wiederstandsbewegung dargestellt wurden, wo die Kämpfer nicht edle Helden sind sondern wo es alles gibt was es bei einer echten Rebellion gibt, Attentate wo Unschuldige sterben, erst schiessen, dann fragen, Kriegsverbrechen etc und dass diese Rebellen eher sowas wie eine Zwangsgemeinschaft von allen sind, die gegen das Imperium sind (das können ja auch Kriminelle sein, ich vermute mal, dass das Imperium das mit harter Hand herrscht für Kriminelle unbequemer ist als der demokratische Verbund der Welten).

    Was mir den Film komplett verleidet hat war, der Kriegsfilmaspekt mit völlig realistschen Kampfhandlungen wo die Partisanen unter dramatischer Musik langsam einer nach dem anderen aufgerieben wurden in Wüste und mit Palmen. Das hat bei mir derartige Assoziationen mit den Bildern aus Syrien erzeugt, dass ich dem wirklich keinerlei Unterhaltungswert mehr abgewinnen konnte und es für mich emotional schon fast eine Geschmacklosigkeit war, solche realistischen Szenen von Kriegshandlungen in so einem Setting als pure Unterhaltung zu inszenieren.
    Ausserdem, die tapferen Rebellen, die in der Wüste den Märtyrertod für ihre Sache sterben….. IS hält sich für eine Truppe von Märtyrern die gegen die übermächtigen USA und die Leute mit dem falschen Glauben kämpfen und für die gute Sache in den Tod gehen. Dieses Szenario hat im Kino bei mir ein ziemliches Magengrummeln verursacht, keine Unterhaltung…

    Für mich ist das zu nah an Dingen dran, die in unserer realen Welt gerade passieren, die ich im Kino in einem echten kriegskritischen Kriegsfilm völlig okay finde, aber nicht für pure Unterhaltung.

    Für mich ein Film, den man nach dem Rausgehen schnell wieder vergessen kann.

    Ansonsten, das Star Wars Universum hat noch nie so echt, so lebendig, so glaubhaft und toll ausgesehen. Visuell der Hammer!!!!

    • Es ist eine alte Diskussion, wie politisch (Unterhaltungs-) Filme oder Bücher zu verstehen sind. Wenn ich mich richtig erinnere, wehrte sich z. B. Tolkien dagegen, dass seine Bücher mit dem Kampf gegen das Dritte Reich in Verbindung gebracht wurden. An Syrien habe ich bei R0 nicht gedacht, eher an den Pazik-Krieg in WW2. Aber ja, ich fand z. B. den Nazi-Bezug in SW7 ziemlich aufgesetzt und nervig. Insgesamt finde ich den Umgang mit Gewalt bei R0 besser, als in anderen Action-Streifen (und den alten SW-Filmen), da hier auch die Konsequenzen gezeigt wurden – z. B. an der Figur von Cassian, der irgendwann begreift, wie weit er bereits gegangen ist. Oder am Ende: Alle sind tot. Insofern habe ich den Film gar nicht nur als Unterhaltungsfilm verstanden. Ganz liebe Grüße und ein friedliches 2017, Axel 🙂

      • Danke, auch dir ein erfolgreiches 2017!

        Einen Actionfilm mit politischem Gehalt den ich wirklich gut fand war The Winter Soldier, und das obwohl ich polit-Thriller normalerweise nicht mag und das Superheldengenre für mich derzeit schon zu ausgelutscht ist.

        Aber hast du eine Idee, warum es bei dem Film anscheinend mehr Sehern so geht, dass sie mit dem Charakteren nicht wirklich „warm“ werden, und das obwohl sie rein technisch beim Schreiben der Charaktere so wie ich es sehe alles richtig gemacht haben, die Schauspieler auch passend waren und einen guten Job abgeliefert haben.

        Am Enseble-Cast kann es ja eigentlich nicht liegen, dann hätte Guardians of the Galaxy das selbe Problem haben müssen.

        Was muss ein Charakter bedienen, jenseits von Tränendrüse und „Leser/Zuseher Wunscherfüllung“ dass ein Leser oder Zuseher emotional in diese Figur investiert? Und warum funktioniert das oft nicht, obwohl laut „Rezept“ alles richtig gemacht wurde. Es gibt zB eine Buchserie, die wirklich nicht gut geschrieben ist, aber ich lese sie weiter, weil ich den Hauptcharakter so sympathisch finde und wissen will wie sein Leben weitergeht. Und dann gibt es Texte/Filme wo schreibtechnisch alles richtig gemacht wurde (so weit ich weiß, welche Techniken angewendet werden können, um einen ansprechenden Charakter mit einem guten Konflikt zu schaffen), aber es springt kein Funke über.

        • Mir ging es mit den Figuren nicht unbedingt so wie dir. Deswegen kann ich auch nicht genau nachvollziehen, wie es dir ergangen ist und auch nur spekulieren, wieso du mit den Figuren nicht warm werden konntest. Ich kann da nur spekulieren.

          Ich vermute, dass es unter anderem daran liegt, dass beispielsweise Luke Skywalker Heldenreise halt sehr klassisch ist, Jyns hingegen nicht. Schon allein die Erzählweise in der Eröffnung weicht extrem von einer klassischen Einführung ab. Wir erleben die Heldin nicht in ihrer Alltagswelt. Sie übertritt praktisch sofort die Schwelle und das auch noch als Kind. Bei mir hat das gut funktioniert, weil ich sofort Mitleid mit Jyn hatte. Bei anderen Zuschauern mag das vielleicht nicht funktioniert haben. Zum Beispiel, wenn sie selbst keine Kinder haben und deswegen emotional nicht mitgehen können.

          Dann wird vom Zuschauer verlangt, die Emotionen, die mit Jyn als Kind verknüpft worden sind, übergangslos auf Jyn als Erwachsene zu übertragen. Das gelang mir auch nicht sofort, weswegen auch ich den Eindruck hatte, dass die ersten 30 Minuten des Films recht schwammig und orientierungslos verlaufen. Etwas, das ich aber beim zweiten Mal gucken nicht mehr so empfunden habe, weil ich die Figuren dann ja schon kannte.

          Cassian ist zum Beispiel als Mörder eingeführt worden. Zu ihm hatte ich keinen Zugang – bis zu dem Augenblick, an dem er Jyns Vater verschont hat. Bis dahin war er mir unsympathisch. Mit anderen Figuren wie Bodhi, Chirrut und Baze konnte ich so gar nicht mitgehen, weil ihnen einfach zu wenig Screentime genehmigt wurde und ihre gesamte Rolle auf eine Handvoll charakteristische Sätze reduziert war.

          Also, ja, ich denke, ein Teil des Figurendilemmas liegt auch einfach an der Größe des Casts. Ich finde hier den Vergleich mit Guardians of the Galaxy nicht unbedingt passend. Erstens ist der Cast nicht so groß und zweitens funktioniert der Film maßgeblich als Komödie. Denk dir den Humor weg und versuche dir die Geschichte mal als düsteren Kriegsfilm vorzustellen. Dann würde das alles auch nicht mehr so einfach funktionieren. Lachen ist halt einfach eine sehr starke Emotion, die Sympathie weckt.

          Am Ende ist es halt einfach auch eine sehr, sehr persönliche Sache, an welche Figuren man als Zuschauer oder Leser anknüpfen kann oder auch nicht. Das kann man als Autor halt nur bis zu einem begrenzten Maß steuern.

          • Interessant, was du da sagst, ja, ich vermute mal, dass ich mit Kiddie Jynn schon adäquat Mitleid hatte, aber Mitleid mit einem kleinen Mädchen für mich nicht so der Motivator ist, in eine Heldin in einem Actionstreifen emotional zu investieren. Und es stimmt, die emotionale Bindung, die ich zu klein-Jynn am Anfang aufgebaut hatte hat sich bei mir überhaupt nicht auf die erwachsene Frau übertragen. Da musste ich die Verbindung zum Charakter noch mal völlig neu aufbauen und das hat bei mir bis bestimmt zur Hälfte gedauert, ungefähr da wo sie dann mit dem Raumschiff abgehauen sind um die Pläne zu besorgen, bis dahin ist sie mir eher auf den Keks gegangen. Aber sie ist halt einfach nur mal wieder so ein hübsches, blondes, kratzbürstiges Mädel wie sie in jedem Hollywood Blockbuster rumläuft. Ich hätte es toll gefunden, wenn sie und ihr Vater farbig gewesen wären, und sie zwar schon attraktiv aber eher mit einem Charaktergesicht, um sich mal von dem langsam öden Einheitsbrei abzuheben.

            ich fand Cassian als Charakter von Anfang an viel interessanter als Jynn. Ein Typ, der aus den richtigen Gründen anfängt, das falsche zu tun hat als Charakter einfach sehr viel Potential und er hat auch mehr Charakterentwicklung in dem Film als Jynn.

          • Interessant. Cassian ist mir bis kurz vor Schluss total unsympathisch geblieben. Er hat gleich zu Beginn ohne echten Grund gemordet. Danach hat er gelogen und betrogen. Da hatte er es bei mir sehr schwer. Erst ganz zum Schluss mochte ich ihn – weswegen ich beim zweiten Gucken dann schon wesentlich mehr Zugang zu ihm hatte. Aber erste einmal war er mir total unsympathisch. was bei mir beim ersten Gucken sehr viel Skepsis hervorgerufen hat.

            Ja, mir ging es beim ersten Mal ähnlich wie dir. Ab dem Zeitpunkt, ab dem sie den Einbruch ins Archiv gestartet hatten, war ich mit allen Figuren warm geworden und konnte richtig mit dem Film mitgehen.

            Ich denke jedoch, dass das durchaus beabsichtigt ist. Rogue One ist einfach nicht so gefällig wie andere Star Wars-Filme, was ja schon dadurch signalisiert wird, dass auf das übliche Intro verzichtet wurde. Ich finde das durchaus gut. Auch die emotionale Palette von Star Wars wird mit diesem Film erweitert.

            Ich finde Rogue One in seiner Wirkung sehr vergleichbar mit den Prequels. Auch da saß ich zunächst im Kino und dachte: Hä? Was soll das? Das ist doch nicht Star Wars. Aber je länger der Film dann dauerte und je mehr ich bereit war, meine Erwartungshaltungen über den Jordan zu schicken und mich auf das einzulassen, was der Film tatsächlich bietet, desto besser fand ich ihn.

            In einem Punkt muss ich dir allerdings widersprechen: Felicity Jones finde ich nun überhaupt nicht fehlbesetzt. Im Gegenteil. Sie ist klug gewählt. Sie ist eben kein »hübsches, blondes, kratzbürstiges Mädchen«. Sie ist eine voll entwickelte Figur und eine ganz hervorragende Schauspielerin und eine Top-Besetzung. Ich denke, sie wurde geachtet, weil sie durchaus der jungen Carrie Fisher ähnlich ist. Ja, ich bin auch der Ansicht, dass dieses Rassismus-Ding gerade in Star Wars keine Rolle mehr spielen sollte. Aber davon sind wir offensichtlich noch weit entfernt. Leider.

      • Ich muss da Axel recht geben. Die Aspekte, die du nennst, Petra, habe ich auch so wahrgenommen, nur eben nicht negativ, da ich Rogue One auch nicht als reinen Unterhaltungsfilm wahrgenommen habe. Nur weil Star Wars extrem unterhaltsam ist, tue ich die Filme nicht als belanglose Unterhaltung ab. Für mich ist die Filmreihe auch schon immer spirituell und politisch gewesen – wenn natürlich auch nicht unbedingt erschöpfend tiefgreifend, so doch auf einer allgemeinen und symbolischen Ebene.

        Rogue One geht da ein kleines Stück weiter, schon allein, weil er düsterer ist als andere Star-Wars-Filme – nun aber auch nicht so düster wie „echte“ Kriegsfilme. Ich finde, dass die Balance durchaus gelungen ist. Aber das mag eine persönliche Geschmacksfrage sein.

        Ich habe deswegen auch gerade den Schluss des Films nicht als eine direkte Allegorie auf Syrien verstanden, was auch gar nicht funktioniert. Ich vermute, das Setting ist eher Zufall und passt ja auch nicht hundertprozentig.

  3. „Rogue One“ hat mich in einem eher unglücklichen Moment erwischt, und ich war undankbarer und kritteliger als sonst, wenn es um Star Wars geht. Und siehe da, der Film ließ mich emotional kalt.

    Deshalb bin ich, als begeisterter Fan der alten Filme und „Erwachen der Macht“, relativ betrübt darüber, dass ich nicht in die Lobeshymnen von Freunden und Bekannten einstimmen kann. Die meisten sind von Rogue One begeistert.

    Rogue One „biegt“ Star Wars, um neue Formen und Erzählweisen für ein Universum zu finden, das die Leute lieben, in dem sie sich gerne aufhalten. Das setzt Mut und Experimentierfreude voraus. Ich bin überrascht, dass ich selbst nun konservativ und altmodisch reagiere. Ich konnte nach dem Kinobesuch kaum Argumente dafür finden, weshalb ‚meine‘ Marke Star Wars die gängigen Elemente vermissen lässt: Keine Märchen-Allegorien in Rogue One, keine Jedi-Ritter, keine Romantik im Sinne der klassischen Space Opera.

    Dagegen empfinde ich Episode 7, „Erwachen der Macht“, als tolle Weiterführung einer Geschichte, mit der ich aufgewachsen bin, bei der ich unbedingt wissen möchte, wie sie weitergeht.

    Umso mehr freue ich mich auf die kommenden Episoden 8 und 9 …

    Und so muss ich wohl oder übel zu dem Schluss kommen, dass Disney alles richtig gemacht hat: Die Fortsetzung der klassischen Trilogie bedient die altmodischen Märchenonkel wie mich. Die „Story“-Filme, angefangen bei Rogue One, holen neue Leute ins Boot. Und sie bringen frischen Wind für Fans, die bei Star Wars auch andere Aspekte im Vordergrund sehen.

    Im Zweifel wäre ich nun dafür, die „Storys“ noch mehr auszuweiten, und die Berührungspunkte mit den alten Filmen so weit es geht zu reduzieren. Das Star Wars-Universum ist groß. Es gibt so viele Geschichten zu erzählen …
    … in dieser weit weit entfernten Galaxis.

    • Ich kann gut nachvollziehen, was du meinst. Im Prinzip macht Disney mit Star Wars jetzt im Film, was in den Romanen, Comics und Rollenspielen schon lange üblich ist: Das Universum zur Gänze ausreizen und verschiedene Aspekte zu beleuchten.

      Im Prinzip hat das George Lucas ja auch schon mit Episode I-III gemacht. Ich werte die Prequels als eine Art Angebot: Seht her, das hier ist ganz anders, aber es ist auch Star Wars. So ähnlich macht das Rogue One nun auch.

      Episode VII war halt wirklich das Surfen auf der Fanwelle. Was ich auch nicht schlecht finde. Der Film gefällt mir auch gut. Aber er war selbst im Vergleich mit den Prequels ein kreativer Rückschritt. Rogue One geht ja auch nicht wirklich weit – er bleibt ja visuell und storytechnisch hinter Episode III zurück. Aber er zeigt, wohin die Reise noch gehen könnte. Und das finde ich gut. Da der Film sehr erfolgreich ist, könnte es gut sein, das zukünftige Filme noch mutiger werden. Mich würde das freuen.

  4. Etwas verspätet, aber auf der Homepage des Fantasy-Autors Oliver Plaschka („Das Licht hinter den Wolken“) habe ich nun eine Kritik zu Rogue One gefunden, die in etwa die Punkte anspricht, die mir zu dem Film durch den Kopf gingen. Deshalb verlinke ich mal hier, wie gesagt, nachträglich. Bei den Begeisterungsstürmen, die der FIlm ausgelöst hat, und dem kommerziellen Erfolg, hat mich Einiges daran dann doch noch beschäftigt, obwohl ich es nicht selbst in Worte gefasst habe.

    http://gazette.rainlights.net/archives/248-Rogue-One-Major-Spoiler-Rant.html

    Es ist nicht so sehr die Frage des Geschmacks, sondern der krasse Widerspruch zwischen eigenem Empfinden und der Art, wie Blockbuster-Filme vom breiten Publikum und der Netzgemeinde aufgenommen werden, der mich verblüfft. Ein Beispiel sei noch genannt: Jurassic World. Einer der erfolgreichsten Filme der letzten Jahrzehnte. Und doch hinkt er in seiner dramaturgischen Ausarbeitung, seinen Figuren, in seinem ganzen Schliff und der Raffinesse vieler meiner Lieblingsfilme aus demselben oder vergleichbaren „Franchises“ – sagt man ja heute – hinterher.
    Woran liegt das? Ist es – nochmal – eine persönliche Geschmacksfrage? Ist man zu kritisch geworden? Hegt man zu hohe Ansprüche?
    Aber etwas wie Star Wars oder Jurassic Park gehört in meine Kindheit, und es gehört irgendwie allen.
    Und was bedeutet es für den Autor/die Autorin? Dass wir schreiben sollen, was die Menschen in Scharen an die Kinokassen und in die Buchläden zieht? Oder aber eher das, was wir für schöne Geschichten halten? Für mich ergibt sich da manchmal ein Widerspruch, der nicht leicht aufzulösen ist.

    … vielleicht gehört das alles aber auch nicht hierher. Danke für eure Plattform zum Austausch.

    Viele Grüße,
    AT

    • Ich finde, es ist eine faire Rezi – ich sehe den Film aber ganz anders (und daran merkt man, wie unterschiedlich Geschmäcker sind. Als Autor muss man das wissen. Was du da beschreibst, kann ein schwieriges Dilemma – was will ich?? / was geht – sein): Ja, es waren zu viele Figuren, aber die Hauptfiguren (Held- und Heldin, Droide, Schurke) fand ich super. Und gerade den Helden herrlich rund! Ganz anders, als in den klass. Filmen. Die Gastauftritte haben mich in SW7 total genervt. Wirklich genervt. SW7 wäre ohne sie ein super Film gewesen. So … In R1 fand ich sie wohl dossiert. Hat mir gut gefallen. Besonders: Wie sehr C3PO und R2 gegen den neuen Droiden „abstinken“ (sorry ;-))

    • Die Rezension ist gut und kenntnisreich geschrieben, aber sie krankt an dem Punkt, an dem alle negativen Kritiken von Rogue One kranken, die ich bislang gelesen habe: Sie versuchen ein subjektives Urteil (»Ich kann mit den Figuren nichts anfangen.«) zu objektivieren. Und das funktioniert halt in meinen Augen nicht. Ich kann absolut verstehen, warum jemand Rogue One nicht mag. Der Film geht mit Figuren anders um als alle anderen Star-Wars-Filme bislang. Die Handlung ist in gewisser Weise komplexer und wesentlich düsterer.

      Das kann man eben gut oder schlecht finden. Aber das ist meines Erachtens nach nicht objektivierter. Ich mochte die Figuren größtenteils. Mir gefiel die neue Ausrichtung gut. Ja, ich habe beim Ende auch ganz schön geschluckt. Aber auch das ist ja gewollt.

      Ein Wort zur mangelnden Eigenständigkeit: Auch das wird als Qualitätskriterium herangezogen. Das ist mir unverständlich. Star Wars ist serielles Erzählen. Selbst der erste Film hat ja quasi so getan, als sei er Teil einer Serie. Und niemand kann mir erzählen, dass Episode V ohne IV wirklich funktioniert. Lucas wollte aber nie etwas anders und in gewisser Weise treibt das Rogue One auf die Spitze – aber er kann es halt eben auch mehr als alle anderen Teile, weil er mitten in der Serienhandlung stattfindet. Das kann man wiederum mögen oder nicht – aber das ist auf keinen Fall ein Zeichen für Einfallslosigkeit oder mangelnde Eigenständigkeit.

      Zu deiner Frage: Bei »Jurassic World« gebe ich dir irgendwie recht. Aber ich entnehme deinem Kommentar, dass du so ungefähr in unserem Alter bist und ebenfalls mit Filmen wie »Jurassic Park« großgeworden bist. Nun, ich denke, als Menschen mit dieser Biografie sind wir nicht dazu geeignet, einen solchen Film wirklich zu würdigen.

      »Jurassic World« ist hauptsächlich für Leute gemacht, die wie wir vor zwanzig Jahren sind und die bisher keinen größeren Kontakt mit dem Franchise hatten. Gleichzeitig versucht der Film den Spagat und will auch etwas für Leute liefern, die die alten Filme irgendwie kennen, aber nicht – wie in meinem Fall – dutzende Male gesehen haben und auswendig herunterbeten können. Ja, für uns und unsere Sehgewohnheiten bietet der Film vielleicht nur wenig. Für das angestrebte Zielpublikum aber offensichtlich mehr.

      Ich glaube nicht, dass deine Wahrnehmung etwas mit zu hohen Ansprüchen oder einer zu kritischen Herangehensweise zu tun hat. Wahrscheinlich sind solche Dinge wie »Jurassic World« emotional bei dir (und manchen anderen) emotional einfach schon besetzt und mit einer bestimmten Erwartungshaltung verknüpft. Jedenfalls beobachte ich das oft bei mir. Und wenn ich mir das bewusst mache und versuche, eine Geschichte mit ganz neuen Augen zu sehen, entdecke ich häufig Dinge, die mir dann doch gefallen.

      Wir nehmen Geschichten viel emotionaler auf, als wir es uns manchmal gerne eingestehen wollen. Ich habe den Eindruck, dass viele Kritiker ihr Urteil im Nachhinein zu objektivieren versuchen, dabei schreiben sie eigentlich nichts weiter als: Ich bin enttäuscht. Das ist okay, aber halt eben kein objektives Urteil. Ich zumindest kann an Rogue One keine handwerklichen Fehler entdecken. Ich sehe einige für Star-Wars-Verhältnisse gewagte Dinge. Aber eben keine Fehler.

      • Das stimmt, Axel. Die alten Roboter sind wirklich nicht mehr zeitgemäß. Aber SW 7 ist ja die Fortsetzung der Geschichte dieser Figuren, da hat man sie, finde ich, schon so weit es geht reduziert.

        Marcus, ich stimme im Grunde überein mit dem, was du sagst. Letztlich hat es viel mit der eigenen emotionalen Voreinstellung zu tun, ob ich die innere Skepsis überwinde und mich auf einen Film einlassen kann oder nicht. Manchmal reicht nur ein (für mich) falscher Ton am Anfang, und ich bin raus. An einem anderen Tag hätte ich den Film vielleicht sehr gerne gemocht.

        Ich könnte jetzt die Gründe im Einzelnen aufzählen, die bei mir dazu führten, dass ich bei Rogue One nicht richtig reinkam. Aber Einiges wurde bereits gesagt. Und anderes ist, wenn ich drüber nachdenke, einfach bloß persönliche Gewichtung.
        Darüber hinaus glaube ich, dass es für Produzenten von Geschichten, also Autoren etc., sowieso besser hinsichtlicher ihrer geistigen Gesundheit ist, nicht in erster Linie als Kritiker ans Geschäft zu gehen. Sonst fängt man nie an, etwas zu schreiben. Ich habe gestern mit einem 55-jährigen Verleger und Rezensente gesprochen, der immer Bücher schreiben wollte, aber von sich selbst sagt, dass ihn sein eigener hoher Anspruch letztlich davon abgehalten hat. Irgendwie tragisch, finde ich.

        Außerdem will ich den FIlm auch niemandem schlechtreden. Die Story an sich finde ich toll. Ich hätte alles nur ganz anders gemacht – natürlich. 😉

        Viele Grüße!

        • Rogue One macht auch handwerklich gewagte Dinge. Keine Fehler in meinen Augen, aber Experimente, die ich so nicht machen würde und die man von einem Star-Wars-Film nicht erwartet.

          Jyns Einführung ist beispielsweise sehr riskant. Wir lernen sie in den ersten Minuten als Kind kennen. Da fiebert man mit ihr mit, entwickelt Empathie usw. Alles super. Cut. Jyn ist erwachsen. Und sie ist erst einmal ein Ekel. Schwierige Einführung. Die andere Figur, die uns nahegebracht wird, ist Captain Cassian. Und wir erleben, wie er einen Unschuldigen ermordet, um seine eigene Haut zu retten …

          Das hat es auch mir anfangs schwer gemacht, in die ersten 30 Minuten des Films reinzufinden. Das und die vielen neuen Figuren.

          In meinen Augen sind das jedoch keine Schwächen, denn alle Figuren entwickeln sich hervorragend und alle Plotelemnte gehen auf und spielen später eine Rolle. Dem Zuschauer wird nur viel abverlangt, mehr als bei jedem anderen Star-Wars-Film. Sowohl emotional als auch, hm, intellektuell?

          Schließlich ist das Ende, an dem alle wichtigen Figuren sterben, für Star Wars nun wirklich revolutionär.

          Deswegen kann ich verstehen, dass manche Star-Wars-Fans und Gelegenheitsgucker mit dem Film Schwierigkeiten haben. Er liefert nicht das gewohnte Star-Wars-Feeling und verlangt, dass man hier und da der Story einfach eine Weile vertraut. Ich würde mit großer Wahrscheinlichkeit diese Wagnisse in einer Romanhandlung nicht eingehen, weil ich fürchten würde, die Leserinnen zu verlieren. Handwerkliche Fehler oder objektiv feststellbare Schwächen kann ich hier allerdings nicht erkennen.

          Zu deinem Beispiel mit dem Verleger und Rezensenten: Auf einer ähnlichen Schiene war ich auch jahrelang und beinahe hätte ich die Kurve auch nicht bekommen. Ich denke, das ist die Perfektionismusfalle. Vor der muss man sich als Autor unbedingt schützen. Natürlich geht es immer besser. Am Ende ist es aber eher eine Frage des Selbstvertrauens und auch der Selbsterkenntnis: Ja, den perfekten Roman werde ich wohl nicht schreiben. Aber immerhin lesenswerte.

          • Genau, der harte Schnitt zwischen Jyns Kindheit und ihrem Erwachsensein ist einer der Punkte, die ich im Kopf hatte.
            Cassians Einführung fand ich eher geeignet, weil uns die Figur gleich mit ihrer Maximalkapazität nahegebracht wird und er ja später Jyns Vater töten soll. Außerdem bin ich gebrochene Helden mittlerweile gewohnt, selbst James Bond ist kein Saubermann mehr. Aber für gewöhnlich wird so eine Figur in Kontrast gesetzt zu einer Heldenfigur, in die wir eintauchen können. Und das fehlte bei Jyn ja erst einmal.
            Am deutlichsten in Erinnerung geblieben ist bei mir, dass der Anfang nicht stark genug war, um die spätere Handlung zu tragen. Vielleicht (akuter Gedanke gerade) ist das aber auch eine Sehgewohnheit, die mit zunehmendem seriellen Erzählen (die starken HBO- und Netflix-Serien) abnimmt. Trotzdem haben wir es mit einem Film zu tun. Mich interessierte emotional die Beziehung zwischen Jyn und ihrem Vater Galen sehr stark. Ich war wie vor den Kopf gestoßen, als lediglich im Dialog zwischen Saw Gerrera und der erwachsenen Jyn geschildert wurde, wie Saw Gerrera seinen Schützlich verließ, als sie 16 Jahre alt war. Der Vater sagte seine Geschichte im Dialog per Hologramm auf. Das, dachte ich, ist doch eigentlich die Geschichte, die ich erleben will. Ich bin mit Jyn als kleinem Mädchen vor den Truppen des Imperiums geflohen.
            Klar kann ich jetzt sagen, man hat Show don´t tell nicht berücksichtigt und mir die eigentliche Geschichte als Dialog vorgesetzt. Aber andererseits muss ich zugeben, dass das ja die Geschichte ist, die ich persönlich als die eigentlich Wichtige empfand.
            Die Lösung, die mir gerade einfiel, Jyn als Erwachsene einzuführen und den imperialen Überfall auf das Elternhaus später in einer Rückblende zu erzählen, gefällt mir nach einigem Überlegen auch nicht besser. Das wäre bloß gewohnter gewesen.
            Die Filmemacher haben nun mal mit starker Hand ihre Schneise durch die Story geschlagen.

            Also, objektiv feststellbar ist das alles nicht.
            Es war mir gar nicht so klar, aber negative Kritik ist meist sehr subjektiv. Wenn man es sich bewusst macht, hilft das beim Ausschalten des eigenen, inneren Kritikers, richtig?

            Um auf die Perfektionismusfalle zurückzukommen: Es ist wahrscheinlich die Frage, ob man mit der Vorstellung eines rundherum gelungenen eigenen Romans bis ans Lebensende herumlaufen will, oder ob man bereit ist, diese Illusion zu zerstören, indem man anfängt, die Geschichte umzusetzen.
            Dass der verhinderte Autor zum Rezensenten wird, ist vielleicht gar kein Zufall. Wenn man es nicht selbst versucht hat, ist man schnell mit Kritik bei der Hand, andererseits aber auch schnell begeistert von etwas, das einen zufällig persönlich sehr anspricht. Der Rezensent hat nämlich genau ein oder zwei Autoren auf einen ziemlich hohen Sockel gehoben. Es ist fast unmöglich, da heran zu kommen, wenn man sich selbst an die Tastatur setzt.
            Für mich war schon immer klar, dass ich lieber zu denen gehören möchte, die Geschichten erzählen und dabei Fehler machen, als zu denen, die über Geschichten reden und alle Fehler finden. Aber trotzdem macht mir mein Perfektionismus den Einstieg immer sehr schwer. Und das Vorankommen auch.

          • Um ehrlich zu sein, finde ich, dass du den Nagel auf den Kopf triffst. Mir fällt persönlich kein besonders harter Kritiker ein, der auch gleichzeitig sehr produktiv ist. Das entgegengesetzte Beispiel ist für mich Stephen King, der gefühlt pro Jahr zwei 1000-Seiten-Wälzer raushaut, von denen – noch gefühlter – jeder fünfte gut ist und jeder zehnte genial und der Rest ist, nun ja, nicht so spannend. Es ist eine Frage der Persönlichkeit, was man bevorzugt. Aber ich find’s persönlich besser, was zu produzieren, als Ewigkeiten am Geniestreich zu feilen.

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