Folge 280 – Anglizismen und Umgangssprache

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24 Gedanken zu “Folge 280 – Anglizismen und Umgangssprache

  1. Sprache muss gestaltet werden und man muss es als Leser spüren. Das kann auch durch Kraftausdrücke geschehen, wenn man dahinter einen gewissen Sound spürt.

    Bei Anglizismen wäre ich vorsichtig, denn das wirkt leicht anbiedernd. Aber ich hätte auch keine Bedenken, es zu parodistisch klingen zu lassen. Bissel Parodie schadet nie.
    Ich weiß nicht, ob man Wörter aus der Jugendsprache benutzen sollte, weil das veraltet. Oder sollte man lieber die Funktionsweise der Jugendsprache nachaahmen, die sich durch ein gewissen Wortwitz und Wortspiele auszeichnet. Auf keinen Fall sollte man die Jugendsprache aus der eigenen Jugend verwenden,

      • Auch ein Thriller tut etwas Auflockerung durch lustige Passagen gut.
        Ansonsten muss man die Figur hinter dem Marketingmenschen genauer herausarbeiten, damit er nicht zur Parodie verkommt.

  2. Interessante Folge 🙂
    Wie sieht es denn mit der Umgangssprache aus, die fast jeder spricht: „Das is‘ ’n Beispielsatz von ’ner Person, die nich‘ normal spricht.“ Wenn ich jemanden im Buch so sprechen lasse, dann ja eher um ihn locker/lässig/unförmlich o.ä. wirken zu lassen. Ist das denn auf die Dauer auszuhalten, vor allem wenn einer der Hauptcharaktere so spricht?
    Als Extrembeispiel fällt mir Hagrid ein, der sehr Umgangssprachlich spricht. Der ist ja jetzt nicht die ganze Zeit bei Harry, deshalb hält sich das ja noch im Rahmen, aber könnte man auch Hagrid auf die Dauer aushalten? Ein Hagrid-Spin-Off wäre doch mal eine coole Idee 😉

  3. Ich persönlich halte gar nichts von Anglizismen, vor allem falsch verwendeten, im Deutschen und würde sie daher auch nicht in meinen Texten verwenden, es sei denn, ich möchte tatsächlich jemanden dadurch charakterisieren (wie Ihr das mit dem Marketing-Jargon gesagt habt). Umgangssprache und auch Dialekte finde ich wahnsinnig anstrengend zu lesen und würde diese auch sehr wohldosiert einsetzen. Eventuell reichen bestimmte Worte oder Formulierungen, mit denen man einen entsprechenden sozialen oder sprachlichen Hintergrund skizzieren kann. In meinem aktuellen historischen Roman lasse ich meinen Protagonisten beispielsweise in Altenglisch fluchen, aber ansonsten spricht er ganz „normal“ wie die anderen Charaktere auch.

      • „Yfel feondulf“ ist beispielsweise ein „übler/bösartiger Feind/Schurke“. Das hört sich wahrscheinlich nach Zucker an gegenüber dem, was in aktuellen Texten an Schimpfwörtern und Flüchen gebraucht werden könnte, aber im Mittelalter hat man schließlich auch nicht so anal und fäkal geflucht wie heutzutage.

        Für alle weiteren Flüche mußt Du mein Buch lesen, wenn es erscheint …

  4. Mir ist noch eine Frage eingefallen, die wieder nicht zum Thema passt, aber ich hab leider noch keine (bestätigende) Antwort darauf gefunden:
    Was spricht gegen den auktorialen Erzähler bzw. einer Multiperspektive? Die Idee ist, dass mein Heldentrio öfters zusammen ist und ich jetzt überlege, wie die Perspektive in diesen Kapiteln zu wählen ist. Eine (wahrscheinlich nicht so gute?) Idee wäre, dass man zu jeder Zeit die Gedanken von jedem der drei lesen kann. So fühlt man sich nie ausgeschlossen aus seiner Lieblings-Perspektivfigur, kann sich aber wahrscheinlich nie so richtig in überhaupt einen der drei hineinversetzen, oder? Die (wahrscheinlich bessere?) Idee wäre, dass ich wie in Game of Thrones am Anfang eines Kapitels festlege, wer jetzt die Perspektivfigur ist und der Leser dann eben akzeptiert, dass seine Lieblingsfigur erst wieder im nächsten oder übernächsten Kapitel dran ist. Aber wenn die erste Idee schlecht ist, wieso wird dann überhaupt noch ab und zu vom auktorialen Erzähler gesprochen?

    • Gegen den auktorialen Erzähler spricht nur, dass er nicht mehr üblich ist. Niemand verbietet dir, im Frack ins Kino zu gehen. Aber wenn du es tust, musst du dich darauf gefasst machen, dass es auffällt.

    • Meinst du, du bekommst das so hin, dass der Leser da durchblickt? Bei George R. R. Martin funktioniert dies, weil die Kapitel eigentlich kleine Storys sind – und dennoch fand ich das oft verwirrend. Z. Zt. lese ich ein Buch („Into the water“) mit ständigem Perspektivwechsel. Das ist harte Arbeit und ich führe nebenbei eine Liste mit einer Personenübersicht. Zum auktorialen Erzähler: Die Gefahr besteht, dass deine Story (scheint im Fantasy-Bereich zu spielen), dann wie ein Märchen wirkt. Damit würde ich heute den auktorialen Erzähler heute noch am ehesten verknüpfen. Außerdem drängt er – finde ich – den Leser in eine untergeordnete Rolle („ha, ha, ich weiß alles und du nicht), die für meinen Geschmack Distanz aufbaut. Ich würde die Perspektive auf keinen Fall wählen. Dann schon eher eine Multiperspektive – aber nicht mit zu vielen Erzählfiguren.

      • Ja, es ist ein Fantasyepos mit drei Hauptfiguren. Ich schwanke am ehesten zwischen der Multiperspektive für die drei Figuren und dem Perspektivwechsel wie in Game of Thrones (z.B. mit den Figurennamen als Kapitelüberschrift). Beides traue ich mir zu. Ständiger Perspektivwechsel kommt für mich nicht in Frage, entweder in (langen) Kapiteln bei einer der drei Figuren bleiben oder zu jeder Zeit aus jeder Perspektive berichten (können). Was ist denn empfehlenswerter? Sind drei Personen zu viel für eine Multiperspektive?

        • Oh, ich bin mir gerade mit den Begriffen nicht ganz sicher, da ich im Internet andere Definitionen gefunden habe: Für mich ist die Multiperspektive die Möglichkeit, die Gedanken mehrerer Figuren (gleichzeitig) zu lesen. So kann man auch nur das sehen/hören etc., was mindestens eine dieser Figuren sieht/hört. Man weiß also immer noch weniger als der auktoriale Erzähler. Weiß nicht, ob das so klar geworden ist oder überhaupt richtig ist, aber so meinte ich es in meinem Beitrag…

  5. In Schreibgruppen und Anfängertexten höre ich ganz oft das gegenteilige Problem: Autoren, die in so eine Art „ich muss jetzt literarisch oder geschrieben klingen“-Falle tappen. Sie benutzen dauernd „dennoch“ statt „trotzdem“, „schließlich“ statt „dann“ usw. Da entsteht dann so eine betuliche, fast schon altbackene Sprache, die keine Gefühle rüberkommen lässt.

    Ein tolles Beispiel für einen versemmelten, total übertriebenen Einsatz von Anglizismen habe ich im Tatort aus Dresden gesehen, der vor ein paar Wochen lief: „Level X“. Da tritt der Chef eines Social-Media-StartUps auf. Ganz furchtbar. Das absolute Klischee. Ich hab mich fremdgeschämt beim Anschauen.

      • Finde ich auch.
        Dazu auch noch der Aspekt, wie man unabhängig von seinem eigenen Alter schreibt. Ich habe gerade ein Manuskript hier, und man merkt der Autorin ehrlich gesagt an, dass sie knapp 60 ist. Die Sprache ist einfach altbacken, und es wimmelt von Begriffen – Sprichwörtern etc. – die ich nicht mehr kenne. So etwas fällt mir besonders dann auf (natürlich), wenn die Texte von Autoren sind, die entweder älter oder sehr viel jünger als ich sind.

        Bei den Älteren ist das, würde ich sagen, ein größeres Problem. Unsere Gesellschaft ist von Jugend besessen. Ein „Wunderkind“ lässt sich gut nachlektorieren. Aber jemand, der irgendwann in seiner altbackenen Sprache festhängt, da werden schnell die Augen gerollt.

        Zeitlos, direkt und ehrlich schreiben.

        • Sollte man die Sprache einer Sechzigjährigen nicht verstehen können, gerade als Lektor/in.
          Kann es sein, dass du an Dialektausdrücken scheiterst?

          • Hallo.
            Ojh, ich hab mich ungenau ausgedrückt. Ich kenne die Begriffe. Es geht nicht um Verständnisprobleme, sondern um Stil.
            Beispiel eines Romans, der eher literarisch gehalten ist:
            „Vater spottete über mich“.
            „Wurstelfinger“.
            „Beglückt sah ich ihn an.“

          • Es ist altbacken. Es ist schlimm – wenn es sich um junge Leute in einem Gegenwartsroman handelt. Wenn es natürlich zu den Figuren passt …

        • Das erste wird man Zeigen,das zweite ist eregional und das dritte ist recht schön.
          Wenn, dann spielt der Gesellschaftsroman nicht in Berlin, sondern im süddeutschen Raum. Ich würde der Autorin raten, die münchnerische, schwäbische oder wienerische Färbung stärker auch im Klang herausarbeiten.

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