Folge 285 – Bin ich ein guter Autor?

9 Gedanken zu “Folge 285 – Bin ich ein guter Autor?

  1. Um in der FAZ oder dem Spiegel besprochen zu werden, muss man nicht unbedingt einen guten Roman geschrieben haben. Was wird da Knausgard abgefeiert?

    Da stellt sich die Frage: Was macht einen guten Autor aus?
    Beschäftigen wir uns lieber mit dem Handwerk und mit Methoden, wie wir besser werden können, denn ich denke, das hilft uns am meisten weiter.

    Was man erkennt, ist Schreibroutine. Wenig Schreibroutine liest sich selten gut. Mit wenig Schreibroutine meine ich wenige Jahre. Ja, Schreiben ist ein Marathonlauf.

  2. Hallo Markus und Axel,

    war mal wieder eine gute Folge. Bei mir kam während des Hörens die Frage auf: Was unterscheidet eigentlich einen Lektor von einem erfahrenen Testleser? Mit erfahren meine ich, dass er sehr viel in dem entsprechenden Genre liest und ein Gefühl für Sprache und inneren Aufbau hat. Denn ich habe solche Leute in meinem Bekanntenkreis, die sich auch wirklich trauen mir ehrlich ihre Meinung zu sagen. Eine Bekannte wird demnächst auch in die Buchbranche einsteigen. Was könnte mir ein Lektor noch bieten, was ich nicht durch meine Bekannten erfahren könnte (nichts gegen Lektoren)? Mich würde mal eine Folge dazu interessieren, in etwa Lektor vs. Testleser. Macht weiter so und einen lieben Gruß, Andreas.

    • Hallo Andreas,

      die Frage habe ich mir vor ein paar Monaten auch gestellt. Soll ich mir das Geld „ans Bein binden“ und eine Lektorin an mein aktuelles Buchprojekt setzen? Immerhin hatte ich mir ja den Text mehrfach angesehen, eine Software drüber laufen lassen und ihn natürlich diversen (erfahrenen) Testlesern in die Hand gegeben. Ich hab das Geld ausgegeben. Und den Text vor ein paar Tagen zurück bekommen. WOW! Unfassbar, was eine Lektorin da noch findet. Rechtschreibfehler, klar. Aber auch stilistischen Kleinkram und inhaltliche Fragen und Fehlern. „Dieser Ausdruck kommt nur in bestimmten Regionen vor, verwende lieber einen anderen. Die Schreibweise ist korrekt, aber nicht vom Duden empfohlen. Hier verwendest du mal die, mal die Anrede.“ Und vieles, vieles mehr. Alles mit ausführlichen und lehrreichen Kommentaren. UNGLAUBLICH! Damit hätte ich echt nicht gerechnet! Also, ja, dem Text hat meine Lektorin (Kerstin Brömer. Vielen Dank an dieser Stelle. Wetten, dass es mir bei der Durchsicht und letzten Überarbeitung gelungen ist, neue Fehler einzubauen?) wirklich gut getan.

      • Danke für die Antwort und deinen Erfahrungsbericht. Das gibt mir schon einmal einen besseren Eindruck, die Unterschiede festzustellen.

      • Ich denke, daß eine gute Lektorin, insbesondere mit Kenntnissen im Verlags- oder Buchmarkt, wirklich ihr Geld Wert ist, da sie neben Grammatik und Rechtschreibung (die eigentlich ein Korrektor verbessern sollte; dazu braucht man keine teure Lektorin) vor allem die handwerkliche Seite eines Buches beurteilen kann, ganz im Gegensatz zu vielen Testlesern, egal wie erfahren sie seien mögen. Meine Agentin hat das schön zusammengefaßt: Als Leserin findet sie ein Buch toll, aber als Lektorin kann sie trotzdem gewisse Bedenken haben, beispielsweise zum Figurenentwurf, zum Spannungsbogen oder ähnlichen schreibtechnischen Dingen. Wer ins Selfpublishing geht, sollte auf alle Fälle Geld fürs Lektorat ausgeben. Irgendwo habe ich einmal gelesen, daß ein Lektorat der ersten 30 bis 50 Seiten bereits ein guter Ausgangspunkt ist, um die gröbsten Fehler zu beseitigen, da sich die Fehler vom Anfang oft im weiteren Teil des Buchs wiederholen.

        • Dem stimme ich im Prinzip zu. Ich würde nur ergänzen, dass halt Lektorin nicht gleich Lektorin ist. Es kommt wirklich darauf an, die richtige Expertin für den entsprechenden Text zu finden. Wenn ich z.B. SF schreibe und meine Lektorin in dem Genre nicht drin steckt, kann sie den Text auch nicht richtig beurteilen.

          Gerade bei manchen Randgenres stelle ich mir das deswegen schwierig vor, wie halt z.B. Steampunk oder so.

  3. Wenn ich nach der Meinung meiner ersten Hörer (ich habe die Geschichte vorgelesen) gehe, muss ich wohl ein guter Autor sein. Es herrschte gebannte Stille und sie hingen förmlich an meinen Lippen.
    „Lies weiter Papa.“
    „Geht nicht, muss erst weiter schreiben.“
    „Na dann schreib jetzt.“
    „Dazu brauche ich Zeit und Ruhe.“
    „Wir sind auch ganz still.“

    Ich kann also bestätigen, dass sich die Meinung von aussen überhaupt nicht mit der Meinung von innen decken muss.

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