Folge 291 – Soll ich mein 1. Buch veröffentlichen?

34 Gedanken zu “Folge 291 – Soll ich mein 1. Buch veröffentlichen?

  1. Plötzliches Ende heute.

    Ich würde auch zu Geduld raten. Lieber mit Roman 2 beginnen und in einem Jahr noch einmal drüberschauen. Niemand sagt, dass die 5 ersten Bücher alle beendet sein müssen, damit sie einen Trainingseffekt haben.

    • Ich muss dir, Engel, dahingehend widersprechen, dass die meisten Schriftsteller, Ratgeber etc. sagen, dass man (grade die ersten) Manuskripte beenden soll, um einen Trainingseffekt, den man durch die darauf folgenden Überarbeitungen noch erweitern und vertiefen kann, zu erzielen.

      • Es bezog sich darauf, dass Marcus schon vor seinem ersten Buch etwas geschrieben haben soll, es aber nie vollendet hat. Auch das sind Erfahrungen, die dich im Zweifel besser machen, sei es um Dialoge zu üben, Figuren zu entwickeln. Marcus‘ Debüt hatte damit auch einen Vorlauf.

        • Das stimmt schon. Aber beenden ist im Zweifelsfall trotzdem immer besser. Trotz aller Übung trat ich jahrelang auf der Stelle. Den Durchbruch in meiner Entwicklung hatte ich erst, nachdem ich »Tödliche Gedanken« auch wirklich beendet hatte.

  2. Vielen lieben Dank für die Folge!!!
    Die hat mir echt nochmal weitergeholfen 🙂 Hätte auch nicht gedacht, dass ihr so bald die Folge rausbringt!
    Kein Problem Marcus, deine Zusammenfassung hat es auf den Punkt gebracht 😉 Die Mail bestand ja nur so aus Infodump. In meinem Buch kann ich mich (hoffentlich) kürzer fassen 😉

  3. Ne, Agenturen und auch Verlage nehmen Manuskripte von denen sie glauben, dass sie sich verkaufen lassen. Die Filtern nicht nach literarischer Qualität sondern nach Verkaufbarkeit.
    Wenn es verkaufbar ist ist denen völlig wurscht ob es handwerklich Schrott ist.

    Was mir auffällt, ich habe (im Bereich Fantasy) schon eine Menge gelesen, wo ich mit gedacht habe, da steckt an sich eine interessante Geschichte drin, das ist an sich ein total spannender Hauptcharakter über den ich gerne mehr lesen würde, ABER…..

    Ich sehe da im Bereich Fantasy eine Menge ziemlich mittelmässiges Zeugs auf dem Markt, das mit Arbeit dran das Zeug gehabt hätte richtig RICHTIG gut zu sein, weil eben die Grundgeschichte und/oder der Protagonist echt interessant ist usw.

    Mein Rat wäre schon, das ein, zwei Jahre wegzulegen und dann nochmal drüberschauen. Ich hab eine Bekannte die Bildhauerin ist und Portraitskulpturen von Tieren macht. Die berichtet, dass wenn sie an einem Stück länger arbeitet sie überhaupt nicht mehr sieht was passt und was nicht passt. Von daher könnte ewig dran rumfrickeln einen eher weniger in die Lage versetzen zu sehen was nicht stimmt als wenn man mehr Distanz dazu hat und es nach einer Pause quasi wie das Werk von jemand anders zu lesen.
    Ich hab zB ein längeres Fanfictionprojekt das ich vor 6 Jahren abgeschlossen hatte von mir neulich wieder gelesen und auf einmal war völlig klar, da, da und da muss das emotionale Zeugs gestrafft werden da es überhand genommen hat und repetitiv ist. Ist natürlich die Frage, ob jemand gewillt ist das Manuskript 6 Jahre wegzulegen.

    Alternativ könnte man auch einen literarisch einigermassen professionellen Betaleser drüberlesen lassen um zu sagen, was verändert gehört. Das Gros der Genre-Fans ist da meiner Meinung nach als passender Probeleser ungeeignet.

    Ich hätte eine Idee wie man an jemanden passendes drankommt. Schaut doch auf Portalen wie Goodreads oder so nach Rezensenten die zu Büchern wie zB Der Name des Windes oder GoT aussagekräftige und detalierte kritische Rezensionen verfassen. So jemanden kontaktieren und um Betalesung eines Manuskripts fragen.

    Weil auf solchen Portalen finden sich neben den üblichen „booooaaaahhh tollll“ und „iiiihhhh scheisse“ Kommentaren auch durchaus Laien, die Texte sehr, sehr gut und treffend analysieren können. Und evtl hat so jemand ja sogar mal Lust, sich an einem unveröffentlichten Text zu versuchen.

    • Hm … was ist „literarische Qualität“? Wo kommt die her? Was ist eine handwerklich gute Arbeit? Ist es nicht so, dass Grundsätze, es ist besser so und so zu schreiben, daher kommen, dass man schaut, was Leser anspricht? Wie es eben in der Wissenschaft üblich ist. Man beobachtet und entwirft daraus eine Theorie. Wenn Verlage nun feststellen, dass (zumindest jetzt und in bestimmten Genres) sich Bücher besser verkaufen, als solche, die man gemeinhin als handwerklichen Schrott bezeichnet, ist es dann nicht die Theorie, die falsch ist? Natürlich, von einem erfolgreichen Autor wird erst einmal jedes Buch verkauft. Geschenkt. Aber wenn ich z. B. im Thrillergenre schreibe. Oder Liebesromane. Dann sehen meine Regeln für handwerklich gutes Schreiben völlig anders aus, als ich das aus Schreibratgebern oder der Uni-Theorie kenne.

      • Naja, bei Shades of Grey zB brauchen wir nicht über handwerklich gut gemachtes Erzählen zu reden, oder?

        Und hat sich verkauft wie warme Semmeln. Jetzt mal als Extrembeispiel.

        Es stellt sich also die Frage, will man sein Manuskript so überarbeiten, dass es „nur“ eine große Zielgruppe an eher unkritischen Käufern bedient oder dass es tatsächlich handwerklich gut gemacht ist.

        Ist evtl analog zu Computerprogrammen. Die Produkte von Microsoft sind alles andere als gut, sie weisen objektive Mängel auf. Trotzdem werden sie von der großen Masse gekauft. Also werden sie weiterhin hergestellt.

        Wenn aber jemand überarbeitet und überarbeitet und sich ernsthaft Gedanken macht, dann gehe ich davon aus, dass derjenige das tut weil er (oder sie) den Text genuin verbessern will, also interessiert ist einen möglichst qualitativ guten Text zu produzieren, nicht „nur“ etwas, das gut genug ist um sich vermarkten zu lassen.

        Weil wenn man explizit was zum Vermarkten schreiben will, dann wäre die Fragestellung nach Kritik eine völlig andere. Dann müsste man den Text mit den Mitteln des Marketings analysieren und entsprechend danach abändern (ähnlich wie Fernsehwerbung etc). Werbefachleute können einen da dann sicher besser beraten was potentielle Käufer anspricht als Leute die sich für Literatur, Sprache und Schreiben interessieren.

        Und einige Autoren sind beim Bedienen der Bedürfnisse von Zielgruppen als alleinige Verkarktungsstrategie wirklich gut, man nehme zB paranormal romance Serienschreiberin Sherrilyn Kenyon.

        Wenn man also sein Manusript „verbessern“ will kann damit verschiedenes gemeint sein. Also sowohl reine Verbesserung der Zielgruppenkonformität zur Verbesserung der Vermarktbarkeit als auch reine Qualitätsverbesserung im Sinne von literaritschem Anspruch. Oder ein Mix von beidem. Das sollte man, wenn man Feedback zu einem Text will dazusagen, damit man nicht schon mal grundlegend die falschen Leute um Kritik fragt bzw für den persönlichen Verbesserungswunsch unpassende Kritik erhält.

        • Fifty Shades of Grey? Nein, da brauchen wir nicht über handwerklich gut gemachtes Erzählen reden: Denn ganz offensichtlich hat die Autorin einen Nerv getroffen. Vielleicht nicht, was unsere Vorstellung von guter Sprache betrifft. Aber einen anderen, den viele andere nicht auf dem Schirm hatten. Und einer überwältigenden Menge von Lesern wichtiger, als ein Satzbau wie aus dem Schreibratgeber. Insofern: Sie hat handwerklich ganz hervorragend gearbeitet. Sollen wir Autoren jetzt unsere Leser „erziehen“? Weil wir denken, dass unsere Meinung die richtige ist? Besser? Klüger, als die anderen? Oder versuchen wir, aus solchen Erfolgen zu lernen? Am besten natürlich, ohne „unsere Seele zu verkaufen“? Ich bin für die zweite Strategie. Immerhin zahlen die Leser dafür, meine Bücher zu lesen. Nicht umgekehrt. Ich finde, das verpflichtet.

          • Nein, solche Bücher darf es ja durchaus geben. Da hab ich garnichts dagegen. Ich finde es auch völlig okay, wenn jemand gezielt und auch gerne solche Bücher schreibt. Schreiben dient schliesslich auch der fantastischen Wuncherfüllung des Autors 😉

            Nur wenn man als Autor Betaleser oÄ hat, dann sollten die schon wissen, ob sowas gewünscht ist. Weil in solchen Genres sind Plotlöcher, Charaktere mit psychologisch unglaubwürdiger Motivation etc völlig akzeptabel, wenn ich also einen als solchen geplanten Vampir oder Werwolf Nackenbeisser/Softporno gegenlese und ich weiß das, dann würde ich die unglaubwürdige Motivationslage bzw das Plotloch nicht kritisieren, da Genreadäquat. Und wenn ich den Vampir oder Werwolf Nackenbeisser/Softporno selbst schreiben würde, dann wären mir die ebenfalls eher nebensächlich. Dafür muss man da dann halt besonders auf den Aufbau von guter romantischer oder erotischer Spannung achten.

            Aber was ich hier mit „handwerklich gut“ meine ist nicht unbedingt etwas womit man ins Feuilleton der Süddeutschen kommt sondern eher handwerkliche Sachen wie Infodump/Informationsmangel, psychologisch halbwegs glaubhafte Charaktere mit passender Motivation mit konsistentem Verhalten, Plotlöcher, Spache die sich flüssig und angenehm liest, brauchbare Recherche von Fachthemen (so weit ich die beurteilen kann), Spannungserzeugung bzw deren Mangel, solche Sachen.

            Ich meine, Leute die in Verlagen oder Agenturen als Lektoren arbeiten haben doch in der Regel Abitur und ein Germanistikstudium absolviert. Da musst du mir erst mal glaubhaft erklären, dass derart gebildete Leute den Großteil der Unterhaltungsliteratur die über deren Tische geht selbst zu ihrer eigenen Unterhaltung lesen würden. Ich kann mir das einfach nicht vorstellen.

          • Ach ja, ich oute mich jetzt, ich habe auch eine längere pornografische Kurzgeschichte aus dem Bereich BDSM geschrieben. Ist auf meiner Festplatte gespeichert 😉
            Da steht auch eher die, ähem, Notgeilheit der Charaktere im Vordergrund und nicht deren psychologisches Profil.

            Werde das Ding evtl mal auf einer passenden Onlineplattform veröffentlichen wenn ich mal irgendwann „Lust“ habe das nochmal zu überarbeiten, was dafür nötig wäre (nein, nicht um Plotlöcher zu stopfen LOL)….

        • Meistens ist es ja so, dass Me-Too-Bücher weniger Leser haben als die Originale. Für einen Bestseller muss man schon etwas Risiko eingehen. Aber die Frage nach der Vermarktbarkeit ist schon wichtig. Für mich erhöht sich die Vermarktbarkeit durch die Eigenständigkeit, den der Leser auf den ersten Blick kapieren muss.

          Eine Verbesserung des Textes erhöht die Dauer der Verkäuflichkeit. Ich glaube nicht, dass 50 Shades of grey sich auch in zwei Jahrzehnten noch gut verkauft.

          Das eine erhöht die kurzfristige Verkaufsbarkeit, das andere die langfristige Verkaufsbarkeit.

          • Wobei die Eigentständigkeit ja bei Massengenres schon etwas zur Herausforderung wird. Wie viele Krimis rund um Mafiamorde, Thriller rund um angebliche Geheimnisse im Vatikan und Fantasygeschichten rund um Magieschulen gibt es bereits?

            Ich denke, gerade in Massengeres kann man über die besondere literarische Qualität da fast noch eher was machen. Siehe Game of Thrones (die ersten 3 Bände).

            Weil die Magieschule wirst du nicht neu erfinden, aber wirklich GUT geschriebene Geschichten zu dem Thema gibt es nicht so viele.

          • Wenn 50 Sandes so viel verkauft, wie andere Bücher in 50 Jahren, kann es der Autorin herzlich egal sein, ob der Roman noch in 20 Jahren verkauft wird. Zumindest mir an ihrer Stelle wäre es das.

            Auch Me-Toos haben ihre Berechtigung. Erstens lesen die Leute sie offensichtlich gerne. Zumindest kaufen sie sie gerne. Und wenn 50 Sandes eines Auflage von 100 Millionen hat und ein Me-Too nur 1% dieser Leser abgreifen kann, dann ist das halt ein irrer Erfolg, von dem man ganz gut eine Weile leben kann.

          • at Petra: Wenn man einen neuen Roman über eine Zauberschule machen will, sollte man einen Aspekt finden, der sich so von den anderen abgrenzt, dass man vernachlässigen kann, dass es wieder um eine Zauberschule geht. Im Grunde genommen musst du die Zauberschule neu erfinden.
            Das gilt auch für Romane über Mafiamorde oder Vatikanthriller.

        • Ich finde, du machst einen Denkfehler, wenn du handwerklich gute Texte und zielgruppenorientierte Texte voneinander trennst. Es gib keine Werbefachleute, die Texte nach Marketinggesichtspunkten durchgehen können, sodass sie automatisch Erfolg haben. Dafür gibt es zu viele Beispiele, bei denen das getan wird, und der Erfolg trotzdem ausbleibt und umgekehrt: Bücher, von denen nie ein Mensch gedacht hätte, dass sie eine große Menge an Lesern ansprechen könnten, verkaufen sich wie warme Semmeln.

          Es ist und bleibt zum großen Teil ein Glücksspiel, ganz gleich, von welcher Seite aus du die Sache angehst.

          Ich würde mich insofern stets darum bemühen, einfach mein Bestes zu geben. Etwas anderes bleibt Autorinnen in meinen Augen nicht übrig.

  4. Ach ja und noch was, ich hab selbst über Schreibforen immer mal wieder über Sachen von anderen Schreiberlingen, die eine Kritik ihrer Produktion haben wollten drübergelesen.

    Und habe mehr als ein mal auf die Anmerkung, „das, das und das geht garnicht“, bei relativ grundlegendem Zeugs wie logischen Fehlern, Rückblenden die aus dem Geschehen reißen, schlecht eingeführten Charakteren, idiotische Militärtaktik/Ausrüstung und Nutzung von Reitpferden zum Transport ausgesprochen pampige Antworten erhalten.

    Also wer eine ernsthaft kritische „Überarbeitungshilfe“ sucht die ein Manuskript gegenliest und auf Probleme filzt, dass die Person evtl nicht aus purem Spaß lesen würde muss damit rechnen, dass diese dann halt auch kritisch ist.

  5. Ach ja nochwas, bei dem writing excuses Tip damit dass die ersten 5 Bücher nur um Üben sind.

    Ich hab auch manchmal den Eindruck, dass Autoren nach 5 Büchern in einen Trott verfallen, in dem sie dann vergammeln und nach Schablone einfach mehr vom Gleichen produzieren. Qualitätssteigerung durch Reife als Schreiber? In vielen Fällen eher nicht.

    Vor allem wenn das ganze dann finanziell lukrativ ist und es deadlines des Verlages gibt lässt die Qualität dann eher wieder nach.

  6. Hallo ihr beiden,
    wieder eine interessante Folge.
    Meine Frage zielt in eine Richtung, die ihr nur am Rande angesprochen habt.
    Inwiefern spielte besonders bei eurem Self-Publishing, das Beauftragen eines privaten Lektorats oder Co-Lektorats eine Rolle? Geht heute „Qualitäts“-Self-Publishing überhaupt noch ohne Lektorat?
    Welche Erfahrungen habt ihr mit den privaten Lektoren gemacht? Was kostet so etwas? Könnt ihr dort jemanden empfehlen? Eine Folge zum Thema Lektorat beim Self-Publishing fände ich klasse.
    Liebe Grüße Tim

    PS.:
    Ein Thema, das ich auch noch sehr interessant fände: wie habt ihr eure tollen Cover hinbekommen?

    • Hi Tim,

      „Benzin – Ein Fall für Julia Wagner“ ist professionell lektoriert worden und ich muss sagen, ich war überrascht. Das Lektorat war unheimlich detailliert und hat mir und dem Buch wahnsinnig geholfen. Allerdings: Ein echtes Lektorat ist nicht billig. Du kannst so um die 7,00 € pro Normseite rechnen (hängt auch vom Aufwand ab). Meine Lektorin war Kerstin Brömer, mit der ich eine sehr, sehr gute Zusammenarbeit hatte und die ich unbedingt empfehlen kann. Allerdings muss man schauen, dass der Lektor / die Lektorin zu dem Buch passt. Cover? Selbst gemacht. Ich kann das nicht guten Gewissens empfehlen. Dazu gehört viel technisches und noch mehr gestalterisches Know-how. Sich mal schnell mit einer Grafiksoftware vertraut machen, ist nicht. Ich weiß nicht, ob ich diesen Weg bei zukünftigen Projekten gehen will.

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