Folge 292 – Was soll ich lesen?

18 Gedanken zu “Folge 292 – Was soll ich lesen?

  1. Als Deutschlehrer ist man ja schon gezwungen, vielfältig zu lesen, deshalb ist Marcus wahrscheinlich ein Sonderfall.

    Ich halte es für verräterisch, dass Axel keine Serienkillerromane mehr lesen kann. Es deutet an, dass der Markt übersättigt ist. Der Gewohnheitsleser greift wahrscheinlich eher zu den Klassikern wie das Schweigen der Lämmer.

      • Schnell gelangweilt? Definitiv, meine Zeit ist mir zu kostbar, um sie an laaangweilige Bücher zu verschwenden. Und ja, ich lese lieber (noch einmal) „Das Schweigen der Lämmer“, das einen psychologisch anspruchsvollen Plot hat, als den hundertsten Serienkiller-Aufguss, der sich ausschließlich durch noch perversere Mordmethoden auszeichnet. Unberechenbar? Ich weiß nicht. Ich erwarte von einem Krimi eine glaubwürdige Story. Ein kleiner Fall ist völlig okay. Es muss nicht Dutzende von grausam entstellten Leichen geben. Der Tod eines einzigen Menschen kann bewegend genug sein – wenn man ein guter Autor ist (-> der neue Michael Connelly: „The Late Show“). Vor allen Dingen stehen für mich aber die Figuren, nicht die Handlung im Vordergrund.

  2. Ich habe heute gehört, dass der eine von euch „Ready Player One“ gerne lesen und sehen würde. Dem kann ich persönlich nur zustimmen. Kleine Anekdote: Vor einigen Monaten haben wir uns beim Mittagessen darüber unterhalten, welchen Film wir auf eine einsame Insel mitnehmen würden. Ich konnte mich erst nicht entscheiden, wählte dann jedoch „Ready Player One“, auch wenn es den damals noch nicht gab … und Wochen später meinte einer der Gesprächspartner … genau: Wird verfilmt. 🙂

  3. Noch was zum Thema X-Genre. Ihr als Thriller Autoren und -Leser habt da vielleicht eher den Überblick: Gibt es einen Mix aus sagen wir mal Crime-Noir/Hardboiled und Terry Pratchett? Ich meine jetzt keinen Thriller auf der Scheibenwelt, sondern eher die Art von Pratchetts Romanen gekreuzt mit dem Thrillergenre.
    Falls es das schon gäbe, würde ich mich da mal gerne einlesen.

    • Meinst du damit einen Roman, in dem ein „ruppiger, schnodderiger Detektiv“ in einer ziemlich absurd angelegten Fantasywelt Kriminalfälle löst?

      Weil Fantasy wo die Geschichte sich um die Auflösung eines im weitesten Sinne kriminellen Plots dreht, mit unter anderem detektivischen Methoden ist nicht so selten. Mir fällt da jetzt auch nix ein, wo das in einem in einem absurden Fantasy-Setting passiert. Das was mir da so über den Weg gelaufen ist war alles „ernstes“ Fantasysetting, aber da es auch nicht so ganz wenig Fantasy gibt, in der das Universum eher absurd und humorlastig angelegt ist müsste Bücher geben, die beides zumindest in Annäherung bedienen. Oder meinst du absurd-humoriges urban fantasy mit Kriminalplot und dem noir-Ermittler?

      Vermutlich hast du da weniger Chancen, etwas in deutscher Sprache finden, da es Unmengen mehr Fantasy in englischer Sprache aber vergleichsweise viel weniger als auf Deutsch.

      Derzeit scheint es bei Fantasy neben tolkineskem High Fantasy, das derzeit den Zenit aber auch schon überschritten hat zwei Trends bei Fantasy für Erwachsene zu geben, die boomen, nämlich grimdark und paranormal romance. (einmal für die Jungs, einmal für die Mädels)

      Ein kleines Bischen in die Richtung, Welt absurd, „noir“ Protagonist löst Fälle könne evtl Andrzey Sapkowski, Der Letzte Wunsch und Das Schwert der Vorsehung sein.
      Das sind übrigens zwei Bücher die ich jedem Freund fantastischer Literatur (der sie noch nicht gelesen hat) einfach nur empfehlen kann. Die sind einfach nur sau-geil!!!!
      Das sind übrigens keine in sich geschlossenen Romane sondern Sammlungen lose verbundener langer Kurzgeschichten, eben die „Fälle“ die Geralt von Riva mit Hirn und Schwert (mehr oder weniger) löst. Das macht auch das Lesen für Leute mit wenig Zeit leichter 😉
      Die Bücher sind auch sprachlich sehr ansprechend, aus dem Polnischen exzellent übersetzt und mal (ähnlich wie zB Stanislav Lem) sowohl vom Feeling als auch wie das Setting gestaltet ist „was ganz anderes“ da der Autor aus dem slavischen Kulturkreis stammt.

      Kriminalfälle lösendes urban fantasy mit absurdem Anklang und „noir“ flair findest du auch bei den „Wächter“ Romanen von Sergej Lukianenko. Da ist auch auf jeden Fall sehr viel (trockener) Humor und nicht verklamaukte Situationskomik vorhanden. Der ist Russe, die Slaven scheinen ein gutes Händchen dafür zu haben, absurde Geschichten trocken-witzig zu erzählen.

      Was wirklich scheibenwelt-klamaukig-absurdes mit einem Noir-Detektiv, um sowas aufzupüren müsste man glatt detektivisch tätig werden 😉

      • Mit den „Wächtern“ bin ich nicht so richtig warm geworden. Ich kann nicht sagen, warum mir seine anderen Bücher besser gefallen haben. Aber den anderen Russen werde ich mir gerne mal näher anschauen, danke für den Tip. Und etwas gutes hat es ja auch, wenn es das noch nicht gibt 😉

        • Andrzej Sapkowski ist auf jeden Fall eine gute Empfehlung. Ich hab erst vor kurzem „Der letzte Wunsch“ gelesen und möchte auf jeden Fall noch mindestens die zweite Kurzgeschichten-Sammlung mit dem Hexer lesen.
          ABER: Ich würde den Stil des Autors schon als „sehr speziell“ beschreiben. Mir hat es gefallen, aber ich habe schon von vielen Leuten gehört, dass sie damit überhaupt nichts anfangen konnten. Unbedingt vorher mal reinlesen und sich selbst ein Bild machen.
          Übrigens: Bei diesen Geschichten handelt es sich um die originalen Kurzgeschichten um den Hexer Gerald von Riva. Viele kennen die Figur (und Motive, Nebenfiguren etc.) heutzutage vermutlich eher aus der unfassbar erfolgreichen Videospiel-Umsetzung „The Witcher“.

          Hast Du von der Scheibenwelt schon alles gelesen? Ich „arbeite“ mich da momentan ein wenig durch und mag vor allem auch die Nachtwachen/Stadtwachen-Romane. Samuel Mumm geht vor allem am Anfang in „Wachen! Wachen!“ meiner Meinung nach noch fast als Noir-Detektiv durch. Und mit „Hohle Köpfe“ hat Pratchett beinahe ein „police procedural“ auf der Scheibenwelt geschrieben. War zwar (bei weitem) nicht mein Lieblings-Scheibendwelt-Roman, ging aber in diese Richtung.

          Und: Anfang des Jahres hatte ich die drei Bände „Jäger des verlorenen Einhorns“ (ältere Übersetzung: „Die Einhornpirsch“), „Mallory und die Nacht der Toten“ und „Mallory und der Taschendrache“ vom amerikanischen Autor Mike Resnick gelesen. Mallory ist ein Privatdetektiv in New York, der dann in ein paralleles New York mit Fantasy-Wesen kommt um dort seltsame Fälle zu lösen – im Grunde rennen die Figuren die meiste Zeit einfach quer durch die Stadt und treffen auf seltsame Zeitgenossen. Urban-Fantasy mit ein paar skurrilen Einfällen. Extreeeem leichte Kost, aber eventuell kannst Du da auch mal reinlesen. Erinnerte mich vom Stil her an die „Dämonen“-Reihe von Robert Asprin.
          Ist halt keine mittelalterliche Fantasy-Welt wie die Scheibenwelt, sondern spielt in der modernen Zeit.

  4. Ich selbst versuche jedes Jahr 52 Bücher zu lesen – jede Woche eins. Ein „Buch“ ist für mich einfach eine Zusammenstellung von Text zwischen zwei Buchdeckeln. Kann also ein Roman, eine Kurzgeschichtensammlung, ein Drama, ein Sachbuch oder sonstwas sein. Die Länge ist dabei auch unerheblich. 1000 Seiten sind ein Buch, 150 Seiten sind auch ein Buch.
    Ich lese eigentlich alles kreuz und quer, Lieblingsgenre habe ich auch keine, Horror und allzu krasse Thriller meide ich aber, weil ich ein Weichei bin.
    Außerdem komme ich selten zu Romantik/Erotik (explizit Erotik eigentlich noch nie) und diese „witzigen“ Mitbring-Bücher (z.B. von Comedians) mag ich auch nicht.

    Dabei möchte ich so ein „System“ nutzen, nach dem ich immer ein Buch lese, dass ich selbst lesen möchte, dann ein Buch, dass mir von meinen Freunden empfohlen wurde, und dann einen „Klassiker“ (=über 100 Jahre alt).
    Funktioniert selten, die meiste Zeit les ich einfach, was ich will. 😉
    (Obwohl ich durch Freunde schon an Paolo Coelho (und von dort zu Hermann Hesse), Jane Austen (sogar auf Englisch(!) und Theodor Fontane gekommen bin – hätte ich mir selbst vermutlich nie ausgesucht. Und jedes Mal konnte ich noch was mitnehmen.)

    Wenn ich dann doch mal nicht weiß was ich lesen soll, geh ich einfach an den Bücherschrank meiner Schwester – da findet sich eigentlich immer irgendwas. 🙂
    (Sie mag alte Abenteuer-Romane, Jules Verne, H.G. Wells und hat die größte Sammlung klassischer Kinderbücher…)

    Die letzten drei Bücher, die ich gelesen habe sind: Faust I (sogar freiwillig…), die Douglas-Adams-Biographie von Neil Gaiman und im Moment die „Johnny-Maxwell“-Trilogie von Terry Pratchett.

      • Danke. Wie gesagt, ich *versuche* es – klappt auch nicht immer.
        Ich mache das seit 2013. 2014 und 2016 hab ich es tatsächlich geschafft und dieses Jahr sieht es auch ganz gut aus.
        52 ist halt ein Durchschnittswert. In manchen Wochen komme ich einfach nicht zum Lesen, das muss dann woanders kompensiert werden.

        Ich bin dann immer deprimiert, wenn ich so Buchblogs anschaue, wo Leute in einem Monat 10 Bücher rezensieren oder so…
        Weil 52 ist bei mir schon so eine echte Obergrenze. Schaff ich meistens nur gerade so.

        Im Nachhinein hat es mich immer geärgert, dass ich in der Schule keinen Deutsch-Leistungskurs gewählt hatte. Jetzt versuch ich halt, mir en passant einen Oberstufenkanon anzulesen. Deswegen auch immer wieder ein „klassisches“ Werk. Gerade Schiller oder Dürrenmatt machen mir sogar Spaß. Bei „Der Schimmelreiter“ oder „Aus dem Leben eines Taugenichts“ musste ich mich dagegen schwer durchbeißen.

        • Ach, überschätze da nicht den Leistungskurs Deutsch. Man kann auch lesen, ohne ihn belegt zu haben 😉

          Ich würde mich von der großen Zahl an Buchrezensionen mancher Blogs nicht einschüchtern lassen. Teilweise betreiben die Buchblogger das ja wenigstens semiprofessionell. Wenn ich am Tag mehr als die durchschnittlich 20 Minuten Zeit zum Lesen habe, schaffe ich halt auch einfach mehr. Hinzu kommt, dass in Buchblogs häufig auch etwas weniger schwere Literatur besprochen wird, als du zu lesen scheinst.

          Dauert halt alles ein wenig länger, wenn man sich durch Bücher auch »durchbeißt«.

  5. Hallo liebe Schreibdilettanten,

    noch drei Folgen von euch bis zum Start des NaNoWriMo!
    Schafft ihr bis dahin noch eine Folge mit praktischen Tipps, wie man den ersten Entwurf möglichst schnell und in einem Guss schreiben kann?
    Ich wäre sehr dankbar :))

    Tobias

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