Folge 306 – Testleser vs. Lektor

10 Gedanken zu “Folge 306 – Testleser vs. Lektor

  1. Ich habe ein Problem mit dem Thema Sicherheit, die gibt es im künstlerischen Bereich sowieso nicht, niemand weiß, ob etwas ein Erfolg wird.

      • Für das Lektorat hat der Verleger oder der Verlag aufzukommen. An eine Verwechslung der Augenfarbe wird kein Vertrag mit einem Verlag scheitern.

        Und die wirklichen Bestseller sind meist die Zitterbücher, wo niemand weiß, ob sie überhaupt ankommen.

        • Da wäre ich mir nicht so sicher. Wenn schon in der Leseprobe einfache Kontinuitätsfehler stecken, muss der Rest des Textes schon extrem gut sein, damit da ein Agent nicht sofort das Ablehnungsschreiben zückt, vermute ich. Aber so genau kann man das leider nicht wissen, da Ablehnungsschreiben in der Regel ja nicht begründet werden.

          Nun ja, es gibt Mega-Bestseller. Die sind manchmal, aber auch nicht immer, unerwartet. Die Bücher von Dan Brown beispielsweise sind aber sehr, sehr routiniert und quasi das Äquivalent auf dem Buchmarkt für den nächsten Superheldenfilm.

          Und dann gibt es da durchaus die Bestseller, die halt nicht ganz so spektakulär sind, aber trotzdem den Verlagen gutes Geld einbringen, weil sie sich für lange Zeit auf den mittleren und unteren Rängen der Top 20 halten. Das sind dann meiner Wahrnehmung nach sehr häufig Serientitel und Meetoos.

  2. Wenn der Fehler so auffällig ist, müsste es auch einen Testleser auffallen. Die Augenfarbe kann man schnell beheben. Ich als Agent würde danach schauen, ob ich glaube, das könnte ein Erfolg werden.

    Es sind häufig Serientitel, kaum echte Metoos. Wenn, dann sind es Selbstkopien. Dan Browns Bücher funktionieren jetzt eher als Serientitel. Sakrileg war damals als Mischung zwischen Thriller und Reiseführer für die meisten, die den ersten Band noch nicht gelesen haben, etwas Neues, dann noch diese interessante Jesustheorie. Dan Brown kann sich selbst kopieren wie er möchte, Langdon ist eine Marke, er ist eine Marke. Ein Neuling würde mit dem gleichen Konzept gnadenlos scheitern.

    • „Wenn der Fehler so auffällig ist, müsste er auch einem Testleser auffallen?“ Ne, ich bin selbst oft genug Testleser und mir fällt so was i. d. R. nicht auf. Anderen Testlesern auch nicht. Und natürlich geht es nicht nur um die Augenfarbe. Das sollte eher ein Beispiel dafür sein, wie sorgfältig und penibel Lektoren arbeiten. Wichtig ist natürlich anderer Kram. Klar, man muss keinen Lektor haben, um einen Text bei einer Agentur einzureichen. Es ist auch nicht üblich. Das heißt aber nicht, dass es nicht vielleicht eine gute Idee wäre. Vielleicht.

      • Dann ist der Fehler nicht auffällig, wenn ihn kaum jemand findet. Solche Fehler durch ein Vorlektorat herauszufiltern, erhöht die Chancen bei der Agentur oder dem Verlag nicht.
        Ja, Lektoren sollten das herausfinden, das ist ihre Aufgabe, aber bitte schön nach dem Vertrag.

        Entscheidend ist, was der Agent für verkaufsträchtig hät, und welche Schule er angehört.

  3. Ich habe als Alphaleser schon für andere Hobbyschreiber Anstreich- und Neuvorschlagsorgien veranstaltet und ich muss sagen, das ist ist interessant aber verdammt anstrengend. Nicht, mal ein, zwei Seiten durchzuarbeiten, aber wenn ich mir vorstellen würde, das den ganzen Tag, jeden Tag zu machen, und dann noch bei Texten, die ich als Leser genremässig so garnicht so interessant finde. Da ist schon Arbeit.

    Ich finde die Idee, den Lektor schon zB in die Plotkonzeptionsphase oder Alphalesephase einzubeziehen ziemlich interessant. Weil die wirklich groben Schnitzer in Plot und Charakterentwicklung kann man doch während des Entstehungsprozesses am einfachsten ausbügeln.

    Die guten alten Kontinuitätsfehler. Charakter wird am Beginn des Buchs beschrieben mit einem militärisch anmutenden Kurzhaarschnitt, in der Mitte des Buchs, nur ein paar Monate später hat der dann lange Haare die er sich zu einem Zopf zusammenbindet. Oder auch Szene in einer dunklen Disco, wo ein Charakter an der Bar mental über die Augenfarbe seiner neuen Eroberung sinniert die er garnicht sehen kann da nur schummerig beleuchtet. Sowas ist ärgerlich, mich schmeißt sowas total aus dem Lesefluss, und ich muss sagen, hab ich nicht so selten in professionell verlegten Büchern gefunden. War da das Lektorat des Verlags Schrott?

    Und wäre es dann nicht sinnvoll als Autor mal erst ein Kapitel zum Lektorat zu geben um zu sehen was der da so findet. Weil wenn das was der Lektor ankreidet einem Muster folgt kann man anhand dieser Info ja auch selbst das Schreiben verbessern.

    Ich hab da zB einen Problemtext um den ich seit Jahren wie die Katze um den heißen Brei rumschleiche und ich habe als relativer Anfänger keine Ahnung, wie ich dieses etwas ungewöhliche Projekt in die Tat umsetzen kann und ob sich diese Geschichte in meinem Kopf überhaupt für eine literarische Umsetzung eignet. Das ist Genre Fantasy ist aber von der Form her eine fiktive Biografie von Kindheit bis Tod, in der es nicht funktioniert, einfach die spannendsten zwei Lebensabschnitte rauszupicken und in zwei Bücher zu packen. Oder evtl doch, aber ich hab es bisher nicht ausgeknobelt, wo da ein guter Einstieg wäre.
    Wäre ein Lektor die passende Person die man auf Stundenhonorarbasis engagieren könnte solche Fragen mit einem durchzugehen und zu beantworten? Oder wer sonst kann da professionell Hilfestellung geben, weil andere reine Amateurschreiber sind für die Beantwortung der Frage einfach ungeeignet. Und wie findet man diese wirklich passende Fachperson für das eigene Projekt?

    • Schau dich einfach mal bei verschiedenen Lektoren um: es gibt da durchaus welche, die Exposés oder Plot beurteilen. Aber natürlich nicht kostenlos. Und ein Erfolg ist auch nicht garantiert. Die Seiten des Lektorenverbands sind da eine Anlaufhilfe.

    • Auch Profis machen Fehler. Ein Roman ist so ein komplexes Ding, dass selbst vielen Augen noch etwas durchrutscht. Das ist doof, aber es passiert. Irgendwo habe ich gelesen, dass auch ein von einem Verlag professionell betreutes Buch bei der Veröffentlichung im Schnitt noch einen Fehler auf vier Seiten hat. Keine Ahnung, ob die Zahl stimmt bzw. wie die ermittelt worden sein soll, aber ich halte sie ehrlich gesagt für realistisch.

      Natürlich kann man ein Buch auch nahezu fehlerfrei produzieren. Nur wäre das dann nicht mehr wirtschaftlich. Es müssten wohl mehrere Lektoren und Korrektoren durchgehen.

      Und dann kommt ja noch hinzu, dass der Fehler auch im Auge des Betrachters liegt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.