Folge 309 – Prämisse (reloaded)

19 Gedanken zu “Folge 309 – Prämisse (reloaded)

    • Es geht auch nicht darum, dass man mit irgendwas was anfangen soll 😉 Man sollte sich nur dran halten. Es ist vielleicht nur ein kleiner Merksatz oder ein Ausdruck, den man auch erstmal selbst kennen muss. Das ist gar nicht immer so einfach, darauf zu kommen. Ich denke niemand fängt ein Buch mit der Frage an, welche Prämisse denn vertreten werden soll.
      Beispiel: Jurassic Park (oder World)
      Die Prämisse ist nicht, dass der Held überlebt, denn der Tod wäre im Prinzip akzeptabel gewesen. Auch nicht, dass Dinos böse sind, denn das ist keine Regel, an die sich jemand bewusst halten könnte. Die Prämisse ist, dass man nicht Gott spielen soll/kann (oder auch: Das Leben findet einen Weg ;))
      Stell dir mal vor, dass irgendein Dino zum Filmende noch in Menschenhand gefangen wäre. Das würde einfach nicht passen.
      Manchmal geht es bei der Prämisse hauptsächlich darum, überhaupt die richtige Prämisse in dem eigenen Werk zu finden.

      • Ich kann damit trotzdem nichts anfangen. Mich nervt, wenn uns wieder ein Animationsfilm erklären will, Freundschaft ist das Allerwichtigste. Erstens braucht man das keinem Kind zu erklären, es denkt instinktiv so. Zweitens ist das Leben komplizierter.

        • Sich der Prämisse seines Buchs bewusst sein, bedeutet ja nicht, dass die Aussage „flach“ oder schon 1000x da sein muss. Eine Prämisse: „Fies zu deinen Mitmenschen sein, bringt dich weiter“ ist völlig okay. Es geht bloß darum, dass du dich auf eine Aussage fokussierst. Genauso, wie ein Buch nur einen (Haupt-) Konflikt haben sollte.

          • Sei fies zu deinen Mitmenschen ist zwar negativ, aber genauso flach. Hier wurde auch noch keine Prämisse benannt, die nicht irgendwie flach wäre. Selbst: Man soll nicht in Gottes Handwerk pfuschen, ist flach. A) muss man da an Gott glauben. B) hat der Mensch es nach kirchlichen Maßstäben schon längst getan und es war nicht nur negativ.
            Um ehrlich zu sein, es wäre auch spannend zu sehen, wenn ein Dino noch in Gefangenschaft befunden hätte.
            Man könnte auch sagen, dass Jurassic Park sich an Wir amüsieren uns zu Tode orientiert.

            Ich habe meine Philosophie.

          • Eine Prämisse ist weder flach noch tiefgründig. Sie ist einfach nur eine Behauptung, die durch die Geschichte beweisen wird. Allenfalls das aus ihr entstandene Werk kann dann so was wie Tiefe besitzen. Die Prämisse ist eben nicht die Botschaft oder das Thema.

          • Wie schon Marcus geschrieben hat: Die Arbeit mit Prämissen ist wertneutral. Das wollte ich mit meinem Beispiel zeigen. PS.: Gerade wollte ich etwas in der Art schreiben: Deine Prämisse kann auch etwas völlig Widersinniges sein, z. B. dass 2+2 = 5. Dann viel mir ein, dass es dazu schon ein Buch gibt 😉

        • Abgesehen davon, dass „mich nervt“ eine sehr subjektive Aussage ist, bist du a) wahrscheinlich auch nicht die Zielgruppe für Kinder-Animationsfilme und b) bedeutet ja die Prämisse keineswegs, dass aus ihr heraus automatisch eine gute Geschichte entsteht.

          • Ich halte es auch nicht für sonderlich klug, die Kinder zu belehren, dass Freundschaften wichtig sind, das wissen Kinder instinktiv auch ohne Belehrung.

  1. Super Beitrag. Die Prämisse ist die Hypothese, die es genauso auch in der Wissenschaft gibt. Zum Beispiel wird ein Forschungsprojekt nie gefördert, wenn ich nicht überzeugend darlegen kann, was ich untersuchen möchte und ich muss zeigen wie ich das untersuchen will. Dazu werde ich keine Versuche gefördert bekommen, die nichts mit dem zu tun haben, was ich eigentlich zeigen will. Ganz logisch. Ohne Prämisse (Hypothese in der Statistik, Wissenschaft).

    • Und Alexander Flemming hätte so das Penicillin nicht entdeckt. Man muss vorbereitet sein für das Überraschende, denn da verbergen sich die größten Entdeckungen.

      • Der Vergleich hinkt. Die Prämisse bedeutet ja nicht, dass man nicht offen für Überraschendes ist. Falls man beim Schreiben merkt, dass es eine andere, bessere Prämisse als die ursprünglich geplante gibt, kann man sie ja ändern und das Manuskript dann entsprechend überarbeiten. NACHDEM überraschend das Penicillin entdeckt worden war, hatte man sich ja auch sehr stringent darum bemüht, es zu verwenden.

  2. Vielen Dank für dieses Video. In meinem Brotjob bin ich Medical Writer und beginne alle Texte mit einer These, die es dann zu belegen gilt.
    Warum habe ich daran gedacht, dass sich diese Methodik auch bei Fiction anwenden lässt. Seit Wochen schlage ich mich mit der Entwicklung meines Plots rum und hatte unterschwellig immer das Gefühl: „Hier fehlt irgendetwas.“ Irgendwie bekam ich meine Geschichte nicht richtig in den Griff. Jetzt weiß ich was es ist: Ich habe mir keine Gedanken über die Prämisse gemacht (bis jetzt). Habe das nun nachgeholt und finde es hilft mir ungemein, sowohl bei der Plotstruktur auch als bei der Charakterentwicklung. Habt Ihr toll und anschaulich erklärt.

      • Ihr helft sehr viel. Bin ein Newbie auf eurer Site (und schaue euch meist über die Youtube App auf meinem TV, mit Tee und einem Lächeln im Gescht).
        Ich mag euren Kanal und würde ihn auch schauen, würde ich selbst nicht schreiben.
        Was mir besonders gefällt ist, dass Ihr auch mit einander diskutiert u. nicht immer 100% einer Meinung seid. Das regt zum Nachdenken an. Sehr sehr guter und bodenständiger Kanal. Vielen Dank für all die Mühe, die Ihr Euch macht.

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