Folge 316 – Das Geschlecht meines Protagonisten

12 Gedanken zu “Folge 316 – Das Geschlecht meines Protagonisten

  1. Ich halte es für schwer, aus der Perspektive des anderen Geschlecht zu schreiben.
    Bei Biografie von Schauspieler aufpassen, die haben wie alle eine berufliche Deformation, manche Eigenschaften sind bei ihnen berufsbedingt überproportional ausgeprägt. Ansonsten helfen gute Bücher und Zeitungsartikel über Psychologie.

    • Ich bin der letzte, der davon abraten würde, sich über Psychologie zu informieren. Aber ich finde es nicht gut, sozusagen nur theoretisch an das Thema ranzugehen. Das Lesen von Biografien oder Autobiografien hat den Vorteil, dass man sozusagen in den Stiefeln eines anderen Menschen laufen kann.

  2. Interessante Vorschläge habt ihr da 🙂
    Ich hatte erst 3 männliche Protagonisten (=Perspektivfiguren), dann hab ich einen weiblich gemacht. Einfach, damit auch die Leserinnen eine direkte Bezugsperson haben. Die bekommt auch das erste Kapitel. Das Umschreiben war schon relativ aufwendig, aber ich denke, dass sich das gelohnt hat.

  3. Den Rat, um den eigenen Figuren mehr „authentische Charakteristiken“ zu geben dann mehr verschiedene Bücher zu lesen finde ich jetzt nicht soo hilfreich.

    Weil, Figuren in Büchern sind ja immer ein völlig subjektiver Abklatsch von Realität aus dem Kopf eines Autors. Wenn man interessante Figuren schreiben will sollte man meiner Meinung nach interessante Menschen mit vielfältigen Biografien und Charakteren im realen Leben kennenlernen. Um sich dann bei realen Menschen Anregungen zu holen.

    Holt man sich die Anregungen bei anderen literarischen Figuren macht man den Abklatsch vom Abklatsch. Eine authentisch wirkende literarische „Person“ wird da nicht draus.

    Ein ähnliches Problem stellt sich für mich, wenn ich Charaktere schreiben will, die eine ganz andere Bildung haben wie ich oder aus einer völlig anderen sozialen Schicht stammen.

    • Was ich damit sagen will, wenn es nur ein Nebencharakter mit völlig anderem Hintergrund als ich selbst ist, dann ist das noch gut zu bewältigen, aber sobald man aus der Sicht eines Charakters schreibt muss man ja auf dessen mentale Prozesse die er erlebt eingehen, und da unterscheiden sich der hochbegabte Universitätsprofessor, der in der Unterschicht aufgewachsene Jugendliche, der schwule Schauspieler oder die depressive, im Leben gescheiterte Hausfrau ggf so von dem was ich aus eigenem Erleben kenne, dass es für eine Person die tatsächlich diesem Kreis angehört völlig offensichtlich wird, dass die Figur nicht „echt“ rüberkommt.

      Da geht es weniger um Mann oder Frau, da geht es doch darum, ob der Charakter wie eine authentische Person wirkt. Klar kann man einen Mann oder eine Frau auch als wandelndes Klischee anlegen, wo dann klar ist, männlich oder weiblich mit ständigen Machosprüchen und Männerhobbies oder Zickerei und Shoppen. Oder dann eben als wandelndes Stereotyp, Lara Croft oder Harry Potter.

      Da geht es meiner Meinung nach weniger um männlich vs weiblich, sondern eher um kommt als realistische, individuelle Persönlichkeit rüber vs wandelndes Klischee.

      Und ich finde Mann/Frau beim Charakter nur bedingt austauschbar, da sie sich doch in ihrem Herangehen an Dinge sehr stark unterscheiden und auch die Reaktion der sozialen Umgebung auf Männer und Frauen sehr unterschiedlich ist.

      Ich hab bei männlich/weiblich schreiben den Vorteil, dass ich gender-fluid bin und obwohl Frau von der mentalen Verfassung her fast mehr männliche als weibliche Eigenschaften habe (habe fast immer lieber mit Männern zusammengearbeitet als mit Frauen) und es mir daher nicht schwerfällt mich in einen männlichen Charakter reinzuversetzen.
      Ich hatte mal in einem Text einen gescheiterten Physiker und dann Wissenschaftsjournalisten mit leichtem Alkoholproblem und ernsteren Beziehungsproblemen als Protagonisten benötigt (ein Science Fiction Schreibprojekt mit Zeitreise- und Alienplot) und den habe ich nicht zufriedenstellend realistisch hinbekommen, nicht weil er ein Mann ist sondern wegen der Bildungskarriere.

      • Harry Potter ist kein Klischee.

        Bei manchen Sachen braucht man etwas länger, um sie zu gestalten. Bei einem Physiker bleibt es nicht aus, dass man ein paar Grundkenntnisse in Sachen Physik braucht, vielleicht auch etwas von dem speziellen Humor, den Physiker haben.

    • Das ist ein bisschen die Frage, welches Kunstverständnis du hast. Was du als Abklatsch bezeichnest ist für mich die ästhetische Gestaltung. Und obwohl ich mich nicht gegen Erfahrungen in der realen Welt sperren möchte, halte ich es auch für wichtig, verschiedene Wege der ästhetischen Gestaltung kennenzulernen.

      Ein weiterer Vorteil von den Romanvorlagen: Hier kann ich am Innenleben der Figuren teilhaben. Im realen Leben ist das nicht so ohne Weiteres möglich.

  4. Hallo,
    ich hätte das mal eine Frage.
    Wie geht man am besten an die Entwicklung einer Verschwörung, eines Komplottes oder einer ausweglosen Situation ran. So, das der Leser nicht gleich auf die Lösung kommt. Wenn ich mir was überlege, dann ist das immer total vorhersehbar.
    Vielleicht könnt ihr ja mal einen kleinen Plot machen, oder gab es da schonmal was?

    Vielen dank, und btw. eine coole Videoreihe.

    • Keine schlechte Frage. Ich setze das mal auf die Liste unserer Folgenthemen. Vorab nur so viel: Zunächst einmal arbeite ich lange am Plot hinter dem Plot, bis ich überhaupt mit dem eigentlichen Plot anfange. Dann sitze ich wiederum eine Weile daran, diesen zu schreiben und auch zu entscheiden, wer was wann wie enthüllt. Das ist einfach sehr viel Puzzlearbeit.

      Was mir beim Schreiben immer hilft: Ich stelle mir dann immer vor, dass die Leute, die gerade Lügen, um die wahren Hintergründe zu verbergen, die Wahrheit sagen.

      Vielen Dank fürs Zuschauen, Jörg.

      • Hallo,

        vielen Dank für die Antwort.
        Ich hab bisher immer gedacht es gibt nur einen Plot. Hab ich irgendwie nicht weit genug gedacht.
        Kann man auch z.B. sagen, das es einen Autorenplot gibt, also so etwas wie einen allwissenden Plot, und dann so etwas wie einen Leserplot, in dem halt nicht alle Details bekannt sind?
        Man muss eben aufpassen, das man dann nicht beim Auflösen von Rätseln den weißen Hasen aus dem Zylinder zieht, das hab ich ja schon gelernt 😉

        Wenn ihr darüber mal eine Folge macht, wäre sicher „Des Rätsels Lösung“ ein guter Titel.

        Lieben Gruß
        Jörg

        • Wie bereits gesagt: Es gibt den Plot und den Plot hinter dem Plot. Man könnte auch sagen, die Hintergrundgeschichte. Also: Was geschieht eigentlich alles – und was bekommt der Leser davon zu sehen? Dabei können einen die Fragen leiten: Was MUSS der Leser unbedingt sehen – und was sollte ich ihm unbedingt vorenthalten, damit der Plot spannend bleibt?

          Mir ist nicht ganz klar, was du mit »Des Rätsels Lösung« meinst.

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