Folge 317 – Bin ich zu jung oder zu alt zum Schreiben?

9 Gedanken zu “Folge 317 – Bin ich zu jung oder zu alt zum Schreiben?

  1. Wie immer sehr schön … und unterhaltsam. Ich muss aber dennoch mit ein paar lästigen Fakten nachhaken:
    • Nicht jeder über 50 stellt sich abgeratzt und ohne Zähne beim Verlag vor. Im Gegenteil, in diesem Alter erwartet man eher ein distinguiertes und eloquentes Auftreten. So einer wird nicht mehr so leicht über den Tisch gezogen, wie man das mit kleinen Mädchen machen kann … Möglicherweise ist das ein Grund, weshalb sich mancher Verlag ziert.
    • Ich habe alle Kleinen-Mädchen- und Junge-Frauen-Romane der Spiegel-Bestsellerlisten gelesen und fand die … nun ja … nett. (Inkl. Axolotl Roadkill) Und zwar durch die Bank. Da war nichts dabei, was mich auch nur 1mm angehoben hätte. Ich finde die Analogie zu den Boy- und Girlgroups durchaus passend. Das soll nicht heißen, dass es in dieser Altersgruppe nicht wirklich Gutes gäbe – gibt es. Ich hab letztens bei „Rostock schreibt“ AutorInnen gehört, da überdenkt man ganz schnell sein eigenes Talent – angesichts jener Begabungen.
    • Das geschäftliche Inkognito: Wenn man in der Branche nicht gerade einen großen Namen hat, macht man mit Heft-Romanen die meiste Kohle – isso. Diese Schreiber sind überwiegend +50 und männlich. Es ist also keineswegs so, dass das Inkognito stören würde. Einer der größten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts war B.Traven (*1882), von dem man erst seit 2012 Jahren weiß, dass es sich (wahrscheinlich) um Otto Feige/ Ret Marut handelt. Das Superinkognito Traven hat noch im Alter von +80 munter veröffentlicht und Filmlizenzen erteilt. Sogar noch über seinen Tod (1969) hinaus, da seine Frau – gerade wegen des Inkognitos – den Laden einfach weiterlaufen lassen konnte.

    Was ich sagen will, will man unter eigenem Namen veröffentlichen, dann gilt: Je besser und einmaliger die Geschichte ist, desto unwichtiger werden Alter und Geschlecht. Der Umkehrschluss funktioniert leider auch, je seichter und austauschbarer eine Geschichte, desto mehr kommt es auf das Drumherum und Gossip an.

    So weit … und schoene Gruesse aus Asien

    • Du hast vollkommen recht: Der Heftromanbereich funktioniert noch einmal vollkommen anders. Aber da wir so gut wie nie auf Heftromane eingehen, haben wir das auch hier nicht getan. Vielleicht sollten wir das in Zukunft einfach mal häufiger tun.

      Was die Romane junger Frauen angeht: Nun ja. Wahrscheinlich haben sie dich auch nicht so vom Hocker gerissen, weil du einfach nicht die Zielgruppe bist. Ich beobachte das gerade auf Messen, dass junge Autorinnen vor allem gerne von jungen Frauen oder Mädchen gelesen werden. Die scheinen nach meinen Beobachtungen eine wichtige Zielgruppe zu sein, weil sie gut zu mobilisieren sind. Sie sind diejenigen, die im Netz aktiv sind, dort via YouTube und anderer Kanäle Bücher bewerben und verbreiten, auf den Messen Autogramme jagen, sich dort treffen usw.

      Ich kenne keine andere Zielgruppe, die so eine massive Außenwirkung erzielt. Das ist für Verlage natürlich sehr interessant.

      • Wenn man sich die verfügbaren Zahlen dazu anschaut (B4P) findet man tatsächlich überproportional viele Leser in der jungen Zielgruppe (U30) und dann wieder auf der anderen Seite des Vollzeitarbeitslebens (60+).
        Dazu muss man beachten, dass die junge Zielgruppe in absoluten Zahlen die kleinste ist und auch ihr Anteil an den Buchkäufern (Aktuelle GfK-Studie) eher klein ist.
        Allerdings ist es, wie du sagst, die lauteste Zielgruppe und verstärkt die Marketingaktvitäten des Verlages – nicht nur innerhalb ihrer Gruppe, sondern auch im Hinblick auf Erwachsene, die Jugendliche beschenken wollen.

        Letztlich ist diese Autorinnen/Zielgruppen-Frage aber ja genau die, die Kaja zu ihrem Kommentar brachte: ich vermute, dass es auf die Themen ankommt, die ein Autor verhandelt. Unsere Gesellschaft ist noch nicht so weit differenziert, dass es gar keinen Zusammenhang mehr zwischen Alter und Alltagserfahrung gibt, d.h. wenn ein jugendlicher Autor einen Roman schreibt, decken sich seine Ideen von „Selbstständig leben“ oder „in einer langjährgen Partnerschaft sein“ möglicherweise nicht mit den Erfahrungen der älteren Leser.

        Der Vollständigkeit halber: so eine Distanz zwischen Autor und Leser kann natürlich auch einfach aus weltanschaulichen Differenzen heraus entstehen, die in keinem Zusammenhang mit dem Alter stehen.

      • Lass dich von Youtube und Messen nicht blenden! Auf der Bestsellerliste sind die meisten weitaus älter. Boygroups und Girlgroups lösen zwar den meisten Kreischalarm aus, aber Leute wie Herbert Grönemeyer, Andrea Berg, Helene Fischer, Sarah Connor und Pur verkaufen deutlich mehr Alben, ich habe nur ein paar deutsche Künstler aufgezählt.

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