Folge 6 – Recherche

Marcus Johanus und Axel Hollmann sind die Schreibdilettanten. In der 6. Folge geht es um  Recherche für Romanautoren. Wie viel muss man recherchieren? Was muss man recherchieren? Welche unterschiedlichen Möglichkeiten der Recherche gibt es, welche Fehler können einem unterlaufen und wie findet man den Recherchestil, der zu einem passt?

Der Wochentipp:  Das Schreibprogramm “Scrivener” von Literature & Latte

Links zur Folge

21 Gedanken zu “Folge 6 – Recherche

  1. Und diesmal hat die pünktliche Veröffentlichung bei iTunes geklappt. Yeah! Wer es noch nicht hat: Man kann dort auch ein Abo einrichten, um jede Woche die neue Folge der SchreibDilettanten zu bekommen.

  2. Hallo Marcus und Axel,

    es war wieder mal vergnüglich, euch zuzuhören, auch wenn die Audioqualität noch immer verbesserungsfähig ist ;)
    Was das eigentliche Thema angeht, so würde ich mich dem Tenor anschließen: zu jeder Zeit nur so viel Recherche wie nötig. Am Anfang also nur so viel, um die Geschichte zum Funktionieren zu bringen. Wenn man dann erst einmal eine funktionierende Geschichte hat, dann ist immer noch Zeit für die Details, die aus einer funktionierenden Geschichte eine runde Geschichte machen. Zumindest ist das meine derzeitige Meinung mit der eingeschränkten Schreiberfahrung aus ein paar Kurzgeschichten. Für ein Romanprojekt würde ich es aber qualitativ vermutlich ähnlich angehen. Nur dass da vermutlich quantitativ mehr Recherche nötig ist, um überhaupt eine funktionierende Geschichte zu haben. Einfach, weil die Geschichte ja deutlich länger ist.
    Das eigentlich wertvolle war aber der Hinweis auf die Windows-Version von Scrivener. Ich hatte von dem Programm schon des öfteren gehört, mich aber in Ermangelung eines Macs nie damit beschäftigt. Als ich jetzt einen genaueren Blick darauf warf, stellte ich fest, dass es sogar eine Linux-Beta gibt. Somit hat das Programm das Potential, FocusWriter in meiner gemischten Windows-/Linux-Schreibumgebung abzulösen. Ich werde das mal testen.
    Vielen Dank für Podcast und Wochentipp
    Merlin.

    • Hi, Merlin,

      danke für den netten Kommentar. Viel Spaß mit Scrivener, ich entdecke in dem Programm immer noch neues (z. B. “Collections”). Die Audioqualität wird in späteren Folgen besser, aber wir mussten ziemlich mit der Technik kämpfen. Frohe Ostern,

      Axel :-)

  3. Ich fürchte, die Menge an Recherche ist gar nicht so sehr von der Länge des Projekts abhängig, sondern von der Thematik und den individuellen Voraussetzungen. Deswegen bin ich ja der Überzeugung, dass man sich sehr, sehr gut überlegen muss, worüber man schreibt. Spätestens, wenn die Recherche mehr Zeit in Anspruch nimmt, als der eigentliche Schreibprozess, überlege ich mir zumindest, ob ich nicht doch lieber was anderes schreiben sollte.

    LG

    Marcus

    • Jein, würde ich spontan sagen.
      Wenn ich über etwas schreibe, was ich kenne, somit den Rechercheaufwand prinzipiell gering halte, dann sollte ich (oder muss sogar) bei einer Kurzgeschichte auch bei dem Thema bleiben. Meistens habe ich auch nur eine Hauptfigur, eventuell auch nur einen Schauplatz etc.
      Bei einem Roman komme ich damit nicht aus: ich brauche weitere Figuren, weitere Schauplätze, eventuell Nebenhandlungen. Allein um die alle glaubhaft und abwechslungsreich zu gestalten, würde ich für einen Roman einen höheren Rechercheaufwand erwarten.

      • Klar,
        bei einem Roman kann der Rechercheaufwand ausarten. Sitze vor jedem Projekt etwa einen Monat (allerdings inkl. Stufendiagramm etc.) – habe allerdings auch bei einem Mittelalter-Horror-Fantasy Projekt nicht länger gebraucht. Schreiben dauert dann allerdings (inkl. Überarbeitung) deutlch länger. Insgesamt ist aber die Gefahr wirklich groß, dass man sich in der Recherche verliert. Man kann jeden Mist recherchieren, aber muss man wirklich wissen, ob es im Mittelalter Knöpfe gab (nein, gibt es nicht. Hat Mich bestimmt einen Schreibtag gekostet – die Info war später völlig wertlos). Zur Not: Erstmal losschreiben und später nachrecherchieren.

        Axel :-)

  4. Pingback: Wieso ich lieber schnell schreibe als gut | Marcus Johanus' Blog

  5. Hallo ihr beiden,

    das Wichtigste vorab: vielen Dank für eure wunderbaren Podcasts! Seit ich sie entdeckt habe, sind sie eine hilfreiche wie unterhaltsame Bereicherung für meine Schreibarbeit! Ihr bringt viele Dinge auf den Punkt, die ich erst durch Ausprobieren und Ausdauer erlernt habe. Hab euch auch gleich fleißig an Freunde weiterempfohlen, die sich mit zaghaften Schritten dem Schreiben annähern wollen.

    Das Thema Recherche fand ich persönlich sehr spannend. Es ist eine meiner Lieblingsarbeiten, wenn es um ein Projekt geht. Aber wie ihr so schön im Podcast angesprochen habt: man kann sich schnell darin verlieren.

    Daher eine Frage: habt ihr eigentlich darüber nachgedacht, eine Folge über die World Builder’s Disease zu machen? Ich leide nämlich nicht nur selber daran, vielen meiner Schreibpartner geht es ähnlich. Und meist geht das mit dem Thema Recherche doch Hand in Hand: Man liest sich in ein Thema ein und will es in allen Einzelheiten durchdringen, weil sich immer wieder Details ergeben, die man gerne irgendwie sinnvoll in seiner Geschichte verbauen will.

    So oder so: Macht weiter so! :D

    LG,
    Katharina

  6. Hallo, Katharina,

    vielen Dank für den netten Kommentar. Besonders gefreut habe ich mich über deine Anregung zu kommenden Folgen. Gerade gestern Nachmittag, als wir die Folgen 19-21 aufgenommen haben (wir arbeiten mit einem gewissen Vorlauf) haben wir uns darüber unterhalten, dass Feedback unserer Hörer hinsichtlich kommender Thema klasse wäre. Wie gesagt, wir haben einen gewissen Vorlauf, deshalb können wir deinen Vorschlag noch nicht gleich aufgreifen, werde aber mal gleich Marcus mailen, was er davon hält. Vorab mein Tipp zur “World Builder’s Disease”: Vor 6 Jahren (wie die Zeit vergeht) sollte mein erstes Romanprojekt zur Zeit der Kreuzzüge spielen – ich habe bestimmt einen Meter Bücher durchgearbeitet und kaum ein Wort geschrieben. Irgendwann habe ich dann dazu gekommen, am Tag höchsten die Hälfte meiner Zeit mit Recherche und die andere Hälfte mit dem Schreiben zu verbringen (auch wenn es nur kurze Szenen oder was-weiß-ich war). Das hilft…

    Axel :-)

    • Kaum hatte ich den Kommentar fertig, ist es mir eingefallen: Wir haben ja eine Folge zum Thema Worldbuilding (und da kommt das Thema World Builder’s Disease auch vor). Dauert noch ein bisschen, bis sie veröffentlicht wird. Ich will nicht zuviel verraten, aber sie kommt nach Folge 17 und vor Folge 19 ;-) Falls es dann noch etwas gibt, worauf wir eingehen sollten, nur zu. Wie gesagt, wir freuen uns sehr über Anregungen etc.

      Liebe Grüße,

      Axel :-)

      • Ach, das klingt ja absolut fantastisch! :) Dann freue ich mich schon auf besagte Folge zwischen 17 und 19. Wie bereits gesagt, man gewinnt bei euch immer neue Einsichten, auch wenn man schon viel ausprobiert hat.

        Ich sollte mir ein Beispiel an dir nehmen! Was die Recherche angeht, komme ich mir schnell vor wie Indiana Jones: ich grabe und grabe und grabe. Nur leider ohne zum Punkt zu kommen. Gleiches gilt auch fürs Worldbuilding und die Charakterentwicklung. Aber vielleicht leide ich auch einfach an einem schlimmen Fall von Aufschieberitis und will mich nur vorm Schreiben drücken. ;)

        • Apropos, wann darf man Folge 13 bei iTunes erwarten? Ich höre mir eure Podcasts sehr gern beim abendlichen Spaziergang um die Hamburger Alster an und brauche Nachschub ;)

          • Argh! Ich habe Mist gebaut. Hatte vergessen, den richtigen Button zu drücken. JETZT ist Folge 13 auf unserem Blog online. Bei iTunes wahrscheinlich erst ab morgen. Sorry! Einzige Entschuldigung: Bin noch krank ;-)

            Axel :-)

        • Tja,
          ich glaube, du hast dich selbst gut analysiert – aber keine Sorge, das ist ein ganz typische Problem, mit dem du nicht alleine bist. Was schreibst du denn für einen Roman? Ist die Recherche für die Handlung WIRKLICH wichtig? Oft recherchiert man eine Menge Kram, den man nie braucht. Genauso ist es mit den Figuren. Nachdem ich mein aktuelles Projekt gerade abgeschlossen habe (Yeah, 7. Überarbeitung beendet und alles in die Welt hinaus geschickt!), bin ich in diesem Moment dabei, die alten Dateien für mein neues Projekt noch einmal durchzugehen. Mann, was ich da alles für meine Figuren geschrieben habe (liest man auch in sämtlichen Schreibbüchern) – und alles nie verwendet habe! Klar, man sollte eine gute Vorstellung haben, die bekommt man aber nicht, indem man 20.000 Fakten aufschreibt. Besser einfach mal eine Probeszene mit den Figuren schreiben (eine tolle Übung, echt!), in der diese möglichst viel von ihren Eigenarten zeigen sollen. Da kommt man auch gleich ins Schreiben… Versuch einfach mal was zu schreiben. Es muss nicht toll sein, wirklich nicht. Versuch übers Wochenende ein paar Seiten mit deinen Figuren vor deinem Hintergrund zu füllen – egal wie. Dann setzt dich ans Stufendiagramm (google mal: “Dan Wells on story structure” tolle Videos auf Youtube. Marcus hatte dazu auch einmal einen Artikel auf seinem Blog – glaube ich. Finde ich jetzt aber nicht) und wenn du den Plot hast – los geht’s. Wenn du während des Schreibens merkst, dass noch was fehlt, schreib weiter. Bis du einmal durch bist. Der erste Entwurf ist eh Mist. Immer. Bei jedem.

          • Erstmal danke, Axel! Ich glaube, ich werde den Plot man entlang dieses 7-Punkte-Plans abklopfen. Denn um deine Frage zu beantworten: ich arbeite an einem Fantasy-Roman, der mittlerweile tolkiensche Ausmaße angenommen hat. Nach dem First Draft, das beim NaNoWriMo 2008 entstanden ist, viel mir auf, dass viele Figuren wichtig, allerdings sehr “blutleer” sind. Und ihre einzelnen Geschichten waren mal mehr, mal weniger logisch miteinander verknüpft. Also habe ich das Projekt knapp 2 Jahre ruhen lassen, um es dann neu aufzusetzen. Man könnte quasi sagen, dass der NaNoWriMo eine 50.000 Worte lange Testszene für die Charaktere war. ;)

            Nächster Schritt war also zurück ans Reißbrett, neuer Plot, bessere Figuren. Das Problem mit der Recherche hierbei ist: sie ist oftmals mein Ideengeber. Da ich mich mit mthologischem Stoff auseinandersetze, kann man aus den bestehenden Legenden quasi sein persönliches “Best Of” aus Figuren, Ereignissen, Gegenständen und, und, und zusammenstricken. Und so baut ewig an seinem persönlichen Mittelerde ;)

            Ihr seht wahrscheinlich, warum ich auf das Thema World Builder’s Disease kam ;)

            Aber genug von mir! Werde jetzt erstmal zu Youtube hinüber surfen und mir das empfohlene Video ansehen. Und wenn mir noch das ein oder andere Thema für euch einfällt, lass ich es euch natürlich wissen.

            LG

  7. So, Marcus hier. Was man alles verpasst, wenn man mal für ein paar Stunden nicht online ist … Natürlich machen wir gerne eine Folge zur Worldbuilder’s Desease und dazu, wie man aus der Recherche wieder rauskommt, bzw. seine Aufschieberitis bekämpft. Das Thema spukte mir sowieso schon im Hinterkopf herum.

    Aber, Katharina – und auch alle anderen interessierten Hörer -, welche Fragen gilt es denn genau zu klären, bevor wir an euren Bedürfnissen vorbei casten?

    • Hi Marcus! Ach, Prokrastination ist ja ohnehin ein ganz großes Thema an sich. Ich suche seit Jahren eine Möglichkeit, mit ihr umzugehen.

      Was genau zu klären wäre? Meinst du im Bezug aufs Worldbuilding? Mich würde da ja interessieren, wann man z.B. bei einem Fantasy-Roman genug an der neuen, fiktiven Welt gebastelt hat. Wann hat sie genug Details, um lebendig zu wirken? Wie viele Charaktere braucht es dazu beispielsweise? Sieht man sich Beispiele wie Mittelerde oder Aventurien an, kann man ja ewig weitermachen ;)

      LG

      • Es gibt keinen Punkt, an dem man bei der Recherche oder beim World Building “genug” gemacht hat. Das ist ja das Problem. Tolkien hat Jahrzehnte an seiner Mittelerde gebastelt, DSA ist ebenfalls durch jahrzehntelange Arbeit dutzender Autoren entstanden. Und zumindest im Falle von Aventurien entwickeln die Leute ja immer noch weiter.

        Meiner Meinung nach gibt es keine andere Lösung als diese: Hör einfach auf mit dem Worldbuilding und der Figurenentwicklung und schreibe. Besser noch (falls du es nicht getan hast), plotte und schreibe dann. Was dir an Worldbuilding und Figurenentwicklung fehlt, kannst du nebenbei machen und zwar immer punktuell dort, wo es dir gerade fehlt.

        Wenn du dann irgendwann deinen ersten Entwurf fertig hast und die ersten Testleser Lücken in der Welt finden, dann kannst du immer noch zum Worldbuildung und zu den Figuren zurückkehren (und du wirst es so oder so müssen, ganz gleich, wie viel Mühe du dir vor dem Schreiben deines ersten Entwurfs gegeben hast).

        Viel Erfolg, bleib dran!

  8. Pingback: Interview: Richard Dübell | Die SchreibDilettanten

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


fünf + = acht

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>