Folge 62 – Entdeckendes Schreiben

Gärtner und Architekten, Planer und Entdecker, Discovery Writer und Outliner … Alles Begriffe, mit denen wir gerne um uns schmeißen und von denen du dich vielleicht schon mal gefragt hast, was sie denn eigentlich bedeuten mögen.

Was entdeckendes Schreiben ist und ob du es vielleicht sogar schon praktizierst, verraten wir dir in dieser Folge.

Wochentipp: Lovelybooks

Folge 60 – Die Alter-Ego-Falle

Ist der Autor der Held seines Romans? Ja und nein. Einerseits wird es schwierig, eine Figur zu schreiben, in der nichts von der eigenen Persönlichkeit steckt. Andererseits kann mangelnde Distanz des Autors zu seiner Hauptfigur dazu führen, dass der Text eher zu einer Nabelschau oder zum Selbsthilfeinstrument des Schriftstellers, nicht aber zu einer spannenden Lektüre für seine Leser, wird.

Wie kann es gelingen, diesen Balanceakt zu meistern? Wann lege ich zu viel und wann zu wenig meiner Persönlichkeit in meine Hauptfigur? Wie entkomme ich der Alter-Ego-Falle?

Wochentipp: Geek Magazine

Folge 57 – Show Don’t Tell

Show Don’t Tell – ein weiterer Klassiker der dramatischen Schreibschule, wieder ein Anglizismus, der dringend erklärt werden muss. Zeigen statt erzählen – wozu das? Sind Geschichten denn keine Erzählungen? Warum ist es besser zu zeigen statt zu erzählen und wann sollte man vielleicht doch lieber erzählen statt zu zeigen? Verwirrt? Mit Recht! Entwirrungen liefert diese Folge.

Wochentipp: The Writing Magazine

Links zur Folge:

http://terribleminds.com/ramble/2012/04/11/a-long-look-at-show-dont-tell/ 

Folge 56 – Try/Fail Cycles

“Try” und “Fail”, Versuch und Scheitern. Dass es Spaß macht, dem Helden im Roman bei seinen Siegen zu erleben, liegt auf der Hand. Doch warum ist es wichtig, dass er scheitert? Und wie scheitert der Held im Roman “richtig”, also so, dass es spannend für den Leser wird?

Der Wochentipp: “Der kleine Hobbit” von J. R. R. Tolkien

Folge 51 – Figuren der Heldenreise

In Folge 47 haben wir uns bereits mit der sogenannten “Heldenreise” beschäftigt. Dabei konnte wir das umfangreiche Thema allerdings nur streifen. Deshalb beschäftigen wir uns in dieser Ausgabe noch einmal ausführlich mit den verschiedenen Figuren, die dem Helden auf seiner Reise begegnen, die zu seiner Entwicklung beitragen und/oder ihm kräftig im Weg stehen.

Wochentipp:

  • “Todesermittlung – Bestandsaufnahme & Spurensicherung” von Martin Grassberger und Harald Schmid

Links zur Folge:

Folge 48 – Leben und Tod im Roman

Wie geht man als Autor im Roman mit dem Sterben um? Wann ist es sinnvoll, eine Figur, vielleicht sogar eine Hauptfigur, zu töten und wann nicht? Werden die SchreibDilettanten diese Folge überleben? Finde es heraus…

Wochentipp: Der Psychothriller “Schnitt” von Marc Raabe

Folge 47 – Heldenreise

Diese Woche geht es in unserem Podcast um die sogenannte “Heldenreise”, eine Art des Storytellings, die sich durch viele Geschichten unterschiedlichster Kulturen zieht – von der “Odyssee” bis zu “Star Wars. Was genau ist die Heldenreise und wie nutzt man sie, um einen spannenden Roman zu schreiben?

Wochentipp: Rooky Blue

Link zur Folge:

Folge 44 – Romanenden

Das Ende eines Romans ist einer der wichtigsten, vielleicht der wichtigste Punkt der Handlung. Wieso das so ist und wie man dem auch gerecht wird, verraten, bzw. spekulieren wir in dieser Folge.

Wochentipp: Ender’s Game als Hörbuch

Links zur Folge: 

Folge 39 – Dialoge

Dialoge sind Dreh- und Angelpunkt eines spannenden Romans. Sie erfüllen viele Funktionen und sind anspruchsvoller, als es auf den ersten Blick scheint. Aber zum Glück verraten wir in dieser Folge haufenweise schmutzige Tricks, wie jeder Dialoge perfekt meistern kann.

Wochentipp: Orson Scott Cards “How to Write Science Fiction and Fantasy”

Links zur Folge:

  • Es gibt viele gute Dialogschreiber, in der Folge erwähnt Marcus aber Gregory McDonald, den jeder Krimi-Autor ohnehin mal gelesen haben sollte.

NaNoWriMo 2012: Die Mitte

Auch wenn Axel nicht darüber reden will, es gibt ihn: den Hänger in der Mitte. Marcus lässt sich auch nicht davon abhalten, über ihn zu reden – und noch über die eine oder andere Kleinigkeit, die es kurz nach der Mitte eines Monats voll mit Schreibaktivitäten zu besprechen gibt.

Wie in allen Specials berichten wir, wie es uns bisher im NaNoWriMo ergangen ist und wie es bei uns weitergeht. Lass dich von uns ermutigen, motivieren oder loben, je nach dem, an welchem Punkt du zur Zeit mit deinem eigenen Projekt stehst.

Links zur Folge:

Da wir es erwähnt haben, hier die Links zu Jim Butchers Livejournal-Artikel übers Schreiben. Sehr empfehlenswert, wenn ihr uns fragt. Natürlich alles auf Englisch, aber wer in der Schule ein bisschen aufgepasst hat, dann müsste das eigentlich zu schaffen sein.

Interview: Thomas Finn

Foto: Florian Lacina

Fantasy- und Horror-Autor Thomas Finn stellte sich unseren Fragen auf der Frankfurter Buchmesse 2012. Lerne Thomas kennen, erfahre, was und wie er schreibt und erhalte dabei wertvolle Tipps und Tricks von einem professionellen und erfolgreichen Autor.

Interview: Christoph Hardebusch

Christoph Hardebusch © Casjen Klosterhuis www.casjen-klosterhuis.de

© Casjen Klosterhuis www.casjen-klosterhuis.de

Der erste Streich in unserer Reihe mit Interviews, die wir auf der Frankfurter Buchmesse 2012 führen durften. Diesmal lief uns Christoph Hardebusch vor das Mikro, bekannt durch seine Fantasy-Romane um Die Trolle.

Christoph Hardebusch verrät uns nicht nur Einiges über seine Arbeitsweise und seinen Alltag als Romanautor, er gibt uns sogar exklusiv einen kleinen Einblick in zukünftige Projekte!

 

Die SchreibDilettanten auf Exkursion: Die Frankfurter Buchmesse 2012

Erneut haben wir uns aus unseren heimeligen vier Wänden in die große weite Welt hinausgewagt und uns in die heiligen (und vor allem vielen!) Hallen der Frankfurter Buchmesse begeben. Natürlich haben wir auf unsere Expedition in die Welt der Verlage, Agenturen und Autoren unser Mikrofon mitgenommen. Aber eins nach dem anderen.

Die Anfahrt zur Messe war brutal. Vor allem Marcus musste unter der unmenschlichen Zeit leiden und sich Freitagmorgen um 1 Uhr aus dem Bett quälen, um rechtzeitig zum ersten Interviewtermin um 10 Uhr in Frankfurt sein zu können. Berlin ist doch ein Stückchen weiter weg von Frankfurt und Autobahnen können ein tückisches Pflaster sein, weswegen der übervorsichtige Axel darauf bestand, so früh wie möglich loszufahren. Noch früher war einfach nicht möglich …

Die Fahrt war reibungslos. Tatsächlich gelang es Marcus sogar, gelegentlich eine Mütze Schlaf abzugreifen, so dass wir halbwegs ausgeruht aus der Ferne die eindrucksvolle Frankfurter Skyline in der Morgenröte auf uns zukommen lassen konnten.

Die Restmüdigkeit wurde schnell vertrieben, während wir uns in Frankfurt zurechtfummelten, um die Messe zu finden. Wir staunten nicht schlecht, wie groß das Messegelände ist, aber kaum hatten wir unsere Presseausweise gezückt, wurden wir professionell und souverän durch das Wirrwarr aus Parkhäusern und Messehallen hindurchgelotst.

Die Unausgeschlafenheit war Schuld daran, dass wir zunächst durch die International-Publishers-Halle irrten, uns auf Waffen und andere potenzielle Anschlagsobjekte von Männern mit fragwürdigem Englisch und kalten Händen durchsuchen ließen, um dann schließlich einem Messemitarbeiter den Heyne-Verlag zu buchstabieren, so dass er uns den Weg zu der richtigen Halle zeigen konnte.

Endgültig wach waren wir dann, nachdem wir endlich die Halle 3 betraten, wo sofort deutlich wurde, dass wir uns im Herzen der Messe und am Ziel unserer morgendlichen Odyssee befanden. Alle großen oder auch kleineren Verlage waren hier mit eindrucksvollen Ständen vertreten. Staunend taumelten wir zwischen Kamerateams, riesigen Aufstellen, Plakaten, massen von Büchern und Verlagsmitarbeitern.

Doch zum Schlendern blieb uns keine Zeit. Immerhin waren wir mit einer Mission hier. Und die lautete (zunächst), Christoph Hardebusch zu interviewen.

In gewohnt professioneller Weise schafften wir es auch, Christoph am Heyne-Stand zu identifizieren, zu erkennen, dass er gerade ziemlich beschäftigt war, und uns schnell wieder zu verziehen. Immerhin waren wir dank Axels pathologischer Furcht vor Verspätungen fast eine Stunde zu früh und bekamen so die Gelegenheit, uns nochmals intensiv auf das Interview vorzubereiten (soll heißen: Brainstorming mit Papier, Stift und iPad, Recherche per iPhone, gekritzelte Stichpunkte und Fragen, mit denen wir investigativ und knallhart Christoph aus der Reserve locken würden).

Als dann der Termin angerückt war, stellte sich als schwierigstes Unterfangen die Suche nach einem halbwegs ruhigen Plätzchen heraus. Wir entschlossen uns für die gemütliche Couch. Nicht ruhig, aber gemütlich.

So nahmen wir Christoph in unsere Mitte und ließen uns von seiner entwaffnenden Freundlichkeit einnehmen. Dahin war unser Fragenkatalog und journalistischer Anspruch. Hallo, Fanboys, die schließlich an seinen Lippen hingen und begeistert davon waren, dass Christoph nicht nur ein netter Typ von nebenan, sondern auch noch passionierter Rollenspieler ist wie wir.

Christoph nahm sich viel Zeit, sich unseren Fragen zu stellen und loungte sogar im Anschluss ans Interview noch eine Weile mit uns auf dem Sofa herum. Ein Autor zum Anfassen (nein, das ist nicht buchstäblich gemeint, wir haben Christoph nicht begrabbelt, wo denkst du hin …, ts.).

Schon auf dem Weg aus der Halle raus, auf der Suche nach einem halbwegs ruhigen Plätzchen, um erst einmal was zu frühstücken und ein Backup unseres Interviews zu ziehen, begegnete wir unserem nächsten Opfer, äh, Gesprächspartner: Thomas Finn. Tom, wie wir coolen Leute sagen, ließ sich sofort anquatschen, so dass wir ein hochprofessionelles Vorgespräch mit ihm führten, das beinahe länger wurde als das eigentliche Interview, das noch später folgen sollte.

Tom hatte noch zutun, wir wollten Backups, Kaffee und ein Brötchen (und Schlaf, aber daran war nicht zu denken), also gingen wir schnell alle unserer Wege, um uns in einer guten Stunde wieder zu versammeln.

Diesmal waren wir schlauer (glaubten wir wenigstens) und setzten uns mit Tom vor die Halle, denn wir hofften, dass es dort weniger Hintergrundgeräusche geben würde. Eigentlich auch ein kluger Plan, wenn man vom Nieselregen und einer Invasion von Messegästen mit Trolleys absah, die offensichtlich nichts Besseres zu tun hatten, als neben uns mit ratternden Kofferrollen auf dem unebenen Asphalt hin und her zu latschen.

Doch der tatendurstige Tom ließ sich seine gute Laune (von der er so viel im Überfluss hat, das es auch noch locker für uns reichte) nicht verderben und widmete sich engagiert unseren Fragen. Er stand uns lange Rede und Antwort und saß noch länger mit uns im Anschluss zusammen, um über Gott, die Welt und die Welt der Götter in Rollenspielen zu quatschen. Irgendwie bissen wir uns ein wenig am Rollenspielthema in den Nachgesprächen zu Interviews fest. Das kommt halt davon, wenn man Fantasyautoren interviewt und selbst Rollenspieler ist.

Und so versorgte uns Thomas Finn nicht nur mit viel Stoff für unser Interview, er wärmte auch unsere Herzen und gab uns viele wertvolle Tipps, an wen wir uns in Zukunft noch wenden können. Ihr habt’s gehört, liebe Autoren, wenn wir euch demnächst mit dem Mikro zu Leibe rücken – Thomas Finn ist schuld. Wir outen ihn gerne.

Der Nachmittag war bereits fortgeschritten und nach weiterem Schlendern durch die Messehallen beschlossen wir, uns ein wenig Frankfurt anzusehen und die Bäuche vollzuschlagen. Beides gelang uns vorzüglich.  Dann wurde es auch schon Zeit, unsere müden Häupter endlich im Hotel auszuruhen.

Wie zu vermuten war, war am Abend mit uns nach mehr oder weniger zwanzig Stunden, die wir am Stück on the road und auf den Beinen waren, nicht mehr viel los. Die SchreibDilettanten erwiesen sich in einer Hotelbar noch als BillardDilettanten und beschlossen, dann, dass es klüger war, schlafen zu gehen.

Um sechs Uhr morgens schrillte dann erneut der Wecker. Natürlich begannen wir unseren Morgen schreibend (Vorbereitungen zum NaNoWriMo, immerhin ist schon Oktober!) und checkten dann pünktlich um acht Uhr aus dem Hotel wieder aus, um geschwind auf dem Messegelände zu sein.

Wiederum sorgte Axels Tatendrang dafür, dass wir viel zu früh waren und deswegen noch die guten Parkplätze abgreifen konnten. Das erwies sich auch als vorteilhaft, denn so hatten wir genug Zeit, uns erneut im Hallenwirrwarr der Messe zu verlaufen und auf der Suche nach den Literaturagenten im Antiquariat zu landen. War aber schick dort, abgesehen davon, dass uns die nächste Leibesvisitation drohte, die wir nur knapp dank unseres ehrlichen Lächelns abwenden konnten.

So fanden wir doch noch in die richtige Halle und zum richtigen Interviewpartner und trafen uns mit Herrn Roman Hocke, Geschäftsführer der AVA-Autoren- und Verlagsagentur.

Der gediegene Profi sorgte dafür, dass wir uns ausnahmsweise mal zusammenrissen und ganz auf unsere flapsigen Respektlosigkeiten verzichteten. Umso aufschlussreicher wurde das Gespräch mit Herrn Hocke, der uns einen tiefen Einblick hinter die Kulissen und in die Arbeitsweise eines erfahrenen Literaturagenten gab.

Und dann kamen wir auch zum nächsten Hammer-Interview: charmante Gesprächspartnerinnen, tolle Fragen, spektakuläre Antworten. Wir lernten die beiden Köpfinnen der Schmidt & Abrahams Literaturagentur kennen, die uns bereitwillig, freundlich, offen und einnehmend sympathisch viel über sich und ihre Agenturarbeit verrieten. Ein grandioses Interview – das nie ein Mensch zu hören bekommen wird, da unser Aufnahmegerät nach den ersten drei Sekunden des Gesprächs beschloss, die Kooperation einzustellen, ohne uns das mit einem Signal zu verraten.

Leider war es zu spät, um das Interview erneut zu führen. Aber Natalja Schmidt und Julia Abrahams sicherten uns zu, sich unseren Fragen noch einmal schriftlich zu stellen, so dass wir die Essenz dieses traumhaften Interviews noch nachliefern können. Puh. Unser Glück, dass diese Literatur-Menschen alle so nett sind. Das gleicht unsere Unfähigkeit ein wenig aus.

Nachdem wir damit fertig waren, uns die Köpfe an bereitwillig herumstehenden Säulen vor Zorn und Scham blutig zu schlagen, mussten wir auch schnell weiter, um zum abschließenden Interview der Messe zu heitz …, äh, hetzen. Du ahnst es: Kein anderer als Markus Heitz stand auf dem Programm.

Wie immer waren wir viel zu früh da, was aber ausnahmsweise alle Beteiligten ziemlich gut fanden. Markus erwies sich als ebenso spontan wie sympathisch, indem er sich fast sofort von uns interviewen ließ. Nur für einen Keks für zwischendurch musste noch ein wenig Zeit sein.

Dass wir inzwischen schon ein wenig müdeinterviewt waren, glich Markus als Profi mit seiner Vitalität aus, so dass auch dieses Interview ein voller Erfolg wurde. Und obwohl Markus es angerissen hat, mieden wir ausnahmsweise mal das Thema Rollenspiele. Immerhin wollten wir ja über das Autorendasein reden und nicht wieder wie Fanboys dastehen.

Platt aber selig schleppten wir uns zum Auto und rollten schließlich durch einen sonnigen Nachmittag Richtung Heimat, um des nächtens wieder in den Berliner Hafen einzukehren.

Wir können es kaum erwarten, die Interviews zu veröffentlichen. Es warten echte Hammer auf euch. Alle Interviewpartner haben sich eine irre Mühe gegeben, waren freundlich und sehr auskunftsbereit. Wir waren schlichtweg begeistert darüber, wie offen und ausführlich unsere Fragen beantwortet wurden.

Kommenden Samstag, den 20.10.2012, geht es los, von da an gibt es jede Woche samstags ein neues Interview. Ihr dürft gespannt sein. Spitzt eure Bleistifte und markiert euere Kalender. So was dürft ihr nicht verpassen.

Interview: Richard Dübell

Foto: Uwe Zucchi 2011

Foto: Uwe Zucchi 2011

Richard Dübell ist vor allem bekannt als Autor historischer Romane. Die SchreibDilettanten hatten das große Vergnügen, ihn beim Ullstein Open House live erleben zu dürfen. Da wir brav seinem lebendigen und sehr aufschlussreichem Vortrag zum Thema Recherche lauschten, gewährte er uns großzügig dieses Interview über seine Autorenalltag, in dem er Einiges über seinen Schreibprozess verrät.

Kurzvita:

  • Geburtsdatum: 05.10.1962
  • Geburtstort: Landshut
  • Familienstand: verheiratet, 2 Kinder, 1 Katze
  • Wohnort: in der Nähe Landshuts
  • Erlernter Beruf: Industriefachwirt (IHK)
  • Autor seit: 1997 (Erscheinungsjahr DER TUCHHÄNDLER)
  • Unter Vertrag bei: Bastei Lübbe, Ullstein, Ravensburger
  • Bisheriges Werk: 14 historische Romane, 12 PM History-Artikel, Mitarbeit in 2 Kurzgeschichten-Anthologien, 1 Drehbuch (gefördert vom FFF im Jahr 2000), 1 Exklusiv-e-Book in Zusammenarbeit mit AmazonKindle
  • Übersetzungen: 14 Sprachen, darunter auch Südkoreanisch
  • Literaturagentur: Bastian Schlück
  • Eventmanagement: Christine Pongratz
  • Preise: Kulturförderpreis der Stadt Landshut 2003, Narrhalla-Orden der Stadt Landshut 2004
  • Sonstige Tätigkeiten: Stadtführer in Landshut, Theaterproduzent, Grafiker

1. Kapitel: Hosenscheißer (1962 – 1967)
Die Erinnerung an die frühen Kinderjahre ist getrübt – Ohrenzeugen zufolge ist anhaltendes Gebrüll eine beliebte Kommunikationsmethode – hervorstechendes äußeres Merkmal: kurze Sepperlhose, strohblonde Haare, dünne Beine, dickes Grinsen im Gesicht.

2. Kapitel: Schulisches Genie (1967 – 1976)
Jahrelange Nachwirkungen des ersten Schultags und an diesem die verzweifelte Frage: Wieso haben alle Klassenkameraden Rennautos auf den Schultüten und ich Schneewittchen? – Karriereknick im Gymnasium oder: Die Rache des Physiklehrers

3. Kapitel: Lehrjahre sind keine … (1976 – 1979)
Das Geheimarchiv der Energieversorgung: eine Lehrzeit in der Aktenablage – Berufsvorbilder an der Stempeluhr – ich muss hier raus! – Fluchtpunkt München – es gibt so viele schlechte Chefs: ich will ein guter sein!

4. Kapitel: Was mache ich am Nachmittag? (1976 – 1994)
Kreative Ausweichstellen – der Fotograf (nicht ungewöhnlich genug) – der Cartoonist (nicht politisch genug) – der Aquarellmaler (nicht farbsicher genug) – der Musiker (ogottogott!)

5. Kapitel: Ich glaub, hier ist eine Straße (1976 – 1994)
Die Entdeckung des geschriebenen Worts – Preise für Kurzgeschichten – Perry Rhodan: Unser Mann im Universum (und ich!) – Fanzines mit großen Auflagen (30 Stück und mehr!)

6. Kapitel: Das Projekt (1994 – 1995)
Weg von Kurzgeschichten, hin zum historischen Roman – Die äußeren Umstände der Sünde – haben Sie nichts anderes?

7. Kapitel: Auf dem Weg (1995 – grade eben
Erste Romanveröffentlichung: Der Tuchhändler, 1997 – seitdem: 14 historische Romane, in 14 Sprachen weltweit übersetzt, 1 Million verkaufte Exemplare – Kulturpreisträger der Stadt Landshut – Buchautor, Dozent, Stadtführer und Drehbuchdoktor

Interview

Lieber Richard, verrate kurz ein wenig etwas über dich und empfehle uns, welches deiner Bücher wir unbedingt zuerst lesen sollten.

Mein Name ist Richard Dübell. Ich bin dank der Gnade meines Geburtsortes Niederbayer und dank der Ungnade des Kalenders im Jahr 2012 ein halbes Jahrhundert alt. Ich lebe mit meiner Familie (1 Frau, 2 Söhne und eine Katze, die mich nicht mag) mittlerweile wieder in der Nähe meines Geburtsortes, weil die meisten Niederbayern irgendwann einmal wieder zu ihren Wurzeln zurückkehren.

Welches meiner Bücher sollte man zuerst lesen? Also, rein von der Warte der Erzählchronologie her betrachtet, macht es Sinn, Der Tuchhändler zuerst zu lesen –wenn man die fünfteilige Mittelalterkrimi-Reihe um den Kaufmann Peter Bernward in der richtigen Reihenfolge lesen will. Will man die Trilogie um den Codex Gigas, das größte Manuskript der Welt, in der richtigen Reihenfolge lesen, sollte man mit Die Teufelsbibel beginnen. Vielleicht hilft eine kurze Aufzählung bei der Entscheidungsfindung:

„Tuchhändler“-Serie:

  1. Der Tuchhändler
  2. Eine Messe für die Medici
  3. Die schwarzen Wasser von San Marco
  4. Das Spiel des Alchimisten
  5. Der Sohn des Tuchhändlers
„Teufelsbibel“-Trilogie:
  1. Die Teufelsbibel
  2. Die Wächter der Teufelsbibel
  3. Die Erbin der Teufelsbibel
Einzelromane
Gemeinschaftsroman von Quo Vadis

In Anthologien

Was war in deinem Leben das entscheidende Ereignis, das dich zum Schreiben brachte?

Es gibt zunächst ein entscheidendes Erlebnis, das mich zum Lesen brachte: das war der Büchereiausweis, den meine Oma mir schenkte, als ich sechs Jahre alt war. Ohne Lesen gibt es m.E. kein Schreiben; jeder Autor ist auch eine begeisterte Leseratte.

Was mein Leben als Autor betrifft, gibt es zwei Wendepunkte: Zum einen – als Teenager – die Berührung mit der Perry-Rhodan-Welt. Der Kontakt der Perry-Rhodan-Autoren zu ihren Lesern war und ist sehr eng, und ich fühlte, je mehr ich zum Fan der Serie wurde, die Begeisterung des Autorenteams für das Erzählen ihrer Geschichten. Bei mir selbst empfand ich zusehends Begeisterung bei dem Gedanken, vielleicht eines Tages auch einmal einen Perry-Rhodan-Roman schreiben zu können. In diesem Geist machte ich bei zwei Kurzgeschichtenwettbewerben der Redaktion mit und gewann beide Male den ersten Preis. Dies verschaffte mir engen Kontakt mit dem Fandom. In den nächsten Jahren arbeitete ich als Redakteur, Lektor, Autor und Grafiker bei verschiedenen Fan-Magazinen mit und war glücklich.

Der Eintritt ins Berufsleben brachte mich dann, was das Schreiben angeht, für eine Weile aus dem Tritt; aber – wir kommen jetzt zum zweiten Wendepunkt – Mitte der Neunziger Jahre hatte sich genügend kreatives Potenzial ungenutzt in mir aufgestaut, so dass ich gar nicht mehr anders konnte, als wieder mit dem Schreiben zu beginnen. Ich hatte das Glück, dass mein erster veröffentlichter Roman, Der Tuchhändler, sofort ein Bestseller wurde. Seitdem kann ich behaupten, dass ich den besten Beruf der Welt habe: den als Autor.

Wie schaffst du es, dich täglichen zum Schreiben zu motivieren?

Ich muss mich kaum jemals zum Schreiben motivieren. Eher muss ich mich manchmal zwingen, vom Schreibtisch aufzustehen und mich meiner Familie, meinen anderen Interessen oder mir selbst zu widmen. Zum Schreiben inspiriert werde ich von guten Geschichten; diese können in Form eines Buches, eines Artikel oder auch eines guten Films mein Interesse wecken. Es ist also der Drang, meine eigenen Geschichten zu erzählen, der mich vor die Tastatur holt. Natürlich motivieren auch sich nähernde Abgabetermine … oder – in einem viel stärkeren Maß! – der Zuspruch von Leserinnen und Lesern, denen meine Geschichten gefallen. Da weiß man dann auch wieder – falls man es vergessen haben sollte – für wen man letztendlich schreibt …

Wie sieht ein typischer Tag am Schreibtisch für dich aus?

Mein Arbeitstag beginnt spätestens um 8.00 Uhr morgens. Theoretisch schreibe ich, ohne links und rechts zu schauen, bis gegen 13.00 Uhr; dann kommen meine Jungs von der Schule nach Hause, und wir essen gemeinsam zu Mittag. Praktisch ist es so, dass dringende e-Mails, Anrufe oder sonstige Unterbrechungen dazwischen kommen, aber da ich mich nicht schwer damit tue, mich nach einer Störung wieder in die Geschichte hineinzuversetzen, ist das nichtweiter schlimm.

Am frühen Nachmittag habe ich normalerweise ein schreiberisches Leistungstief und kümmere mich um Verwaltungskram oder unternehme etwas mit meiner Familie. Gegen 17.00 sitze ich dann wieder vor der Kiste und arbeite weiter; wenn die Muse mich leidenschaftlich geküsst hat, auch schon mal den größten Teil der Nacht hindurch, aber bis um Mitternacht mindestens. Es kommt also summa sumarum ein Zwölf-Stunden-Schreibetage zusammen. Ich denke, dass die meisten meiner Kolleginnen und Kollegen ähnliche Arbeitspensen haben.

Natürlich gilt das nicht ausschließlich für JEDEN Tag; es gibt auch noch andere Verpflichtungen und Freuden neben dem Schreiben! Aber grundsätzlich sieht mein Tag so aus wie gerade geschildert.

Warum hast du dich dazu entschieden, historische Romane zu schreiben?

Ich habe ein starkes persönliches Interesse an Geschichte, also fiel es mir damals bei meinem ersten Roman nicht schwer, das historische Genre anzunehmen. Ich schreibe auch moderne Krimikurzgeschichten und arbeite derzeit an einem modernen Kriminalroman, der im Jahr 2013 bei Ullstein erscheinen wird. Mein erzählerisches Schwergewicht wird allerdings beim historischen Roman bleiben – da hängt einfach mein Herz dran.

Es ist aber auch das Vergnügen an der Recherche, das mich meinem Genre treu bleiben lässt. Historische Vor-Ort-Recherchen machen Spaß! Ich besuche alle wichtigen Schauplätze meiner Romane persönlich, spreche mit Historikern und Archivaren und mache mich selbst auf die Suche nach Überresten der Zeit, in der meine jeweilige Geschichte spielt.

Wie kommst du zu deinen Grundideen?

Ich nähere mich einer Geschichte auf zwei Wegen: entweder interessiert mich ein Thema (z.B. bei der Teufelsbibel-Trilogie die Implikationen, die ein Spruch von Augustinus in mir auslöste:„Der Preis deiner Liebe bist du selbst.“) oder ein historisches Ereignis (z.B. bei den Pforten der Ewigkeit das Große Interregnum und der Untergang der Katharer). In beiden Fällen konzipiere ich eine Geschichte, die mit dem Ort, dem gewählten Thema, den Charakteren, die die Story tragen, und der Epoche, in der ich sie ansiedle, eine Einheit bildet. Ich bin ein Feind von beliebigen Geschichten, die nur deshalb im Mittelalter spielen, weil das Mittelalter gerade en vogue ist, die aber eigentlich überall spielen könnten.

Was ist deiner Ansicht nach das Besondere, was das Schreiben von historischen Romanen vom Schreiben Romanen anderer Genres unterscheidet?

Man kann wunderbare Abenteuergeschichten mit großen Gefühlen schreiben, wenn man sich mit seinen Charakteren in der Historie bewegt. Ich möchte das Leuchten in den Augen meiner Leser sehen und ihre Herzen zum Pochen bringen, wenn man so will. Sicherlich spielt bei uns historischen Romanautoren aber auch eine gewisse pädagogische Ader eine Rolle; in Historienromanen kann man viele geschichtliche Fakten unterbringen und Aha-Effekte bei den Lesern auslösen – wenn sie gut geschrieben sind, sogar gewissermaßen im Vorbeigehen, also ohne dass die Leser merken, dass sie gerade etwas gelernt haben.

Was sollte man deiner Meinung nach unbedingt wissen und beachten, wenn man historische Romane schreiben möchte?

Beachten muss man das, was ich schon vorhin erwähnt habe: die Einheit von Thema, Ort, Charakteren, Story und Epoche. Ich rate auch dazu, die Recherche ernst zu nehmen und alle Fakten, die man sich angelesen hat, durch zweite Quellen zu untermauern und so viele Gespräche mit Fachleuten wie möglich zu führen. Historische Fehler in einem Historienroman sind peinlich, dadurch verrät man gewissermaßen das Genre, in dem man arbeitet. Ich halte das für unprofessionell und lasse daher „Fakten“, über deren Wahrheitsgehalt ich mir nicht ganz sicher bin, lieber weg.

Wie entwickelst du Figuren?

Meine Charaktere wachsen mit der Story, die ich erzählen möchte. Jede Figur hat eine bestimmte Aufgabe in einer Geschichte zu erfüllen, und ich gestalte sie im ersten Anlauf so, dass sie diese Aufgabe auch erfüllen kann. Im zweiten Anlauf ändere ich die Charakterisierung dahingehend, dass die Figur die Aufgabe zwar lösen kann, aber dabei jede Menge Schwierigkeiten bekommt. Ein einfaches Beispiel: wenn eine Figur jemanden vor dem Ertrinken retten muss, werde ich dafür sorgen, dass diese Figur nicht schwimmen kann …

Benutzt du Plotmuster und/oder Schreibpläne? Wie gehst du dabei vor, die Handlung deiner Romane zu entwickeln?

Ich schreibe ein recht ausgefeiltes Exposé, für das ich mir – bei komplizierten Romanhandlungen oder umfangreichen Storys – schon ein paar Wochen Zeit nehme. Dabei habe ich eine Mischung aus Vorgehensweisen: teilweise entwickle ich einen Handlungsstrang vom Anfang bis zum Ende und webe ihn dann in das Geflecht der anderen Handlungsstränge ein, teils entwickle ich die Story aber auch chronologisch und springe dabei von einem Strang zum anderen. Ich lege in dieser Phase fest, aus welchen Perspektiven ich die Geschichte erzähle. Alle meine Storys werden aus den Blickwinkeln der Figuren erzählt; ich glaube fest daran, dass die Charaktere die Story vorantreiben müssen. Daher kommt die auktoriale Erzählperspektive des allwissenden Erzählers bei mir nur äußerst selten vor.

Erst wenn ich das Gefühl habe, dass meine Geschichte schlüssig ist und das Exposé sie richtig wiedergibt, beginne ich mit der Arbeit am eigentlichen Manuskript.

Was ist für dich die wichtigste Schreibtechnik?

Ich lege großen Wert auf möglichst naturgetreue, zugespitzte Dialoge. Wenn ich diese schreibe, „spiele“ ich sie mir dabei quasi vor. Erst wenn ich sie so spielen und sprechen kann, dass die Gefühle, die ich damit transportieren will, erkennbar sind, halte ich sie für gelungen.

Wie und wie oft überarbeitest du deine Texte?

Ich arbeite schon beim ersten Schreiben des Manuskripts immer wieder vor und zurück. Wenn es fertig ist, kommen meine Probeleser ins Spiel, gleichzeitig lese ich das gesamte Manuskript meiner Frau einmal laut vor. Die Änderungsvorschläge, die dabei entstehen, arbeite ich in einer Komplettüberarbeitung ein. Danach geht das Manuskript an meinen Verlag, dessen Rückmeldungen wiederum eine Überarbeitung bedingen. Zuletzt kommen die Fahnenkorrekturen, bei denen man noch ein letztes Mal auf die Jagd nach Rechtschreib- und Tippfehlern geht.

Welches Feedback bekommst du von deinem Lektor und wie setzt du es um?

Das Feedback kommt in Form von ein, zwei längeren Gesprächen und von Kommentaren bzw. nachvollziehbaren Änderungsvorschlägen im elektronischen Manuskript. Ich habe als Autor die letztliche Entscheidung, ob ich einen Änderungsvorschlag umsetze oder nicht, aber als Autor tut man gut daran, sich nicht leichtfertig über die Vorschläge des Lektorats hinwegzusetzen. Man verliert zwangsweise die Objektivität mit seinem eigenen Manuskript, und die Anregungen von außen helfen einem, die Geschichte mit den Augen des nicht vorinformierten, unvoreingenommenen Lesers zu sehen.

Wie lange brauchst du im Durchschnitt für die Fertigstellung eines druckreifen Romans?

Vier bis acht Monate, Recherchereisen und Überarbeitungen inbegriffen. Manchmal treibt einen die Muse vor sich her, dann geht’s blitzschnell (für Die Pforten der Ewigkeit habe ich nur vier Monate gebraucht), manchmal hält einen eine Story etwas länger fest, weil man feststellt, dass man bei der Konzeption den einen oder anderen Aspekt übersehen hat oder vom Exposé abweicht, weil man plötzlich eine noch bessere Idee hat, wie die Geschichte erzählt werden kann.

Wie wir wissen, arbeitest du mit einer Literaturagentur zusammen. Wie hast du deinen Agenten/deine Agentin gefunden und wie sieht die Zusammenarbeit genau aus?

Meine erste Agentin habe ich gefunden, indem ich mehrere namhafte deutsche Agenturen anschrieb und bat, mir ein Angebot für meine Vertretung zu unterbreiten. Mittlerweile hat sie sich aus dem Geschäft verabschiedet, so dass ich vor einiger Zeit einen neuen Agenten gesucht habe. Da habe ich dann schon gezielt die Agentur angerufen, mit der ich zusammenarbeiten wollte, und nach einem Treffen den Vertrag unterschrieben.

Agent und Autor entwickeln im Idealfall zusammen die Projekte weiter, die dem Autor eingefallen sind. Ein guter Agent hat ein Gespür dafür, ob die Story, die der Autor erzählen will, überhaupt eine Marktchance hat; ob er sie besser komplett in der Schublade verschwinden lässt oder ob Änderungen nötig sind. Der Autor bleibt dabei der Schrittmacher; der Agent hilft ihm nur, dass er vor lauter Bäumen den Wald weiterhin sehen kann. Außerdem übernimmt der Agent die Vertragsverhandlungen mit den Verlagen, so dass der Autor sich auf die kreative Zusammenarbeit mit dem Lektorat konzentrieren kann und die ganzen kaufmännischen Streitereien um Vertragspassagen und Honorare nicht selber ausfechten muss.

Ein guter Agent ist aber auch die Anlaufstelle für den Autor, wenn der gerade mal einen Verzweiflungsanfall hat: weil er seiner Story plötzlich misstraut, weil er das Gefühl hat, alle anderen werden gelesen, nur er nicht, weil er meint, dass der Verlag nicht genug für ihn tut … und natürlich auch, wenn es wirklich mal um Probleme geht, weil z.B. die Zusammenarbeit mit einem Lektor nicht klappt oder weil Vertragszusagen nicht eingehalten werden.

Die Verlagswelt ist dank Möglichkeiten zum Self-Publishing und E-Books im Umbruch. Würdest du, wenn du deine Karriere heute beginnen würdest, auf einen Verlag verzichten und deine Bücher lieber selbst verlegen?

Nein, ich würde weiterhin den Weg über einen Verlag wählen. Die Zusammenarbeit mit einem namhaften Verlag schließt das E-Publishing nicht aus, weil die meisten davon eigene E-Book-Abteilungen haben oder mit entsprechenden Anbietern kooperieren. Es gibt einige berühmte Beispiele dafür, dass Autoren mit Self-Publishing ins Geschäft gekommen sind; es gibt noch viel mehr Beispiele dafür, dass Autoren es damit genau nicht geschafft haben.

Die Möglichkeit zum einfachen Self-Publishing im Elektronikzeitalter gibt uns Autoren sicherlich einen längeren Hebel als bisher in die Hand, weil wir nicht mehr zwangsweise auf Verlage angewiesen sind, um unsere Geschichten zu erzählen. Aber ein guter, engagierter Verlag ist ein extrem wichtiger Partner für einen Autor, und man sollte gut abwägen, ob man auf eine ehrliche und erfolgreiche Partnerschaft verzichten will.

Marketing und Internetpräsenz für Autoren sind gerade wichtige Themen. Wie hältst du es damit?

Ich habe eine eigene Homepage und eine zusätzliche Facebook-Präsenz. Daneben tummle ich mich in den Foren meiner Verlage und bin gerne bereit, bei autorenbegleiteten Leserunden in den bekannten Literaturforen mitzuwirken. Die Videos, die ich zuweilen für meine Lesungen erstelle, mache ich in youtube einen breiten Publikum bekannt. Das alles ist auch Teil meiner Marketingaktivitäten. Zusätzlich biete ich Lesungen, Vorträge und Autorengespräche an, begleite Urlaubsreisen als Vorleser/Vortragender und mache mich für Lesen in Schulen stark. Hier arbeite ich eng mit einer Eventagentur zusammen, die mir die organisatorischen Details abnimmt.

Das Material für die Enhanced-E-Book-Ausgaben meiner Romane stelle ich selbst zusammen, ebenso das Material für die meisten Mailingaktionen, die ich entweder selbst oder in Zusammenarbeit mit meinen Verlagen durchführe. Bei Verlosungsaktionen kann man schon mal einen Nachmittag mit mir gewinnen oder eine Einladung zu meinen Stadtführungen und Theaterprojekten in meiner Heimatstadt Landshut. Und wer ein persönlich signiertes Buch von mir möchte, kann dieses über meine Eventagentur www.events-fuer-autoren.de versandkostenfrei kaufen.

Ich halte es für wichtig, für meine Leser ansprechbar zu sein. Die meisten meiner eigenen Marketingmaßnahmen zielen daher darauf ab, mit meinen Lesern in Kontakt zu kommen – entweder in echt oder über das Internet. Die Werbemaßnahmen, die meine Verlage anstoßen – Anzeigen in Tageszeitungen und Illustrierten, Gesprächsrunden mit Journalisten oder Promotion-Reisen – kommen noch hinzu.

Rückblickend auf deine bisherige Karriere, was würdest du vielleicht anders machen? Welches sind deine Ziele für die Zukunft?

Ich würde mir von Anfang an einen Agenten suchen, weil man in der totalen Begeisterung, dass man für sein erstes Manuskript einen Vertrag angeboten bekommt, gerne mal Vertragspassagen akzeptiert, die einem später nur Nachteile bescheren.

Meine Ziele für die Zukunft? Ich möchte gerne mit 109 Jahren tot über der Tastatur zusammenbrechen, nachdem ich ENDE unter die letzte Manuskriptzeile getippt habe. Oder mit 112 Jahren. Und ich wünsche mir sehr, dass ich bis dahin nicht verlernt habe, meine Leser zu begeistern und zu unterhalten.

Was ist dein wichtigster Ratschlag für jemand, der mit dem Schreiben beginnen möchte?

Ein Autor sollte sich immer als Handwerker begreifen, dessen Erfolg davon abhängt, wie gerne seine Kunden mit seinen Handwerkserzeugnissen umgehen. Dass ein künstlerischer Aspekt dabei ist, ist kein Hindernis – auch ein guter Möbelschreiner wird sich in gewissem Maß als Künstler verstehen. Dieser Ratschlag richtet sich nicht an diejenigen, die Schreiben zur Selbsttherapie betreiben (was auch völlig in Ordnung ist), sondern an diejenigen, die als Autoren auf dem Markt Fuß fassen wollen. Denken Sie immer daran: eine Geschichte ist erst zur Hälfte fertig, wenn sie geschrieben ist – sie muss auch gelesen werden, um vollständig zu sein.

Wozu würdest du unveröffentlichten Autoren raten, die eine Publikationsmöglichkeit für ihr Manuskript suchen?

Da gibt es ein paar einfache Grundregeln:

  • Werden Sie sich darüber klar, was Sie geschrieben haben – einen Krimi oder einen Liebesroman?
  • Werden Sie sich über Ihr Zielpublikum klar.
  • Werden Sie sich darüber klar, worum es eigentlich geht (das Thema Ihrer Geschichte)
  • Werden Sie sich darüber klar, worin sich Ihre Geschichte von den 90.000 anderen Neuerscheinungen jährlich unterscheidet
  • Fassen Sie all das in drei bis fünf Sätzen ohne allzu viele eingeschobene Nebensätze zusammen
  • Finden Sie den richtigen Verlag für Ihre Geschichte (das können Sie, indem Sie im Buchladen schauen, welche Verlage ähnlich gelagerte Romane publizieren)
  • Rufen Sie dort an, senden Sie kein unverlangtes Manuskript ein.
  • Lassen Sie sich von Absagen nicht entmutigen.

Hast du dich für das Genre historischer Roman entschieden, weil du dir kommerziellen Erfolg davon versprochen hast?

Ich habe, bevor ich mein erstes Romanprojekt startete, auf den Bestsellertischen in den Buchläden geschaut, wofür sich die Leser gerade begeistern. Zu meiner Freunde war das damals der historische Roman (Ken Follett, Noah Gordon und Kollegen waren gerade in den Bestsellerlisten). Ich konnte also frohgemut in ein Genre einsteigen, für das ich mich ohnehin hätte entscheiden wollen.

Würdest du, wenn der Markt sich ändert, auch Romane anderer Genres schreiben?

Mir kommt es darauf an, gute, spannende Geschichten zu erzählen – Gefühle in meinen Lesern zu wecken, sie zum Lachen und zum Weinen zu bringen. Im Rahmen dessen ist mir grundsätzlich jedes Genre recht; aber selbstverständlich gibt es Genres, die in einem nicht so liegen, und ich glaube, dass man nicht wirklich überzeugend eine Geschichte erzählen kann, deren Setting einem schon von Grund auf nicht gefällt. Insofern würde ich mich, falls der historische Roman plötzlich völlig aus dem Wohlwollen des Publikums verschwinden sollte, bei den dann gerade beliebten Genres umsehen und hoffen, dass ich mich bei einem wiederfände.

Ich arbeite ohnehin zur Zeit an einem modernen Kriminalroman für den Ullstein-Verlag; und vielleicht kann ich mit meinen Jugendbüchern bei Ravensburger ein bisschen ins Fantasy-Genre hineinschnuppern. Mit meinem Perry-Rhodan-Roman Toufec habe ich ja schon mal einen Versuch in Sachen Science Fiction abgeliefert …

Hast du Vorbilder? Wenn ja, welche und was findest du an ihnen vorbildlich?

Meine großen Vorbilder sind Raymond Chandler (was die Knappheit der Erzählung und die lakonische Sprache angeht), Stephen King (was die mühelose Charakterisierung von Figuren betrifft), T.C. Boyle (für wunderbar abstruse und doch logische Wendungen in den Plots seiner Geschichten) und Terry Pratchett (für seine Gabe, gestochen scharfe Gesellschaftskritik und tiefe Menschlichkeit mit Hilfe schreiend komischer Geschichten zu transportieren).

Du veranstaltest viele Schreibkurse. Was motiviert dich dazu, anderen Menschen das Schreiben beizubringen?

Mir macht das Schreiben viel Spaß. Es bereichert mein Leben. Ich denke, dass es viele Menschen gibt, die ein ähnliches Talent wie ich besitzen und die ihr Leben mit dem Schreiben ebenso bereichern könnten, aber nicht so recht wissen, wie sie es anfangen sollen. An diese Menschen richtet sich mein Angebot. Ich bin jemand, der sein Wissen gerne teilt und anderen über die Schwellen hilft, über die ich selbst vielleicht mühsam kraxeln musste.

Kann man in deinen Schreibwerkstätten nur das Schreiben historischer Romane lernen?

In meinen Schreibwerkstätten kann man die Grundzüge des Geschichtenerzählens lernen. Dies beschränkt sich nicht auf den historischen Roman, tatsächlich nicht einmal auf das Romanschreiben an sich. Mein Angebot können z.B. auch Drehbuchautoren nutzen oder Autoren von PC-Games. Zusätzlich gibt es noch für all diejenigen, die gerne ein Buch mit ihrem Namen drauf in den Buchläden haben möchten, wertvolle Tipps zum Kontakt mit Verlagen und zum Selbstmarketing.

Lieber Richard Dübell, vielen dank für deine Zeit.

War mir ein Vergnügen!

Mehr über Richard Dübell:

Folge 32 – Das KISS-Prinzip

Nein, Episode 32 ist keine 80er-Jahre Folge, in der Marcus und Axel darum wetteifern, wer der bessere Prince-Imitator ist (Wer diese Folge wirklich hören will, gibt seine Stimme dafür bei den Kommentaren ab – nicht …)

Stattdessen geht es darum, sich kurz zu fassen, vor allem beim Schreiben. Wie schwierig das ist, demonstrieren Axel und Marcus nicht nur in jeder 40-Minuten-Folge, sondern auch bei Definitionsversuchen und ihren Erfahrungen mit der Umsetzung des KISS-Prinzips.

Wochentipp: Minutemen